Auszeichnung für zukunftsweisendes Wohnprojekt
Die Ortsgemeinde Jugenheim in Rheinhessen hat mit dem Projekt „Wohnhöfe Jugenheim“ den ersten Preis im Wettbewerb „Kommune schafft Zukunft“ des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz gewonnen. Das Projekt, das die Ortsbelebung fördern soll, setzte bei der Gestaltung der Außenanlagen auf ein spezielles Pflastersystem.
Jugenheim, ein Weindorf mit rund 1.700 Einwohnern in einem Seitental der Selz, gehört zur Verbandsgemeinde Nieder-Olm. Die Nähe zum Rhein-Main-Gebiet und ein vielfältiges Angebot an Vereinen, Kultur und Gastronomie tragen zur Attraktivität des Wohnortes bei.
Generationenübergreifendes Wohnquartier
Auf einer ehemaligen Lagerfläche zwischen Bahnhof und Lokschuppen entstand in den letzten Jahren das generationsübergreifende Wohnquartier „Wohnhöfe Jugenheim“. Acht zweigeschossige Häuser mit flexiblen Grundrissen und teilbaren, barrierefreien Wohneinheiten wurden in die dörfliche Struktur integriert. Rund 30 Wohneinheiten bieten Platz für Familien, mobilitätseingeschränkte Personen, Paare und Einzelpersonen unterschiedlichen Alters.
Das Jugenheimer Wohnprojekt ‚Füreinander und Miteinander‘ hat den Anspruch, generationenübergreifendes Wohnen als zukunftsweisendes Instrument zur Entwicklung im ländlichen Raum zu etablieren. Statt eines Neubaugebiets auf der grünen Wiese entstanden im Ortskern neue Wohnhäuser, die sich harmonisch in den Altbestand einfügen und dem Prinzip der Gemeinschaft verpflichtet sind.
Dies erläutert Dipl.-Ing. Johannes Klein vom Büro „JK Architektur“ aus Ingelheim.
Gemeinschaftsflächen und dörfliche Gestaltung
Innerhalb der Wohnhöfe bilden jeweils vier Wohneinheiten ein Ensemble mit einem gemeinsamen Hof, der als Gemeinschaftsfläche im Außenbereich dient. Zwischen den beiden Wohnhöfen wurde ein zentraler Gemeinschaftsplatz mit Gemeinschaftshaus geschaffen, der als Treffpunkt für die Bewohner fungiert. Diese Fläche befindet sich im Eigentum der Gemeinde und fördert die soziale Anbindung an die Dorfgemeinschaft.
Moderne Energie- und Mobilitätskonzepte, darunter ein Blockheizkraftwerk, Car-Sharing-Angebote und Glasfaseranschluss, ergänzen das Konzept dieses „Dorfes im Dorf“.
Ein wesentlicher Bestandteil des Gestaltungskonzepts war die Befestigung der rund 2.000 m² großen Hof-, Weg- und Straßenflächen. Johannes Klein führt aus:
Das Projekt stand unter dem Motto, dörfliche Räume zu schaffen. Deshalb wollten wir ein Betonpflaster einsetzen, das diesen Charakter unterstreicht. Da Rheinhessen ein Kalksteingebiet ist, fiel die Wahl auf ein Pflastersystem in Muschelkalkoptik.
Zum Einsatz kam das Burgenpflaster des Betonwerks Herrmann Meudt. Durch willkürlich gebrochene Kanten ähnelt es Naturstein. Die warmen Ocker- und Anthrazittöne harmonieren mit den gelben Fassaden der Gebäude.
Belastbarkeit und Stabilität
Neben der Optik war die Belastungsfähigkeit des Pflasters entscheidend. Das im Format 15 × 22,5 cm und in einer Stärke von 10 cm verlegte Pflastersystem verfügt über verdeckte Abstandhalter mit integriertem Verschiebe-Schutz-System (VSS). Die kombigeometrische Nockenausbildung soll eine optimale Fugenverfüllung gewährleisten und den Kontakt zwischen den Steinen minimieren.
Schub- und Verkehrskräfte werden über das Fugenmaterial gleichmäßig übertragen, um Schäden durch unzureichende Fugenausprägung zu vermeiden. Die Verlegung im Ellenbogenverband trägt zusätzlich zur Stabilität bei.
Damit erfüllen die Flächen sowohl optisch als auch funktional alle Anforderungen.
Dies bestätigt Johannes Klein. Die Wohnhöfe Jugenheim sind seit Anfang 2023 bewohnt. Der hohe Aufenthaltswert der gemeinschaftlichen Außenflächen schafft Voraussetzungen für einen möglichen Modellcharakter des Projekts.


