Beweidung als Schlüssel zum Artenerhalt im Gipskarstgebiet
Ab 2018 erhalten Schaf- und Ziegenhalter im Südharzer Zechsteingürtel finanzielle Unterstützung durch den Bund. Dieses Gebiet, das größte und bedeutendste Gipskarstgebiet Mitteleuropas, zeichnet sich durch artenreiche Zwergstrauchheiden, Orchideen-Buchenwälder und Trockenrasen aus. Eine angepasste Beweidung ist für den Erhalt dieser Kulturlandschaft von Bedeutung.
Das Projekt „Gipskarst Südharz – Artenvielfalt erhalten und erleben“ läuft von 2018 bis 2023 im thüringischen Landkreis Nordhausen. Es wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) begleitet und durch Mittel des Bundesumweltministeriums (BMUB) gefördert.
In den letzten Jahren hat sich die Anzahl schaf- und ziegenhaltender Betriebe deutschlandweit stark reduziert – so auch im Südharz. Allerdings ist ohne die Schaf- und Ziegenhalter die Landschaftspflege der wertvollen Offenlandbiotope undenkbar. Das Projekt verbindet beide Bereiche: Indem es eine nachhaltige extensive Beweidung fördert, trägt es zum Schutz und Erhalt dieser einzigartigen Kulturlandschaft bei.
Durch traditionelle extensive Beweidung haben sich im Südharzer Zechsteingürtel über Jahrhunderte wertvolle Trocken- und Halbtrockenrasen sowie Zwergstrauchheiden entwickelt. Deren Artenreichtum ist jedoch durch den Rückgang der Weide- und Mahdnutzung gefährdet.
Ziele und Maßnahmen des Projekts
Ein Ziel des Vorhabens ist es, den Rückgang der schafhaltenden Betriebe und der Weidetierzahlen zu stoppen. Weidetierhalter werden bei der Vermarktung ihrer Produkte unterstützt, indem regionale Vermarktungsstrukturen genutzt und weiterentwickelt werden. Zudem erhalten Interessierte an der Weidetierhaltung Informations- und Beratungsangebote, um die Hofnachfolge zu sichern.
Mit diesem Projekt wollen wir insbesondere auch zu regionalen Partnerschaften anregen und diese fördern. Denn nur wenn die unterschiedlichen Akteure vor Ort eng zusammenarbeiten und sich gemeinsam für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen, kann sie langfristig gesichert werden.
Die vorgesehenen Standorte werden durch gezielte Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für eine Beweidung vorbereitet. Auch direkte Artenschutzmaßnahmen sind geplant: Zur Erhaltung von Feuersalamander, Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte werden neue Laich- und Fortpflanzungsgewässer angelegt. Gezielte Pflegemaßnahmen sollen zudem lichte Wälder und Wald-Offenland-Übergänge in der Region entwickeln.
Umfassende Angebote zur Umweltbildung, Verbesserungen der touristischen Infrastruktur und eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit begleiten die Projektarbeit. Das auf sechs Jahre angelegte Projekt wird vom Landschaftspflegeverband Südharz/Kyffhäuser e.V. koordiniert.
Das Vorhaben wird in einem von insgesamt 30 Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland umgesetzt. Diese Gebiete wurden vom BfN als Regionen mit einer hohen Dichte und Vielfalt unterschiedlicher Arten, Populationen und Lebensräume identifiziert.
Hintergrund des Bundesprogramms
Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) wird seit 2011 durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt. Gefördert werden Vorhaben, die im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung haben oder die Strategie beispielhaft umsetzen. Die Maßnahmen tragen dazu bei, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und langfristig umzukehren. Sie dienen dem Schutz, der nachhaltigen Nutzung und der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über rechtlich geforderte Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen der Information und Kommunikation sollen das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt stärken.

