Anerkennung für umfassenden Naturschutzansatz
Die Stadt Osnabrück erhält für ihr Projekt „Osnabrücker BienenBündnis“ die Auszeichnung „Naturschutzprojekt des Jahres 2016“. Diese Verleihung erfolgt im Rahmen des gleichnamigen Wettbewerbs des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“. Die Anerkennung würdigt den umfassenden Ansatz des Projekts, der naturschutzfachliche Maßnahmen mit Umweltbildungs- und Beteiligungsangeboten verknüpft. Ziel ist es, das Nahrungs- und Lebensraumangebot für blütenbestäubende Insekten zu verbessern und deren Akzeptanz sowie Wertschätzung im städtischen Umfeld zu fördern.
Seit 2013 ist Osnabrück offiziell als bienenfreundliche Stadt anerkannt, basierend auf einem Beschluss des Stadtrates. Infolgedessen wurde das BienenBündnis ins Leben gerufen, das Landwirte, Imker, Wissenschaftler sowie ehrenamtliche und hauptamtliche Naturschützer zusammenführt. Gemeinsam setzen sie sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Wild- und Honigbienen ein. Bislang wurden rund 35 Hektar artenreiche Wiesenflächen als Lebensraum und Nahrungsquelle angelegt, sowohl innerstädtisch als auch auf landwirtschaftlichen Flächen im Außenbereich.
Allein hätte die Stadt das nicht stemmen können, erst die zahlreichen Kooperationen haben dem Projekt zum Erfolg verholfen. Und mit unserer Osnabrücker Mischung, bestehend aus Samen hiesiger Wildblumen, möchten wir jetzt auch private Gartenbesitzer dazu inspirieren, naturferne Flächen für unsere Bienen zurückzuerobern.
Dies erklärt Frank Bludau vom Fachdienst Naturschutz und Landschaftsplanung der Stadt Osnabrück. Das BienenBündnis setzt zudem auf eine breite Kampagne mit Vortragsreihen, Veröffentlichungen, Presseberichten, Tipps, Flyern und einem Internetauftritt. Exkursionsrouten und der gemeinsame Bau von Nisthilfen sollen das Thema für die Bürger erlebbar machen.
Die Kombination konkreter flächenbezogener Maßnahmen mit Beteiligungs- und Informationsangeboten, haben uns vom Projekt überzeugt. Das Thema Bienen ist zudem hochaktuell und bietet die Möglichkeit, gleich mehrere Aspekte des städtischen Naturschutzes, wie die Umwandlung von Rasen in Wiesenflächen oder Naturerfahrung in der Stadt, miteinander zu verknüpfen.
So begründet Robert Spreter, Geschäftsführer des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“, die Auszeichnung. Das Osnabrücker BienenBündnis kommt nicht nur den Bienen zugute. Landwirte profitieren von der Bestäubungsleistung, regionaler Honig ist ein beliebtes Produkt, und die Blühflächen bereichern das Stadtbild, indem sie Naturerfahrung im direkten Lebensumfeld der Menschen ermöglichen.
Wird wie in Osnabrück bei der Auswahl des Saatguts zudem gezielt auf gebietsheimische Arten gesetzt, profitieren weitere Pflanzen und Tiere, wie bspw. Feldlerchen oder Rebhühner, die auf den Flächen neuen Lebensraum und ein entsprechendes Nahrungsangebot finden. Der Ansatz des BienenBündnis geht somit weit über den reinen Schutz von Wild- und Honigbienen hinaus – er steht für Artenvielfalt und das Schaffen neuer Lebensräume für heimische Pflanzen und Tiere.
Betont Ernst Rieger, Geschäftsführer der Rieger Hofmann GmbH, die den Wettbewerb mit Sachpreisen für die ausgezeichneten Kommunen unterstützt.
Hintergründe zum Bienenschutz
In Deutschland existieren neben der Honigbiene über 560 weitere Bienenarten, die als Wildbienen bekannt sind. Etwa 50 Prozent dieser Wildbienenarten gelten als gefährdet und sind teilweise vom Aussterben bedroht. Hauptursachen hierfür sind die Nutzungsintensivierung von Lebensräumen sowie die Beeinträchtigung oder Zerstörung von Nistplätzen und Trachtflächen. Als Bestäuber von Kultur- und Wildpflanzen sind diese Insekten jedoch unverzichtbar. Ihre Aktivität ist aus ökologischer und ökonomischer Sicht von großer Bedeutung. Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2008 schätzte den ökonomischen Wert der Bestäubung durch Insekten auf rund 153 Milliarden Euro jährlich.
Das Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“ wurde 2012 gegründet und vereint mittlerweile 114 Kommunen aus dem gesamten Bundesgebiet. Ziel des Vereins ist es, die Bedeutung der Natur im unmittelbaren Lebensumfeld der Menschen zu stärken und Kommunen als hochwertigen Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen zu etablieren. Im Rahmen des Wettbewerbs „Naturschutzprojekt des Jahres 2016“ zeichnet das Bündnis zwei vorbildliche Projekte seiner Mitgliedskommunen aus, die den Beitrag von Kommunen zum Erhalt der biologischen Vielfalt veranschaulichen. Die Auszeichnung des zweiten Siegerprojekts erfolgt am 21. Oktober 2016.

