Schwerpunkte der QBB-Schulung 2023
Die diesjährige Schulung der Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung (QBB) in Münster konzentrierte sich auf drei Kernbereiche: die Sanierung streusalzgeschädigter Bäume, Arbeitsschutzmanagement sowie Arten- und Habitatschutz. Die Veranstaltung fand am 21. und 22. Juni statt und richtete sich an über 100 Mitarbeiter und Geschäftsführer der Mitgliedsbetriebe.
Besonderes Augenmerk lag auf dem Arten- und Habitatschutz, um den gestiegenen Anforderungen der Paragraphen 39 und 44 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) gerecht zu werden. Diese Regelungen erschweren Baumpflegebetrieben die Arbeit, da die erlaubten Pflege- und Fällarbeiten zwischen dem 1. Oktober und 1. März sowie ganzjährige schonende Schnitte oft mit den Artenschutzvorschriften kollidieren.
Standortsanierung bei Streusalzschäden
Der erste Schulungstag widmete sich der Standortsanierung eines durch Streusalz geschädigten Baumes. Dr. Markus Streckenbach vermittelte zunächst die theoretischen Grundlagen zum Aufbau und den Funktionen des Wurzelsystems. Anschließend erfolgte die praktische Umsetzung in Kooperation mit dem Münsteraner Amt für Grünflächen und Umweltschutz.
Die Baumpflegebetriebe Stockreiter, Ribbrock und Gewers sanierten den Boden um einen stark salzbelasteten Baum auf dem Domplatz in Münster. Dabei wurden die oberen Bodenschichten mittels Saugbagger entfernt und ein spezielles Ionenaustauschsubstrat eingebracht, das zukünftig die Salzbelastung abpuffern soll. Die QBB plant, den Sanierungsversuch weiter zu begleiten, um gemeinsam mit der Stadt Münster ein Konzept zur qualitativen Standortsanierung für den gesamten Domplatz zu entwickeln.
Ergänzt wurde der erste Schulungstag durch einen Vortrag von Torsten Papke von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, der die Anforderungen an Betriebe und Mitarbeiter im Bereich Arbeitsschutzmanagement darlegte.
Herausforderungen im Arten- und Habitatschutz
Der zweite Tag stand im Zeichen des Arten- und Habitatschutzes. Hans Rhiem, Vorsitzender der QBB, betonte die Herausforderungen, die sich aus der unterschiedlichen Auslegung der Paragraphen 39 und 44 BNatSchG durch Naturschutzbehörden ergeben.
„Die qualifizierten Baumpfleger nehmen den Natur- und Artenschutz seit jeher sehr ernst. Dennoch stellen uns die Richtlinien im Bundesnaturschutzgesetz in der Ausführung unserer Arbeit vor große Herausforderungen“, erklärte Hans Rhiem.
Die Vorschriften erfordern von Baumpflegern Kenntnisse, die über den reinen Brutschutz von Vögeln hinausgehen. Qualifizierte Baumpfleger und Baumkontrolleure müssen artenschutzrelevante Sachverhalte am Baum erkennen und gegebenenfalls Fachleute hinzuziehen können.
Die QBB möchte ihre Mitglieder befähigen, umfassende artenschutzrechtliche Erstprüfungen selbst durchzuführen und Arbeitsweisen entsprechend anzupassen. Andernfalls besteht die Gefahr, mit der Rechtsprechung in Konflikt zu geraten. Baumpflegebetriebe müssen die Verkehrssicherheit und Gesundheit von Bäumen gewährleisten, ohne den Artenschutz zu verletzen.
Gemäß § 39 und § 44 müssen sie zunächst die im und am Baum lebenden Tier- und Pflanzenarten bestimmen, um anschließend alle Interessen fallspezifisch abzuwägen und Maßnahmen individuell anzupassen. Dr. Matthias Kaiser schulte die Teilnehmer einen Tag lang in Arten- und Habitatschutz. Nach einem Einführungsvortrag inspizierten die Baumpfleger mit Hubsteigern und Endoskop-Kameras in einer Parkanlage die Baumkronen, um dort lebende Arten zu identifizieren.
„Der Erkenntnisgewinn dieses Schulungstages war für alle Teilnehmer sehr groß und wird ihnen dabei helfen, die Bäume im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes künftig mit noch größerer Sachkenntnis zu untersuchen“, so das Fazit vom 2. Vorsitzenden der QBB, Hans-Hermann Stöteler.
Stärkung des IDB und Mitgliederversammlung
Im Rahmen der Mitgliederversammlung sprachen sich die QBB-Mitglieder für eine engere Zusammenarbeit mit weiteren Fachverbänden der Baumpflege aus. Die Interessengemeinschaft Deutsche Baumpflege (IDB) soll hierbei als Dachorganisation fungieren. Einigkeit bestand darin, dass die Einhaltung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards sowie die Förderung der Aus- und Weiterbildung Priorität haben und durch eine allgemein gültige Zertifizierung sichtbar gemacht werden sollten.
Die anwesenden Geschäftsführer bestätigten den 1. Vorsitzenden Hans Rhiem einstimmig in seinem Amt. Zudem wurden die QBB-Gründungsmitglieder Karl Peßler, Gerd Bollmann und Dietrich Kusche zu Ehrenmitgliedern ernannt. Für den verstorbenen Karl Peßler wird seine Ehefrau Roswita Peßler-Maurer die Ehrung entgegennehmen. Hildegard Stöteler wurde für ihr langjähriges Engagement bei der Organisation des Rahmenprogramms gewürdigt.