Naturschutz

Biodiversität in der Agrarlandschaft: Erfahrungen und Weiterentwicklung

Ein Workshop des Bundesamtes für Naturschutz beleuchtete integrative Nutzungskonzepte und Förderinstrumente zum Schutz der Biodiversität in Agrarlandschaften. Die Veranstaltung fokussierte auf den Erfahrungsaustausch und die Integration dieser Erkenntnisse in die Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU.

Integrative Konzepte für den Artenschutz in der Landwirtschaft

Der Erhalt der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft ist eng mit den Bewirtschaftern verbunden. Dies war die zentrale Annahme eines Workshops, zu dem das Bundesamt für Naturschutz (BfN) nach Berlin eingeladen hatte. Die Veranstaltung fokussierte auf den Erfahrungsaustausch zu integrativen Nutzungskonzepten und Förderinstrumenten, die in der Schweiz, Österreich und Deutschland erfolgreich zum Schutz der Biodiversität in Agrarlandschaften eingesetzt werden. Ein weiteres Thema war die Integration dieser Erfahrungen in die Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU nach 2013.

"Beim Thema biologische Vielfalt und Landwirtschaft stehen wir am Beginn eines richtungweisenden Jahres. Wir müssen dazu beitragen, dass der Landwirtschaft praxistaugliche Optionen für eine von der Gesellschaft anerkannte natur- und klimaverträglichere Agrar-Produktion eröffnet werden"[cite: 20].

Dies betonte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, in ihrer Begrüßung. Das BfN diskutiert gemeinsam mit Fachleuten aus Wissenschaft, Behörden und Verbänden über solche Optionen. Handlungsbedarf besteht insbesondere bei der Ausgestaltung der europäischen Agrarpolitik, die einen erheblichen Einfluss auf die landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsweisen in Europa hat.

"Nur wenn es gelingt, Natur- und Umweltleistungen der Landwirtschaft künftig angemessen und zielgerichteter zu honorieren, können in der Agrarlandschaft neben der landwirtschaftlichen Produktion auch die biologische Vielfalt sowie andere gesellschaftliche Wohlfahrtsfunktionen langfristig gesichert werden"[cite: 20].

So Jessel weiter. Die aktuelle Reform der GAP muss demnach wichtige Weichen für eine naturverträglichere Landwirtschaft in Europa stellen, um die Biodiversitäts- und Umweltziele der EU zu erreichen. Die EU-Kommission hat mit ihrer Mitteilung im November 2010 erste Schritte in diese Richtung vorgeschlagen. Wesentlich sei dabei, Mindeststandards für eine nachhaltige und naturverträgliche Bewirtschaftung in der Fläche, insbesondere in Intensivgebieten, zu verankern. Gleichzeitig müsse eine zielgerichtete Honorierung bestimmter ökologischer Leistungen der Landwirtschaft gewährleistet werden.

Herausforderungen und gesellschaftliche Anforderungen

Die gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft gehen heute über die reine Lebensmittelproduktion hinaus.

"Von der Landwirtschaft wird auch erwartet, dass sie einen Beitrag zum Erhalt einer vielfältigen Kulturlandschaft leistet, das Klima schützt und die Gewässer rein hält"[cite: 20].

erklärte die BfN-Präsidentin. Dennoch setzt sich der Rückgang der biologischen Vielfalt, besonders in der Agrarlandschaft, kontinuierlich und in bedenklichem Ausmaß fort. Hauptursachen hierfür sind die intensive Nutzung sowie zu hohe Stoffeinträge in Ökosysteme. Eine wachsende Herausforderung stellt zudem die zusätzliche Nachfrage nach Biomasse zur Energieerzeugung dar, die immer mehr Nutzfläche beansprucht und die Flächenkonkurrenz verschärft.

Internationale Perspektiven

Die letzte Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen über biologische Vielfalt (CBD) in Japan im Oktober 2010 hob die Bedeutung von Anreizmaßnahmen und Subventionen für den Natur- und Ressourcenschutz hervor. Die internationale Gemeinschaft einigte sich in einem Strategischen Plan darauf, diese bis 2020 so umzustrukturieren, dass positive Anreize für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt weiterentwickelt werden. Gleichzeitig sollen schädliche Subventionen eliminiert oder reformiert werden, um negative Folgen zu minimieren.

13.01.2011

Zurück