Naturschutz

Breites Bündnis fordert Pestizid-Ausstieg bis 2035

Über 100 Organisationen fordern den Ausstieg aus chemisch-synthetischen Pestiziden bis 2035. Geplant sind strengere Regeln, ein Monitoring sowie eine Abgabe, um Umwelt und Landwirtschaft nachhaltig zu schützen.

Pestizid-Ausstieg bis 2035: Bündnis fordert strengere Regeln und Abgaben

Mehr als 100 Akteure aus Landwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft sowie Wissenschaft fordern einen grundlegenden Kurswechsel im Umgang mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln. In einem offenen Brief an Bundestagskandidat:innen sprechen sie sich für einen schrittweisen Ausstieg bis 2035 aus und adressieren damit zentrale Herausforderungen für den Gartenbau sowie den gesamten Agrarsektor.

Zu den Unterzeichnern zählen neben dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft unter anderem die Deutsche Umwelthilfe, das Umweltinstitut München, Demeter sowie internationale Wasserverbände. Gemeinsam fordern sie verbindliche politische Entscheidungen auf nationaler und europäischer Ebene, um den Einsatz besonders kritischer Wirkstoffe deutlich zu reduzieren.

Konkrete Forderungen an die Politik

Im Mittelpunkt steht ein klarer Fahrplan für den Ausstieg aus synthetisch-chemischen Pestiziden. Bereits innerhalb der kommenden fünf Jahre sollen besonders gesundheitsschädliche und umweltgefährdende Wirkstoffe verboten werden. Parallel dazu fordern die Initiatoren eine grundlegende Reform des Zulassungsverfahrens auf EU-Ebene.

Dabei sollen bislang unzureichend berücksichtigte Faktoren stärker in den Fokus rücken. Dazu gehören insbesondere die weiträumige Verbreitung von Pestiziden über die Luft sowie die Wechselwirkungen mehrerer Wirkstoffe in Umwelt und menschlichem Körper.

“Setzen Sie sich in der kommenden Legislaturperiode ein für eine Beschlussfassung auf nationaler und EU-Ebene zum schrittweisen Ausstieg aus der Anwendung von chemisch-synthetischen Pestiziden bis zum Jahr 2035 sowie für ein Verbot der für Gesundheit und Umwelt besorgniserregendsten Pestizide in den nächsten fünf Jahren.”

Nachgewiesene Verbreitung über große Distanzen

Eine bundesweite Studie zeigt, dass bestimmte Wirkstoffe wie Glyphosat, Pendimethalin, Prosulfocarb und Terbuthylazin über die Luft kilometerweit transportiert werden können. Rückstände wurden demnach auch in Städten und Naturschutzgebieten nachgewiesen. Für Betriebe im Gartenbau und in der Landschaftspflege gewinnt damit der Schutz vor unbeabsichtigten Einträgen zunehmend an Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund fordern die Unterzeichner kurzfristige Risikominderungsmaßnahmen für diese Stoffe, solange keine abschließenden Bewertungen vorliegen. Ziel ist es, sowohl die Umwelt als auch die Gesundheit von Anwendern und Bevölkerung besser zu schützen.

“Bisherige Maßnahmen wie das kürzlich beschlossene Insektenschutzgesetz reichen bei weitem nicht aus, um Mensch und Natur vor Pestiziden zu schützen.”

Abgabe und Monitoring als Steuerungsinstrumente

Zusätzlich plädiert das Bündnis für die Einführung einer Pestizid-Abgabe sowie eines verpflichtenden jährlichen Monitorings ab 2022. Diese Instrumente sollen Transparenz schaffen und gleichzeitig wirtschaftliche Anreize für eine Reduktion des Einsatzes setzen.

Die Einnahmen aus der Abgabe könnten unter anderem zur Unterstützung von Betrieben verwendet werden, die durch Pestizid-Abdrift geschädigt werden. Gleichzeitig soll der Umbau hin zu einer stärker ökologisch ausgerichteten Landwirtschaft gefördert werden – auch im Kontext des europäischen Green Deal.

Für den Gartenbau ergeben sich daraus langfristig veränderte Rahmenbedingungen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie steigende Anforderungen an nachhaltige Bewirtschaftungskonzepte.

24.08.2021

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