Naturschutz

Projekt FInAL: Insektenförderung in Agrarlandschaften

Das Verbundprojekt FInAL erforscht seit 2018, wie Insekten in Agrarlandschaften durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe gefördert werden können. Seit diesem Jahr erfolgt die praktische Umsetzung in der Fläche, um ganze Landschaften insektenfreundlicher zu gestalten.

Ganzheitlicher Ansatz und Dimensionen des Projekts zur Insektenförderung

Das Projekt zeichnet sich durch seinen ganzheitlichen Ansatz und seine Dimensionen aus. Ziel ist es, nicht nur einzelne Flächen, sondern ganze Landschaften insektenfreundlicher zu gestalten. Viele Insekten wechseln ihre Habitate und benötigen unterschiedliche Umweltbedingungen für Nahrungssuche und Reproduktion. Dabei müssen sie räumliche Distanzen überwinden.

Drei sogenannte Landschaftslabore in Niedersachsen (Elm), Brandenburg (Havelländisches Luch) und Bayern (Rottal) umfassen jeweils 900 Hektar. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen arbeiten eng mit Landwirten zusammen, um insektenfördernde Maßnahmen zu identifizieren, die für die Betriebe praktikabel und sinnvoll sind.

Potenziale nachwachsender Rohstoffe und praktische Maßnahmen

Nachwachsende Rohstoffe bieten hierfür erhebliche Potenziale. Bislang beteiligen sich fast 50 Landwirte in den Landschaftslaboren, die verschiedene insektenfördernde Maßnahmen umgesetzt haben oder damit beginnen.

Beispiele für Maßnahmen sind:

  • Mischanbau: Mais mit Stangenbohnen, Raps oder Hafer mit Erbsenuntersaat, Mais mit Leguminosen-Untersaaten. Diese erhöhen das Blühangebot, reduzieren den Bedarf an Stickstoffdünger und schützen den Boden als lebender oder toter Mulch.
  • Wiesen und Weiden: Entwicklung von Saatverfahren zur Anreicherung von Grasbeständen mit Blühpflanzen, um die Lebensraumqualität für Insekten zu verbessern.
  • Beetle Banks/Insektenwälle: Diese aus Großbritannien stammenden Strukturen dienen Nützlingen als Rückzugsraum, von dem aus sie in die Felder einwandern und den biologischen Pflanzenschutz unterstützen.
  • Fruchtfolgeerweiterung: Einsatz von Färbe-, Arznei- und Gewürzpflanzen oder alternativen Öl- und Energiepflanzen.
  • Faserpflanzen: Neue Anbausysteme, wie Hanf als Winterzwischenfrucht, erhöhen die biologische Vielfalt.

Bedeutung der Insekten und Projektverlängerung

Das Projekt zielt darauf ab, die Ökosystemleistungen der genutzten Natur zu sichern und zu steigern. Insekten spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie Pflanzen bestäuben, Schädlinge in Schach halten und organische Stoffe wie Pflanzenreste und tote Tiere mineralisieren. Ohne sie würden Nahrungsketten unterbrochen.

Um zu erforschen und zu erproben, wie Landwirte diese Zusammenhänge gezielt beeinflussen und davon profitieren können, wurde das Vorhaben bis zum 30. September 2022 verlängert. Der Anbau und dessen Auswertung erfordern einen längeren Zeitraum.

Forschung und Bewertung der Maßnahmen

Insektenkundler erfassen vor und nach den Maßnahmen akribisch Menge und Arten der vorkommenden Insekten. Zusätzlich werden Referenzlandschaften ohne Veränderungen untersucht. Die Maßnahmen werden aus Sicht des integrierten Pflanzenschutzes bewertet, wobei Optionen zur Reduzierung des Insektizideinsatzes im Fokus stehen.

Ökonomen analysieren die wirtschaftlichen Auswirkungen. Es zeichnet sich ab, dass ökonomische Bilanzierungsmethoden angepasst werden müssen, um die Vorteile alternativer Kulturen adäquat abzubilden. Dabei sollte nicht mehr nur der Ertrag im Mittelpunkt stehen, sondern auch die langfristige Stabilität.

Das Vorhaben FInAL wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert.

22.11.2021

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