Klima- und Umweltschutz, Umweltschutz und Entsorgung

Baumpflege im Klimawandel: Herausforderungen und Lösungsansätze

Der Klimawandel stellt die Baumpflege vor große Herausforderungen. Frank Bechstein beleuchtet die Auswirkungen von Wetterextremen auf Bäume und zeigt auf, welche Maßnahmen Fachleute und Bürger ergreifen können, um den Baumbestand zu schützen.

Klimawandel: Auswirkungen auf Bäume und ihre Vitalität

Anhaltende Trockenperioden führen zu Wassermangel, der die Vitalität von Bäumen massiv schwächt. Dies äußert sich in Blattvergilbung, vorzeitigem Laubabwurf, abgestorbenen Ästen und Rindenrissen. Langfristig erhöht die Trockenheit die Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten, wie den Borkenkäfer bei Nadelbäumen. Überschwemmungen verursachen Staunässe, die zu Sauerstoffmangel im Wurzelbereich führt und das Absterben der Wurzeln sowie die Beeinträchtigung der Wasser- und Nährstoffaufnahme zur Folge hat. Starke Regenfälle können zudem Bodenerosionen, Wurzelfreilegungen und Sturmschäden verursachen.

Veränderungen in der Baumpflege

Die Baumpflege hat sich an die veränderten Bedingungen angepasst. In Trockenperioden wird tiefgründig gewässert, um das Wasser direkt in die Wurzelzone zu bringen. Bewässerungssäcke bei Jungbäumen geben die Flüssigkeit langsam und kontinuierlich ab. Organische Mulchschichten von fünf bis zehn Zentimetern Dicke verhindern eine zu starke Erwärmung des Bodens und reduzieren die Verdunstung. Bei Neupflanzungen werden widerstandsfähige und trockenheitstolerante Baumarten wie Eichen oder Gleditschien bevorzugt, wobei Mischbaumarten zur Vermeidung von Monokulturen empfohlen werden. Neben der visuellen Kontrolle kommen bei der Baumkontrolle Methoden wie Baumringanalyse, Schalltomographie und Resistographen zum Einsatz, um Vitalität und Stabilität zu bewerten.

Gefahren durch geschwächte Bäume

Abgestorbene Äste und brüchige Kronenbereiche stellen eine Gefahr für Baumpfleger und Passanten dar. Geschwächte Bäume erfordern häufigere Schnitte. Brüchige Kronenbereiche werden mit Kronensicherungen und Kronenstützen verstärkt. Trockenstress kann dazu führen, dass die Wurzeln nicht mehr ausreichend Halt bieten. In Kombination mit Starkregen und Bodenerosionen erhöht sich die Umsturzgefahr erheblich, da aufgeweichte Böden nachgeben können. Verborgene Schäden an Wurzel oder Stamm sind äußerlich nicht immer sofort erkennbar, weshalb regelmäßige Schulungen des Fachpersonals und konsequente Baumkontrollen zur Risikoabschätzung unerlässlich sind.

Maßnahmen für Laien und Gartenbesitzer

An heißen Sommertagen können Bürger den städtischen Baumbestand durch Gießen unterstützen, idealerweise morgens oder abends, um Verdunstung zu vermeiden. Ein Baum benötigt je nach Größe zehn bis 200 Liter Wasser pro Woche. Das Parken auf Baumscheiben sollte vermieden werden, um Bodenverdichtung zu verhindern. Viele Städte bieten Baumpatenschaften zur finanziellen Unterstützung der Baumpflege an.

Die Neupflanzung von Bäumen im eigenen Garten ist ein Beitrag zur Biodiversität, zur Verbesserung des Mikroklimas und zum Klimaschutz. Besonders hitze- und trockenresistente Baumarten sind zukunftsweisend. Der Herbst (Oktober und November) ist ideal für Neupflanzungen, da der Boden noch warm ist und der Baum sich vor dem Frühling akklimatisieren kann.

Bei der Auswahl einer Baumart für den eigenen Garten sind Kriterien wie Trockenheitstoleranz, Frosthärte und ausreichend Platz entsprechend der Wuchsform zu beachten. Auch die individuellen Bodenansprüche (Sand-, Lehm- oder Kalkböden) sowie der Lichtbedarf des Baumes sind zu berücksichtigen. Der Standort sollte zudem ausreichend Abstand zu Gebäuden, Grenzen und Versorgungsleitungen bieten und Staunässe vermeiden.

Junge Bäume sind besonders anfällig für Wetterextreme. Sie sollten mit Baumpfählen oder Spiralankern stabilisiert werden, die nach drei Standjahren zur Förderung des Wurzelwachstums entfernt werden können. Eine regelmäßige und angepasste Bewässerung mittels Bewässerungssäcken oder selbstgebauten Tropfschläuchen ist in den ersten drei Jahren entscheidend. Zum Schutz vor Hitze sind Schattierungen oder Mulchen angebracht, um die Bodentemperatur niedrig zu halten. Ein weißer Stammanstrich kann bei Jungbäumen angewendet werden. Gegen Frost und Austrocknung im Winter ist das Abdecken der Baumscheibe mit Reisig oder Jute sinnvoll.

Für bestehende Baumbestände im Garten empfiehlt sich eine regelmäßige Prüfung auf Schäden, Krankheiten und Schädlinge. Totholz sollte entfernt und die Kronenstruktur durch einen lockeren Kronenaufbau optimiert werden. Bei Bedarf kann der Boden nach einer Bodenanalyse mit Kompost oder organischem Dünger gedüngt werden. Durchdringendes Wässern an heißen Tagen ist ebenfalls wichtig. Bei Arbeiten im Wurzelbereich, wie Abgrabungen oder Aufschüttungen, sollte vorab fachkundiges Personal konsultiert werden, um irreversible Schäden am Baum auszuschließen.

Zukünftige Herausforderungen der Baumpflege

Frank Bechstein prognostiziert, dass heimische Baumarten durch den Klimawandel verdrängt werden könnten, während wärmeliebende Arten besser gedeihen. Zunehmende Trockenperioden, Stürme und Starkregen werden die Vitalität der Bäume weiter beeinträchtigen und die Herausforderungen durch Schädlinge und Krankheiten verstärken. Eine intensivere Pflege und Forschung an klimaresilienten Baumarten sowie die Etablierung neuer Strategien in der Pflanzplanung und Baumpflege werden notwendig sein, insbesondere in Städten und Gemeinden, um urbane Ökosysteme zu erhalten.

Zur Person: Frank Bechstein

Frank Bechstein ist ausgebildeter Landschaftsgärtner und staatlich geprüfter Baumpfleger. Seit Ende der 1970er-Jahre ist er in der Baumpflege tätig. 1985 gründete er seinen eigenen Baumpflege-Betrieb in Kriftel, die Frank Bechstein Baumpflege GmbH, die überregional in ganz Deutschland Dienstleistungen in den Bereichen Pflege, Fällung, Kontrolle, Gutachten und Management von Bäumen anbietet.

Klare Vorstellungen für die Zukunft der Baumpflege

Frank Bechstein betont die Bedeutung des Standorts für die Gesundheit von Bäumen. Er fordert, mehr Mittel in den Bau zukünftiger Standorte zu investieren, da gut vorbereitete Baumgruben mit ausreichendem Substrat notwendig sind, um Bäume dauerhaft gesund zu erhalten. Für die weiterführende Pflege bei Neuanpflanzungen sollten Haushaltsmittel eingeplant werden. Eine langfristige Planung ist für den Erhalt und die Aufwertung des Baumbestands von großer Bedeutung. Am wichtigsten sei jedoch die fachgerechte Kontrolle und Pflege durch ausgebildetes Personal.

23.05.2025

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