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Abgasemissionen im Realbetrieb: Neue Erkenntnisse zu Diesel-Pkw

Aktuelle Abgasmessungen zeigen, dass Diesel-Pkw der neuesten Generation Grenzwerte im Realbetrieb deutlich unterschreiten. Ältere Modelle weisen hingegen weiterhin erhöhte Stickstoffoxidemissionen auf, was die Notwendigkeit technischer Nachrüstungen unterstreicht.

Umfassende Analyse des Emissionsverhaltens von Diesel-Fahrzeugen

Aktuelle Abgasmessungen und verbesserte Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) in Zusammenarbeit mit fünf weiteren europäischen Umwelt- und Verkehrsbehörden zeigen, dass Diesel-Pkw der neuesten Generation (6d-TEMP) die Grenzwerte im Realbetrieb deutlich unterschreiten. Im Gegensatz dazu weisen Diesel-Pkw der Abgasnormen Euro 3 bis 6a/b/c im realen Fahrbetrieb weiterhin erhöhte Stickstoffoxidemissionen auf, die die Grenzwerte für den Labormesszyklus um ein Vielfaches überschreiten.

Emissionsverhalten älterer Diesel-Fahrzeuge

Besonders Euro-5-Fahrzeuge, die noch vor wenigen Jahren verkauft wurden, zeigen im Realbetrieb hohe Stickstoffoxidemissionen. Um die Gesundheit in Städten zu schützen, wird die technische Nachrüstung dieser Diesel-Fahrzeuge mit Katalysatoren als dringend notwendig erachtet. Nachgerüstete Euro-5-Diesel mit SCR-Anlagen können die Stickstoffoxid-Emissionen um 60 bis 95 Prozent mindern.

Software-Updates bei Euro-5-Diesel-Pkw mit dem VW-Motor EA 189 führen hingegen nur zu einer Stickstoffoxid-Minderung von rund 25 Prozent. Zudem zeigen die neuen Ergebnisse deutlich höhere Emissionen bei CO2 und einen höheren Kraftstoffverbrauch.

Grundlagen der neuen Daten und Methodik

Die neuen Daten basieren auf dem Handbuch für Emissionsfaktoren des Straßenverkehrs (HBEFA 4.1). Für Euro-6-Diesel-Pkw liegen nun deutlich mehr Werte von 52 untersuchten Fahrzeugen vor, die im praktischen Betrieb auf der Straße gemessen wurden. Dies ist eine Erweiterung gegenüber der Version 3.3 des HBEFA aus dem Jahr 2017.

Für alle anderen Abgasnormen von Euro 3 bis 5 konnten die Emissionen auf der Straße realitätsnäher ermittelt werden. Dabei wurden Fahrten mit höherer Beladung und realitätsnähere Verkehrssituationen berücksichtigt. Erstmals fließen für ältere Pkw und leichte Nutzfahrzeuge die Abhängigkeit der Stickstoffoxid-Emissionen von der Umgebungstemperatur für den betriebswarmen Motor in HBEFA ein. Auch die Alterung des Abgasnachbehandlungssystems wird aufgrund neuer Daten besser in die Berechnung integriert.

Ergebnisse für Euro 6d-TEMP und ältere Normen

Neueste Diesel-Pkw der Abgasnorm Euro 6d-TEMP weisen im realen Fahrbetrieb durchschnittlich 46 Milligramm Stickstoffoxid pro Kilometer (mg NOx/km) auf. Damit unterschreiten sie die Anforderungen für Messungen im praktischen Betrieb (RDE) deutlich. Diese Fahrzeuge machen derzeit etwa 5 Prozent des Diesel-Pkw-Bestands aus.

Älteren Diesel-Pkw mit Abgasnormen bis Euro 6c, die den Großteil des Diesel-Pkw-Bestands dominieren, attestiert das neue HBEFA sogar noch höhere Realemissionen als bisher. Die NOx-Emissionen im Realbetrieb für Euro-5- bzw. Euro 6a/b/c-Diesel-Pkw mit betriebswarmen Motor stiegen in der neuen Version auf durchschnittlich 950 bzw. 614 mg NOx/km an. Zum Vergleich: Die Grenzwerte bei der Typgenehmigung im Labormesszyklus betragen 180 (Euro 5) und 80 (Euro 6a/b/c) mg NOx/km.

Software-Updates und technische Nachrüstung

Für die zwei Millionen Fahrzeuge des VW-Konzerns mit dem Motor der Reihe EA 189, in die Abschalteinrichtungen eingebaut waren, sind Softwareupdates verpflichtend. Messungen an acht Fahrzeugen ergaben, dass die Updates die NOx-Emissionen im Realbetrieb durchschnittlich um rund 25 Prozent mindern. Die Emissionen nach Software-Update liegen bei durchschnittlich 588 mg/km, was mehr als dem Dreifachen des Labor-Grenzwertes entspricht.

„Das Kraftfahrt-Bundesamt hat in den letzten Wochen die ersten Nachrüstsysteme genehmigt. Jetzt müssen diese Systeme zügig in die Autos eingebaut werden.“

Die Hersteller sind in der Verantwortung, die Kosten für die Nachrüstung zu übernehmen.

CO2-Emissionen und Prüfverfahren

Die Emissionsfaktoren für Kohlendioxid (CO2) erhöhen sich gegenüber den Werten aus HBEFA 3.3 ebenfalls deutlich. Die realen CO2-Emissionen auf der Straße sind für neue Pkw seit 2000 (Euro 3) nur um 8 Prozent und für neue leichte Nutzfahrzeuge seit 2001 (Euro 3) nur um 2 Prozent gesunken. Gründe hierfür sind die zunehmende Masse und Leistung der Fahrzeuge in Kombination mit der bis 2018 gültigen Typgenehmigung.

„Die Umstellung der Prüfverfahren und -zyklen für die CO2-Emissionen neuer Pkw seit 1.9.2018 durch die EU war daher der richtige Schritt. Allerdings müssen wir genau kontrollieren, ob diese neuen Prüfverfahren sicherstellen, dass die Vorgaben aus den CO2-Grenzwerten eingehalten werden und zu den erforderlichen CO2-Minderungen im Verkehr beitragen.“

Hintergrund: Handbuch für Emissionsfaktoren des Straßenverkehrs (HBEFA)

Das HBEFA ist eine Datenbank zu spezifischen Emissionswerten für gängige Fahrzeugtypen wie Pkw, leichte und schwere Nutzfahrzeuge, Linien- und Reisebusse sowie Motorräder. Es ermöglicht eine realistische Beschreibung des Emissionsverhaltens von Kraftfahrzeugen. Die Version 4.1 stellt die neuesten Werte für Emissionsfaktoren bereit. An der Finanzierung und Entwicklung von HBEFA sind Umwelt- und Verkehrsbehörden aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Norwegen, Frankreich und Schweden beteiligt.

HBEFA 4.1 ist öffentlich zugänglich und die Installationsdatei ist gegen eine Schutzgebühr von 250 Euro erhältlich.

12.09.2019

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