Bedeutung und Bedrohung der Kalkmagerrasen – Einblicke in die Ökosysteme
Kalkmagerrasen sind charakteristische Elemente der historischen Kulturlandschaft, die durch traditionelle Beweidung entstanden sind. Sie zeichnen sich durch eine hohe Biodiversität aus; auf wenigen Quadratmetern können über 50 Pflanzenarten vorkommen. Diese Pflanzen dienen wiederum zahlreichen Insektenarten wie der Knautien-Sandbiene, dem Kreuzenzian-Ameisenbläuling, der Thymian-Zirpe und dem Heidegrashüpfer als Nahrungsgrundlage.
In den letzten Jahrzehnten geriet diese Vielfalt jedoch zunehmend in Gefahr, da viele Flächen aufgrund mangelnder Rentabilität der Bewirtschaftung brachfielen. Die Ausbreitung von Sträuchern verdrängte die typischen Arten der Kalkmagerrasen.
Projektziele und Umsetzung – Erfolgreiche Wiederherstellung von Lebensräumen
Die Universität Osnabrück, die seit fast 30 Jahren im Diemeltal forscht, initiierte 2018 gemeinsam mit dem Landkreis Kassel ein Naturschutzprojekt zur Wiederherstellung dieser Lebensräume. Projektpartner waren die Landschaftsstation im Kreis Höxter e.V. und das Naturschutzzentrum – Biologische Station – Hochsauerlandkreis e.V.
Das Projekt wurde als Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums sowie der Länder Nordrhein-Westfalen und Hessen gefördert. Das Gesamtvolumen betrug rund 1,7 Millionen Euro. Bei der Umsetzung der Maßnahmen wurde darauf geachtet, wertvolle Strukturelemente wie markante Einzelbäume, Wacholderbüsche und kleine Strauchgruppen zu erhalten.
Zwischen 2019 und 2022 konnten knapp 55 Hektar Kalkmagerrasen in Hessen und Nordrhein-Westfalen renaturiert werden. Für die langfristige Offenhaltung der Flächen nach Projektende wurden Bewirtschafter mit Weidetieren über regionale Förderprogramme gefunden.
Innovative Methoden und weitere Beobachtung – Zukunftsweisende Ansätze im Naturschutz
Eine im Projekt entwickelte Methode ist der Insektenübertrag mittels Motorsauger. Hierbei werden Insekten von artenreichen Kalkmagerrasen punktuell abgesaugt und auf den Maßnahmenflächen wieder verteilt. Die Wirksamkeit dieser Methode wird von der Universität Osnabrück noch erprobt.
Die wissenschaftliche Begleituntersuchung der Maßnahmenflächen wird fortgesetzt. Die Universität Osnabrück beobachtet die Entwicklung der Flächen noch bis Sommer 2024, um ein detailliertes Fazit zum Renaturierungserfolg ziehen zu können.
Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben wie das Projekt im Diemeltal ermöglichen es, Naturschutzmaßnahmen vor Ort umzusetzen und gleichzeitig innovative Methoden zu entwickeln, die später auch in anderen Regionen Anwendung finden können.
