Austausch zwischen Gartenbau und Politik in Hohenheim
Rund 90 Vertreter aus Gartenbau und Politik trafen sich zum jährlichen Austausch im Versuchsbetrieb der Staatsschule Hohenheim. Zu den Gästen zählten Minister Peter Hauk, die Staatssekretärinnen Sabine Kurtz und Gisela Splett sowie Martin Hahn, Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz. Auch zahlreiche Landtagsabgeordnete aus Baden-Württemberg nahmen an der Veranstaltung teil. Ebenfalls anwesend waren Ministerialdirektorin Isabel Kling, Dr. Konrad Rühl, Leiter der Abteilung Landwirtschaft, sowie Katrin Scheffer, Kanzlerin der Universität Hohenheim.
Der Parlamentarische Abend der Gartenbauverbände fand am 15. Mai statt, mit Blick auf das zukünftige Baufenster der neuen Meisterschule in Stuttgart Hohenheim. Dr. Michael Ernst, Direktor der Staatsschule für Gartenbau in Hohenheim, führte die Gäste über die Versuchsflächen und gab Einblicke in die Versuchsarbeit.
Die Einladung erfolgte gemeinsam durch den Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen (GVBWH) und den Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e. V. (VGL BW). Bei einem gemeinsamen Abendessen tauschten sich Unternehmer der grünen Branche und Landtagsabgeordnete aus. In einer Talkrunde, moderiert von Janina Treis, erläuterten Martin Joos, Vorstandsvorsitzender des VGL BW, und Gerhardt Hugenschmidt, Präsident des GVBWH, aktuelle Probleme der Branche.
Grün-blaue Stadtentwicklung und Förderprogramme
Städte und Gemeinden stehen vor Herausforderungen wie Lärm- und Feinstaubbelastung, Starkregen, Stürme, Hitze und Trockenheit. Eine Neuausrichtung der Stadtentwicklung hin zu mehr Grün und Wasserflächen wird als notwendig erachtet, um urbane Temperaturen zu senken, die Artenvielfalt zu steigern und die Lebensqualität zu verbessern. Dies erfordert Planungen, die Neubauten und Natur, etwa durch Dach- und Fassadenbegrünungen, integrieren.
Die grün-blaue Stadtentwicklung soll in den Mittelpunkt des politischen Handelns rücken. Es werden gezielte Förderprogramme in Baden-Württemberg gefordert, um die Klimaziele der Bundesregierung und den Green Deal der Europäischen Kommission umzusetzen. Unternehmen, die in eine grün-blaue Infrastruktur investieren, sollen durch Ökopunkte oder Fördermaßnahmen unterstützt werden.
Maut für leichte Nutzfahrzeuge und die Rolle des Gartenbaus
Die Branche kritisiert, dass der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau sowie der Gartenbau in der veröffentlichten "Liste der handwerklichen Tätigkeiten" des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) nicht berücksichtigt wurden. Die Kriterien für diese Auswahl sind für die Verbände nicht nachvollziehbar, da der Landschaftsgärtner ein anerkannter Ausbildungsberuf ist und die Voraussetzungen für eine Aufnahme erfüllt werden.
Es wird als rätselhaft empfunden, weshalb Betriebe, die sich aktiv für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen, von dieser Regelung ausgeschlossen werden. Eine Klärung dieser Frage vor Gericht wird in Betracht gezogen.
Bildungsoffensive für die Zukunftsbranche
Für zukünftige Entwicklungen im Gartenbau ist qualifiziertes Personal und eine moderne Bildungsinfrastruktur entscheidend. Martin Joos wies darauf hin, dass ein Baubeginn für die Meisterschule im Jahr 2028 einen Rückschritt für die Branche bedeuten würde. Die infrastrukturelle und inhaltliche Neuaufstellung der DEULA als überbetriebliche Bildungsstätte ist ein Anliegen. Hierfür werden nicht nur Finanzmittel des Landes, sondern auch Fördergeber des Bundes, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), benötigt.
Auch die personelle Infrastruktur an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg erfordert einen Ausbau, insbesondere für die Meister- und Baumpflegeausbildung sowie den neuen Dualen Studiengang BWL-Handel-Management im Garten- und Landschaftsbau in Zusammenarbeit mit der Hochschule Mosbach. Derzeit müssen jährlich über 30 Interessenten für die Meisterausbildung aus Kapazitätsgründen abgelehnt werden.
Zudem ist ein digitaler Wandel in der Ausbildung der gesamten Branche zu bewältigen. Gerhard Hugenschmidt wünscht sich von den zuständigen Stellen, dass ausbildungsbereite Betriebe im Produktionsgartenbau lösungsorientiert unterstützt und nicht durch unnötige Hürden ausgebremst werden. Gut ausgebildetes Personal wird als Grundlage für den Erfolg aller Fachsparten angesehen.
Gartenschauen in Baden-Württemberg
Der nachhaltige Nutzen von Gartenschauen für die ausrichtenden Städte wird betont. Die Landesgartenschau in Wangen im Allgäu verzeichnete bereits nach wenigen Wochen 100.000 Besucher. Gerhard Hugenschmidt forderte eine Anpassung der Förderhöhen für Gartenschauen ab dem Jahr 2037. Dies soll ein Signal für interessierte Städte und Gemeinden sein und Verzögerungen bei der Bewerberrunde für die Landesgartenschauen nach 2036 vermeiden.
Herausforderungen weiterer Fachsparten
Der Gemüsebau kämpft mit fehlenden Fach- und Aushilfskräften sowie nicht auskömmlichen Erzeugerpreisen. Die Margen im Handel bieten keine Unterstützung für regionale Produkte. Dank der Bauernproteste gab es jedoch kürzlich Erleichterungen aus Brüssel für diese Sparte. Zierpflanzenbetriebe sind von der Erhöhung der CO2-Steuer und den gestiegenen Energiepreisen betroffen. Hier wird ein vereinfachtes Antragsverfahren für die Unterstützung kleiner Unternehmen gefordert.
Der Friedhofsgartenbau steht in Konkurrenz zu kommunalen Betrieben, die keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen und dies voraussichtlich bis Ende 2026 beibehalten können. Der Parlamentarische Abend der Gartenbauverbände bietet eine Plattform für den direkten Dialog zwischen Unternehmern und Parlamentariern, um aktuelle Anliegen des Berufsstandes zu besprechen und zu diskutieren.


