Neue Rote Liste zeigt wachsenden Druck durch Nährstoffeinträge
Die aktuelle Rote Liste der Pflanzen in Deutschland zeigt eine weiterhin angespannte Lage: 30,8 Prozent der heimischen Arten gelten als gefährdet. Damit bleibt der Anteil auf hohem Niveau, während sich der Zustand vieler Wildpflanzen in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich verschlechtert hat.
Besonders problematisch sind steigende Nährstoffeinträge in Böden und Gewässern. Sie verändern die Standortbedingungen und verdrängen spezialisierte Arten, die auf nährstoffarme Lebensräume angewiesen sind. Diese Entwicklung betrifft sowohl terrestrische als auch aquatische Ökosysteme.
Nährstoffarme Standorte besonders betroffen
Vor allem Pflanzenarten aus nährstoffarmen Lebensräumen geraten unter Druck. Dazu zählen Moore, Heiden, Extensiväcker und Gewässer mit geringer Nährstoffbelastung. Hier finden sich überdurchschnittlich viele stark gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Arten.
Besonders deutlich wird dies bei den Zieralgen: 51,2 Prozent dieser Arten gelten als gefährdet. Damit liegt ihr Anteil deutlich über dem der Moose, bei denen rund 25 Prozent betroffen sind. Auch bei Farn- und Blütenpflanzen ist die Situation angespannt – 27,5 Prozent dieser artenreichsten Pflanzengruppe sind gefährdet.
Zu den betroffenen Arten zählen unter anderem die Wiesen-Küchenschelle sowie Ackerwildkräuter wie das Flammen-Adonisröschen. Ihre Lebensräume werden zunehmend durch Nährstoffeinträge und veränderte Nutzung beeinträchtigt.
Verluste und erste Erfolge im Artenschutz
Insgesamt 119 Pflanzenarten sind in den vergangenen etwa 150 Jahren in Deutschland ausgestorben oder verschollen. Darunter befinden sich 76 Farn- und Blütenpflanzen, 39 Moose und vier Kieselalgen. Gleichzeitig zeigen einzelne Entwicklungen, dass gezielte Maßnahmen Wirkung entfalten können.
Verbesserungen wurden insbesondere bei einigen Moos- und Algenarten festgestellt. Diese profitieren von einer verbesserten Luftqualität und geringerer Versauerung von Gewässern. Auch bei 327 Farn- und Blütenpflanzen konnte der Rückgang gestoppt werden, bei 18 Arten ist sogar eine positive Bestandsentwicklung zu verzeichnen.
Erfolge gehen häufig auf konkrete Naturschutzmaßnahmen zurück, etwa die Anlage von Ackerrandstreifen oder die Einrichtung von Schutzäckern. Dadurch konnten sich beispielsweise Bestände von Kornrade und Dicke Trespe stabilisieren.
Handlungsbedarf auf Landschaftsebene
Die Ergebnisse der Roten Liste machen deutlich, dass Einzelmaßnahmen allein nicht ausreichen. Entscheidend ist ein umfassender Ansatz, der insbesondere die Landwirtschaft und den Umgang mit Nährstoffeinträgen in den Fokus rückt.
Für den Garten- und Landschaftsbau ergeben sich daraus ebenfalls wichtige Impulse, etwa bei der Planung und Pflege von Flächen mit Blick auf standortgerechte Bepflanzung und den Umgang mit Nährstoffen. Eine differenzierte Flächenbewirtschaftung kann dazu beitragen, Lebensräume für gefährdete Arten zu erhalten.
Rote Liste als Grundlage für Naturschutzstrategien
Die Rote Liste umfasst die Bewertung von insgesamt 8.650 Pflanzenarten aus sechs Gruppen, darunter Farn- und Blütenpflanzen, Moose sowie verschiedene Algenarten. Sie liefert nicht nur eine Gefährdungsanalyse, sondern auch eine umfassende Bestandsaufnahme der Pflanzenvielfalt in Deutschland.
Als wissenschaftlich fundiertes Instrument dient sie als Frühwarnsystem für Veränderungen der biologischen Vielfalt. Gleichzeitig bildet sie eine zentrale Grundlage, um Naturschutzmaßnahmen zu priorisieren und gezielt weiterzuentwickeln.


