Herausforderungen bei der Sanierung historischer Beläge
Bei der Sanierung innerstädtischer Straßenbeläge wird oft auf großformatige Elemente gesetzt, um moderne Akzente zu schaffen. Dies ist jedoch nicht immer die passende Lösung, insbesondere in ländlichen Gebieten, wo historische Flächenbefestigungen aus Naturstein oder Klinker ihren Charakter bewahren sollen.
Häufig sind diese historischen Beläge jedoch schlecht begehbar oder weisen eine geringe Belastbarkeit auf. Eine Alternative, die sowohl den historischen Charakter bewahrt als auch funktionale Anforderungen erfüllt, wurde in Bad Zwischenahn und Goch gefunden.
In Bad Zwischenahn wurde die etwa 200 Meter lange Klinkerfahrbahn der Straße „Auf der Wurth“ saniert. Die Fugen des Klinkerpflasters waren so stark beschädigt, dass eine reine Ausbesserung nicht mehr wirtschaftlich war. Anwohner beklagten zudem den hohen Geräuschpegel, der durch Fahrzeuge auf dem holprigen Pflaster entstand.
Da auch der Regenwasserkanal und die Trinkwasserleitungen erneuert werden mussten, entschied sich die Gemeinde für eine grundlegende Erneuerung des rund 1.500 Quadratmeter großen Straßenbelags.
Anforderungen an den neuen Belag
Gefordert war ein leiser, gut begehbarer Belag, der auch dauerhaft ohne Schaden bleibt und sich dabei noch harmonisch in das norddeutsche Ambiente einfügt. Aus diesem Grund haben wir nach einer Alternative gesucht, die dem bisher verbauten Klinkerriemchen optisch sehr nahe kommt und dennoch alle funktionalen Anforderungen erfüllt.
Die Planer wählten ein Beton-Riemchenpflaster namens Figura-Fusion. Dieses Pflaster hat mit 21 x 7 cm dasselbe Format wie der ursprüngliche Klinkerpflasterbelag und wurde farblich an die ursprünglichen Brauntöne angepasst. Die gering ausgeprägte Fase des Pflasters trägt dazu bei, die Fahrgeräusche zu reduzieren. Zur optischen Auflockerung wurden auf den sechs Parkplätzen am Straßenrand noch brauchbare alte Klinker verbaut.
Nockensystem verhindert Verschiebungen
Das Figura-Fusion-Pflaster verfügt über ein Verzahnungssystem mit seitlichen Verbundnocken. Dieses System gewährleistet eine kraftschlüssige Verbindung der Steine und schützt dauerhaft vor Verschiebungen innerhalb der Fläche.
Die notwendige Fuge wird daher systembedingt stets eingehalten. Die Fugen bleiben so dauerhaft mit Fugenmaterial gefüllt und können ihre Funktion als elastischer Puffer zwischen den Steinen in idealer Weise erfüllen. Schub- und Horizontalkräfte werden abgepuffert und auf die gesamte Fläche übertragen. Die Probleme von Verschiebungen, wie wir sie mit dem alten Klinkerpflaster hatten, dürften hiermit also nicht auftreten.
Ähnliche Anforderungen bestanden bei der Sanierung einzelner Straßenzüge in der Innenstadt von Goch. Dort sollte der defekte Porphyr- und Basaltpflasterbelag aus den 1980er Jahren ersetzt werden. Seit 2014 wird die Fußgängerzone sowie angrenzende Bereiche ebenfalls mit dem Pflaster Figura-Fusion saniert.
Bewusste Entscheidung gegen eine Modernisierung
Dieses Riemchenpflaster hat einfach optisch am besten zum vorhandenen Bestand in unserer Innenstadt gepasst. Gleichzeitig bietet es uns dank der besonderen Abstandhaltertechnologie auf den mittlerweile etwa 3.000 Quadratmeter sanierten Flächen ausreichend Stabilität, denn schließlich wird die Fußgängerzone auch in nicht unerheblichem Maße von Lieferfahrzeugen belastet.
In beiden Projekten wurde bewusst auf eine Modernisierung durch großformatige Elemente verzichtet. Stattdessen stellen die gewählten Lösungen eine Reminiszenz an historische Flächenbefestigungen dar.

