Baustoffe und Bauteile, Bodenpflege

Pflanzenkohle: die neue Generation nachhaltiger Bodenverbesserer

02.12.2025

Pflanzenkohle könnte das ersetzen, was bislang Blähton, Perlit oder Bims geleistet haben – und dabei nicht nur Pflanzen stärken und Wasser speichern, sondern auch das Klima schützen. Für den Städte- und Gartenbau wird das immer relevanter.

Ob in urbanen Begrünungsprojekten oder im professionellen Gartenbau: Verdichtete, nährstoffarme oder stark beanspruchte Böden stellen Planer, Landschaftsgärtner und Substrathersteller vor große Herausforderungen. Gefordert sind Zuschlagstoffe, die Struktur, Wasserhaushalt und Nährstoffverfügbarkeit verbessern. Bislang dominieren Materialien wie Blähton, Vermiculit, Perlit oder Bims – technisch bewährt, ökologisch jedoch kritisch.

Hoher Energieeinsatz bei etablierten Materialien

Blähton entsteht durch das Brennen von Ton bei über 1.200 Grad Celsius. Das Ergebnis ist leicht, stabil und dauerhaft – allerdings unter erheblichem Energieeinsatz. Auch Perlit und Vermiculit werden im Tagebau gewonnen und in energieintensiven Verfahren aufgebläht. Neben CO₂-Emissionen entstehen ökologische Eingriffe in den Abbaugebieten.

Bims gilt als natürlicher, da kein künstliches Aufblähen erforderlich ist. Dennoch geht auch hier der Abbau mit Eingriffen in Landschaft und Ökosysteme einher. Die funktionalen Vorteile dieser Zuschlagstoffe stehen somit einem deutlichen ökologischen Fußabdruck gegenüber.

Pflanzenkohle aus Reststoffen

Pflanzenkohle setzt an einem anderen Punkt an. Statt neue mineralische Rohstoffe zu gewinnen, nutzt sie organische Reststoffe wie Holzreste, Grünschnitt oder Fruchtkerne. Diese werden in einem Pyrolyseprozess unter Sauerstoffabschluss erhitzt. Zurück bleibt ein hochporöses, kohlenstoffreiches Material.

Der Klimavorteil liegt in der dauerhaften Kohlenstoffbindung. Pflanzen entziehen der Atmosphäre CO₂, das in der Kohlenstoffstruktur der Pflanzenkohle langfristig gespeichert wird. Gleichzeitig ersetzt sie energieintensive Materialien und unterstützt die Kreislaufwirtschaft durch Reststoffverwertung.

Funktional erfüllt Pflanzenkohle vergleichbare Aufgaben wie klassische Zuschläge. Durch ihre hohe Porosität speichert sie das Zwei- bis Dreifache ihres Eigengewichts an Wasser. Zudem wirkt sie als Nährstoffpuffer: Mineralische und organische Stoffe lagern sich in den Poren an und stehen den Pflanzen bedarfsgerecht zur Verfügung.

Produkte für Substrathersteller und Garten- & Landschaftsbau

Novocarbo bietet zwei speziell entwickelte Varianten für den professionellen Einsatz an. Beide sind nach der European Biochar Certification (EBC) zertifiziert, einem Qualitätsstandard für nachhaltige Pflanzenkohle in Europa.

  • NutriChar Pellets: hergestellt aus Biogas-Gärresten, bringen sie neben Strukturverbesserung Nährstoffe wie Phosphor und Kalium ein. Mit 6–8 mm Durchmesser und 5–15 mm Länge sind sie rieselfähig, staubfrei und für industrielle Mischprozesse geeignet.
  • WoodChar Classic: aus Holzresten gefertigt, mit hoher Porosität und einer Wasserspeicherfähigkeit von mehr als dem Doppelten des Eigengewichts. Partikelgröße unter 40 mm, vor Einsatz mit Nährstoffen oder Substrat zu mischen.

Fachgerechter Einsatz entscheidend

Reine Pflanzenkohle sollte vor der Anwendung biologisch „aufgeladen“ werden, etwa durch Mischung mit Kompost, Gülle oder Mist. In Substraten liegt der Anteil typischerweise zwischen drei und zehn Prozent. Um Staubbildung zu vermeiden, empfiehlt sich ein leichtes Anfeuchten vor dem Einmischen.

Für Gründächer, Baumpflanzungen oder Anzuchtsubstrate bietet Pflanzenkohle eine Kombination aus verbesserter Wasserspeicherung, Bodenbelüftung und erhöhter Resilienz gegenüber Witterungsextremen. Damit verbindet sie technische Leistungsfähigkeit mit Klimaschutz und Ressourcenschonung – ein Ansatz mit Perspektive für nachhaltige Projekte im Gartenbau und in urbanen Räumen.

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