Ökologische Bilanz etablierter Zuschlagstoffe im Gartenbau
Im professionellen Gartenbau und bei urbanen Begrünungsprojekten stellen verdichtete, nährstoffarme oder stark beanspruchte Böden eine Herausforderung dar. Hierfür sind Zuschlagstoffe gefragt, die die Bodenstruktur, den Wasserhaushalt und die Nährstoffverfügbarkeit verbessern. Bislang dominieren Materialien wie Blähton, Vermiculit, Perlit oder Bims, deren ökologische Bilanz kritisch betrachtet wird.
Energieintensive Herstellung etablierter Materialien
Die Produktion von Blähton erfordert das Brennen von Ton bei über 1.200 Grad Celsius, was einen erheblichen Energieeinsatz bedeutet. Auch Perlit und Vermiculit werden im Tagebau gewonnen und in energieintensiven Verfahren aufgebläht. Diese Prozesse verursachen nicht nur CO₂-Emissionen, sondern führen auch zu ökologischen Eingriffen in den Abbaugebieten.
Bims wird als natürlicher Zuschlagstoff angesehen, da kein künstliches Aufblähen notwendig ist. Dennoch sind auch hier der Abbau und die damit verbundenen Eingriffe in Landschaft und Ökosysteme zu berücksichtigen. Die funktionalen Vorteile dieser Materialien gehen somit mit einem ökologischen Fußabdruck einher.
Pflanzenkohle aus organischen Reststoffen
Pflanzenkohle nutzt organische Reststoffe wie Holzreste, Grünschnitt oder Fruchtkerne anstelle neuer mineralischer Rohstoffe. Diese werden in einem Pyrolyseprozess unter Sauerstoffabschluss erhitzt, wodurch ein hochporöses, kohlenstoffreiches Material entsteht.
Ein wesentlicher Vorteil ist die dauerhafte Kohlenstoffbindung. Pflanzen entziehen der Atmosphäre CO₂, das in der Kohlenstoffstruktur der Pflanzenkohle langfristig gespeichert wird. Zudem ersetzt Pflanzenkohle energieintensive Materialien und fördert die Kreislaufwirtschaft durch die Verwertung von Reststoffen.
Funktional erfüllt Pflanzenkohle ähnliche Aufgaben wie klassische Zuschläge. Ihre hohe Porosität ermöglicht die Speicherung des Zwei- bis Dreifachen ihres Eigengewichts an Wasser. Sie dient auch als Nährstoffpuffer, indem sie mineralische und organische Stoffe in ihren Poren bindet und bedarfsgerecht an Pflanzen abgibt.
Produkte für Substrathersteller und den Garten- und Landschaftsbau
Novocarbo bietet zwei Varianten für den professionellen Einsatz an, die nach der European Biochar Certification (EBC) zertifiziert sind:
- NutriChar Pellets: Diese Pellets werden aus Biogas-Gärresten hergestellt und verbessern nicht nur die Struktur, sondern bringen auch Nährstoffe wie Phosphor und Kalium ein. Mit einem Durchmesser von 6–8 mm und einer Länge von 5–15 mm sind sie rieselfähig, staubfrei und für industrielle Mischprozesse geeignet.
- WoodChar Classic: Aus Holzresten gefertigt, zeichnet sich dieses Produkt durch eine hohe Porosität und eine Wasserspeicherfähigkeit von mehr als dem Doppelten des Eigengewichts aus. Die Partikelgröße liegt unter 40 mm; vor dem Einsatz sollte es mit Nährstoffen oder Substrat gemischt werden.
Fachgerechter Einsatz und Anwendungsbereiche
Reine Pflanzenkohle sollte vor der Anwendung biologisch „aufgeladen“ werden, beispielsweise durch Mischung mit Kompost, Gülle oder Mist. In Substraten liegt der typische Anteil zwischen drei und zehn Prozent. Um Staubbildung zu vermeiden, empfiehlt sich ein leichtes Anfeuchten vor dem Einmischen.
Pflanzenkohle bietet für Gründächer, Baumpflanzungen oder Anzuchtsubstrate eine Kombination aus verbesserter Wasserspeicherung, Bodenbelüftung und erhöhter Resilienz gegenüber Witterungsextremen. Sie verbindet technische Leistungsfähigkeit mit Klimaschutz und Ressourcenschonung und stellt somit einen Ansatz für nachhaltige Projekte im Gartenbau und in urbanen Räumen dar.


