Naturschutz

Blaugrüne Mosaikjungfer zum Gartentier des Jahres 2019 gewählt

Die Blaugrüne Mosaikjungfer wurde zum Gartentier des Jahres 2019 gekürt. Diese Wahl soll auf den Rückgang der biologischen Vielfalt aufmerksam machen und die Bedeutung von Gärten für den Artenschutz hervorheben.

Wahl und Bedeutung der Blaugrünen Mosaikjungfer

Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) wurde von 1.033 Naturfreunden zum Gartentier des Jahres 2019 gewählt. Bei der Online-Abstimmung zwischen dem 4. April und 26. Mai gaben knapp 3.100 Interessierte ihre Stimme für einen von sechs zur Wahl stehenden Teichbewohnern ab.

Die Heinz Sielmann Stiftung möchte mit dieser Aktion auf den Rückgang der biologischen Vielfalt in Kulturlandschaften aufmerksam machen. Die Blaugrüne Mosaikjungfer, eine der häufigsten Großlibellen Deutschlands, erhielt 33,4 % der Stimmen. Den zweiten Platz belegte die Erdkröte (Bufo bufo) mit 21,56 %, gefolgt vom Teichmolch (Lissotriton vulgaris) mit 19,51 %.

Die Blaugrüne Mosaikjungfer gehört zur Familie der Edellibellen. Mit einer Körperlänge von bis zu acht Zentimetern und einer Flügelspannweite von bis zu elf Zentimetern zählt sie zu den größten Libellenarten. Charakteristisch sind die ovalen, grün gefärbten Flecken auf dem Rücken. Auf dem schwarzen Hinterleib der Männchen sind oberseits grüne oder blaue Flecken angeordnet, während bei den Weibchen alle Flecken braunschwarz-grün sind.

Libellen: Urzeitliche Flugkünstler

Libellen sind eine alte Insektenordnung. Ihre Vorfahren bevölkerten bereits im Karbon vor 358 bis 298 Millionen Jahren die Sumpfwälder. Diese urzeitlichen Vertreter waren deutlich größer, wie Fossilien mit Flügelspannweiten von bis zu 72 Zentimetern belegen. Der Körperbau und die Lebensweise der Libellen haben sich in den letzten 150 Millionen Jahren kaum verändert. Sie gelten als eine erfolgreiche Entwicklung der Evolution, die ihnen besondere Fähigkeiten verliehen hat.

Sinne und Jagdverhalten

Die großen Facettenaugen der Libellen bestehen aus bis zu 30.000 Einzelaugen. Zusätzlich befinden sich auf der Kopfoberseite drei kleine Punktaugen, die als Gleichgewichtsorgan schnelle Flugbewegungen koordinieren. Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist ein geschickter Jäger, der seine Beute im Flug fängt. Ihr Speiseplan umfasst Mücken, Fliegen und andere Fluginsekten, gelegentlich auch andere Libellen. Sie ist entlang von Gartenteichen, auf Wiesen und an Waldrändern aktiv auf Nahrungssuche.

Während der Paarungszeit patrouillieren die Männchen entlang von Gewässern und verharren häufig im Flug, um Weibchen zu sichten. Eine weitere Fähigkeit ist der Rückwärtsflug, ermöglicht durch die unabhängige Anordnung der vier Flügel. Diese Eigenschaft ist besonders bei Revierkämpfen unter Männchen von Nutzen.

Harmlos für den Menschen

Das Gerücht, Libellen würden stechen, ist unzutreffend. Sie sind harmlos und besitzen keinen Stachel. Einige Arten zeigen jedoch Neugier und umkreisen Menschen oder Objekte, um diese aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Dabei können sie im Flug verharren oder abrupt die Richtung ändern.

Botschafter für gefährdete Arten

Von den 79 heimischen Libellenarten sind 35 Spezies auf der Roten Liste der gefährdeten Insekten aufgeführt. Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist noch nicht gefährdet, da sie anspruchslos ist. Den Großteil ihres Lebens verbringt sie als Larve im Wasser, wo sie bis zu drei Jahre verbleibt, bevor sie sich zur Libelle entwickelt. Die Larven tolerieren Sauerstoffmangel und Frost; ihre Entwicklung kann sogar in Regentonnen gelingen. Die Ansprüche an Gewässerqualität und -struktur sind gering. Trotz ihrer Häufigkeit dient die Blaugrüne Mosaikjungfer als Botschafterin für ihre gefährdeten Artgenossen.

Gärten als Beitrag zum Artenschutz

Jeder Gartenbesitzer kann zum Schutz des Gartentiers des Jahres und anderer wasserbewohnender Arten beitragen. Nora Künkler, Biologin bei der Heinz Sielmann Stiftung, betont die Bedeutung von Gärten für die Artenvielfalt:

Der aktuelle Bericht des Weltbiodiversitätsrates zeigt, dass wir auf einen dramatischen Wendepunkt zusteuern, wenn wir den Verlust der Artenvielfalt nicht jetzt aufhalten. Jeder zweite Haushalt besitzt einen Garten, das sind etwa 20 Millionen Gärten in Deutschland. Allein alle Kleingärten, etwa eine Million insgesamt, bedecken eine Gesamtfläche von 40.000 Hektar. Gärten haben eine wichtige Funktion als Ersatzlebensräume und Trittsteine für Tier- und Pflanzenarten. Gärtner müssen sich ihrer Verantwortung für den Artenschutz bewusst sein.

Eine naturnahe Gartengestaltung kann einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten. Dazu gehört der Verzicht auf Insektizide, Pflanzenschutzmittel und chemische Dünger. Durch die gezielte Kombination von Pflanzenarten lässt sich die natürliche Abwehr stärken. Wilde Ecken im Garten bieten Nahrung und Rückzugsräume für Tiere. Totholzstapel können beispielsweise als Winterquartier für Erdkröten oder Igel dienen. Blumenwiesen anstelle von Rasenflächen locken Nützlinge wie Schmetterlinge, Käfer oder Hummeln an und reduzieren den Pflegeaufwand.

02.06.2019

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