Gefährliche Brennhaare und ihre Wirkung
Der Eichenprozessionsspinner, ein wärmeliebender Nachtfalter, breitet sich zunehmend aus. Seine Raupen bilden mehrreihige Prozessionen und dichte Gespinstnester. Die Beseitigung dieser Raupen und Nester erfordert professionelles Vorgehen, da sie nicht nur gefräßig, sondern auch wehrhaft sind.
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners entwickeln eine effektive Verteidigungsstrategie. Bereits nach dem Schlüpfen im April sind sie stark behaart. Ab Ende Mai, nach der zweiten von sechs Häutungen, entwickeln sie bis zu 600.000 feine Brennhaare. Diese Haare sind mit Widerhaken versehen und setzen bei Bruch das Nesselgift Thaumetopoein frei.
Diese mit Widerhaken besetzten Härchen brechen sehr leicht ab und setzen dann das Nesselgift Thaumetopoein frei. Das verträgt außer dem Kuckuck quasi kein Vogel – zumal sich die Raupen tagsüber in Gespinstnestern verbergen, die mit unzähligen Brennhaaren gespickt sind. Die reinste Trutzburg also.
Dies erklärt Markus Breithaupt vom Fachverband geprüfter Baumpfleger. Die Gespinstnester dienen den Raupen als Schutz vor Fressfeinden.
Klimawandel begünstigt Verbreitung des Falters
Markus Breithaupt, Inhaber des Baumpflegebetriebs „Kletterspezialisten“, bestätigt, dass die Brennhaare nicht nur Fressfeinde abwehren. Bei Kontakt mit Menschen, Haustieren oder Nutztieren können sie allergische Reaktionen auslösen. Häufige Symptome sind juckender Hautausschlag, Bindehautentzündungen, Atemwegsreizungen oder Atemnot. Allergische Schocks sind selten.
Breithaupt berichtet von Fällen, in denen Gartenbesitzer, Hausmeister oder Garten- und Landschaftsbauer versucht hatten, Raupen oder Nester selbst zu entfernen. Solche Versuche sind mit Risiken verbunden. Professionelle Baumpfleger setzen bei diesen Arbeiten Spezialgeräte ein und arbeiten mit vollständiger Schutzkleidung, einschließlich Schutzanzug, Schutzbrille, Handschuhen und Atemschutzmasken mit Partikelfilter.
Brennhaare bis zehn Jahre lang aktiv
Baumpfleger entdecken Raupen oder Nester oft bei Routinearbeiten wie Gehölzschnitt oder Bruchsicherheitskontrollen. In solchen Fällen informieren sie ihre Kunden über den Befall, die Risiken und mögliche Gegenmaßnahmen. Eine frühzeitige Behandlung mit einem biologischen Wirkstoff ist möglich, bevor die Raupen Brennhaare ausbilden.
Einige Baumpflegebetriebe bieten einen speziellen Service an: Sie beobachten auf Versuchsflächen den Schlupf und die Entwicklung der Raupen, um den optimalen Behandlungszeitpunkt zu bestimmen. Dies stellt die kostengünstigste Variante der Bekämpfung dar.
Gesetzlich zu Gegenmaßnahmen verpflichtet
Besonders im städtischen Raum ist Untätigkeit keine Option. Die Verkehrssicherungspflicht gilt auf Betriebsgeländen und in Privatgärten. Baumbesitzer sind gesetzlich verpflichtet, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn Brennhaare Menschen gefährden können, auch durch Verwehung.
Markus Breithaupt betont, dass eine frühzeitige Kontaktaufnahme die Maßnahmen vereinfacht und den Bäumen massive Fraßschäden erspart. Vitale Eichen können einen gelegentlichen Kahlfraß verkraften. Geschwächte Bäume, etwa durch Trockenstress oder andere Schaderreger, können jedoch durch einen Befall absterben. Dies stellt nicht nur für Baumpfleger ein Problem dar, sondern auch einen wirtschaftlichen Verlust für den Kunden, da attraktive Bäume den Wert eines Grundstücks erheblich steigern. Baumpflege wird somit als Investition betrachtet, die dem Baum und dem Klima zugutekommt.
Baumpflege: So finden Sie den passenden Betrieb
Der Begriff Baumpfleger ist rechtlich nicht geschützt. Um eine qualifizierte Leistung sicherzustellen, empfiehlt sich die Wahl eines Mitgliedsbetriebs des Fachverbands geprüfter Baumpfleger. Dieser Verband nimmt ausschließlich geprüfte Baumpfleger auf und fördert deren Weiterbildung durch eigene Veranstaltungen. Eine Betriebssuche ist über die Verbandswebsite möglich.
