Verbände und Organisationen

Novellierung der Düngeverordnung: Herausforderungen für Champignonbetriebe

Die 68. Jahrestagung des Bund Deutscher Champignon- und Kulturpilzanbauer (BDC) verzeichnete einen Teilnehmerrekord. Ein zentrales Thema war die Novellierung der Düngeverordnung, die besonders Champignonanbauer betrifft, da Champost unter diese Verordnung fällt.

Auswirkungen der Düngeverordnung auf Champost

Ein zentrales Thema war die Novellierung der Düngeverordnung, die besonders Champignonanbauer betrifft, da das abgeerntete Substrat, der sogenannte Champost, unter diese Verordnung fällt. Dr. Peter Oswald vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) informierte über die neuesten Entwicklungen. Demnach soll in Gebieten mit einem Stickstoffgehalt unter 50g N/l die Sperrfrist vom 15. Dezember bis zum 15. Januar gelten. Viele Landwirte schätzen Champost aufgrund seines hohen Feststoffgehaltes als wertvolles Mittel zur Bodenverbesserung.

Kommunikationsstrategien und innovative Substratentwicklung

Michael Legrand vom Grünen Medienhaus (GMH) berichtete über die Kommunikationsstrategien des BDC. Mit dem Schulpilzprogramm, der Internetseite "gesunde-Pilze", monatlichen Presseartikeln und Aktivitäten auf YouTube und Facebook erreicht der BDC mit geringen Etats deutliche Erfolge.

Der BDC hat die verschiedenen Aktivitäten mittlerweile sehr gut vernetzt. Zum Erfolg der Pressearbeit trägt das Engagement vieler Mitglieder bei, die sich für bestimmte Themenbereiche einsetzen und diese authentisch mit Leben füllen.

Piet Mertens von Pull BV stellte das Thema „Champostverarbeitung zu Gemüsesubstrat – Möglichkeiten und Grenzen“ vor. Das niederländische Unternehmen, bekannt für Perlite und Vermiculite im Gartenbau, bietet mit „Pull Organic“ ein Champost-basiertes Substrat für den Gartenbau unter Glas an. Mertens berichtete von positiven Erfahrungen beim Anbau von Tomaten und Gurken mit diesem Substrat. Eine Herausforderung sei jedoch die Akzeptanz organischer Substrate bei Gärtnern, die an inerte Stoffe wie Steinwolle gewöhnt sind, deren Entsorgung zunehmend aufwendiger wird. Zudem werden mögliche Keimgefahren diskutiert, weshalb Pull intensiv an einer Lösung mittels Kompostierung arbeitet.

Effizienzsteigerung in der Pilzkultur durch neue Technologien

Frank Cornelissen von Technik Experten Limbraco präsentierte neue Ideen für die Champignonkultur. Traditionell werden Champignons in sechs Lagen angebaut. Zukünftig könnten das Myzelwachstum und die Ernte in getrennten Räumen stattfinden. Da das Pflücken der Pilze weiterhin Handarbeit ist, ließe sich dies bei der Ein- oder Zweilagenkultur effizienter gestalten als bei der klassischen Methode. Cornelissen sieht Potenzial in der Zweilagenkultur, da bestehende Anlagen mit geringem Aufwand umgerüstet werden können.

Ger van Knippenberg von ARCO sprach über Effizienzsteigerungen beim Wiegen und Verpacken durch moderne Verpackungslinien. Diese zeichnen sich durch raffinierte Waagen aus, die sich innerhalb der eingestellten Toleranzwerte selbst kontrollieren.

Dubi Raz von Netafim aus Israel stellte ein neues Bewässerungssystem für Pilzanbauer vor: die Bewässerung der Champignons im Regalsystem mit Tropfschläuchen. Bislang ist das Sprühen über Kopf die gängige Methode, die jedoch den Nachteil hat, dass die Pilze energieaufwendig trockengeheizt werden müssen, um Flecken zu vermeiden. Die in der Deckerde verlegten Tropfschläuche ermöglichen eine feinere und kontinuierlichere Bewässerung. Dies trägt dazu bei, die Qualität der Pilze in der zweiten und dritten Welle, die bisher als minderwertig galt, erheblich zu steigern.

Michael Schattenberg fasste zusammen:

Die Vorträge der 68. BDC-Jahrestagung zeigen, an wie vielen Stellschrauben die Pilzproduzenten drehen können, um ihre Arbeit immer effizienter zu gestalten. Dies ist auch zukünftig im Sinne einer rentablen Produktion vor dem Hintergrund steigender gesetzlicher Anforderungen wichtig.

12.10.2016

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