Einzigartige Pflanzenart im Fokus des Artenschutzes
Ein neues Biodiversitätsprojekt mit dem Titel „Löffelkraut & Co.“ widmet sich dem Schutz des Bayerischen Löffelkrauts. Diese Pflanzenart ist ein Endemit, der weltweit ausschließlich in zwei bayerischen Teilgebieten vorkommt. Bayern trägt somit die globale Verantwortung für seine Erhaltung.
Das Projekt, das bis 2016 läuft, zielt darauf ab, die Vorkommen dieser Art zu erfassen und durch gezielte Maßnahmen zu sichern. Im Fokus stehen dabei die Lebensräume der Pflanzen, insbesondere naturnahe Kalkquellen, wenig beeinträchtigte Quellbäche und Bachoberläufe.
Für die Umsetzung erhält der BUND Naturschutz in Bayern (BN) rund 450.000 Euro aus dem Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Ergänzt wird dies durch Eigenmittel des Verbandes in Höhe von 65.000 Euro sowie Fördermittel des Bayerischen Naturschutzfonds von 130.000 Euro. Insgesamt stehen damit knapp 650.000 Euro für das Projekt zur Verfügung.
Das von der Bundesregierung 2011 neu eingerichtete Bundesprogramm Biologische Vielfalt fördert mit einem Titelansatz von 15 Millionen Euro im Jahr besonders gute und bundesweit beispielhafte Projekte, die zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt beitragen können. Das „Löffelkraut & Co“-Projekt des BN war das erste Projekt des neuen Förderprogramms. Es setzt sich für den Erhalt einer Art ein, für die Deutschland auch aufgrund ihrer Gefährdung eine besondere Verantwortung trägt.
Dies erklärte Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).
Mit dem Projekt „Löffelkraut & Co“ zeigen wir, dass der Schutz von Arten und gefährdeten Lebensräumen gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort praktisch umsetzbar ist. Mithilfe von Freiwilligen und Unterstützung von Politik, Behörden und Landnutzern können wir es schaffen, einer nur in Bayern vorkommenden Art stellvertretend für ihren gefährdeten Lebensraum deutlich bessere Überlebenschancen zu sichern – zum Wohle der Natur und damit auch zum Wohle des Menschen.
Ergänzte der BUND-Vorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger.
Projektinhalte und Maßnahmen
Zentrale Bestandteile des Projekts sind wissenschaftliche Erhebungen, die Erstellung von Pflegeplänen, die Umsetzung von Maßnahmen, die Flächensicherung und die Öffentlichkeitsarbeit. Für einige Standorte ist eine nähere Untersuchung der genetischen Differenzierung der Art vorgesehen, um eine klare Abgrenzung zum nahe verwandten Pyrenäen-Löffelkraut zu gewährleisten.
Einige Maßnahmen führt der BN selbst durch. Bei anderen, wie hydrologischen Sanierungen, kooperiert der BN mit Partnern wie den Wasserwirtschaftsämtern. Weitere aktive Partner, darunter Landschaftspflegeverbände und Maschinenringe, werden bei ihren Maßnahmen vom BN unterstützt. Besonders wichtige Wuchsorte werden durch Ankauf gesichert.
Die Auftaktveranstaltung des Projekts fand an einem bedeutenden Standort statt, der im Rahmen des Projektes durch Pflegemaßnahmen optimiert wird.
Beispiel Ollarzried
Am Wuchsort „Ollarzried“ verteilen sich die Vorkommen des Löffelkrauts auf vier räumlich getrennte Bereiche. Diese zählen zu den größten und bedeutendsten Vorkommen der Art in Schwaben. Ehrenamtliche der BN-Ortsgruppe Ottobeuren sowie Mitglieder der Bürgerinitiative „ollarzried aktiv“ haben bereits Maßnahmen zur Entbuschung durchgeführt, was zu einer Zunahme der Bestände führte.
Als nächstes ist geplant, einen hydraulischen Widder, eine wassergetriebene Pumpe zur Anhebung des Wasserstands, so umzugestalten, dass er für die Öffentlichkeit einsehbar ist. Ähnlich wie in Ollarzried sollen auch an anderen Standorten Betreuer-Netzwerke etabliert werden, um die langfristige Sicherung der Vorkommen zu gewährleisten.
Dieses Vorhaben zeigt, dass das Bundesprogramm Biologische Vielfalt zum Motor und Impulsgeber für den Schutz und den nachhaltigen Umgang mit der biologischen Vielfalt in Deutschland wird.
Betonte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Die im Projekt berücksichtigten Co-Arten stehen stellvertretend für zahlreiche andere gefährdete Feucht- und Quelllebensräume. Diese sind durch zunehmende Entwässerung, Nutzungsintensivierung, Eutrophierung und Isolierung bedroht.
