Herausforderungen und Investitionen im Hochwasserschutz
Trotz erheblicher Investitionen in den Hochwasserschutz in den vergangenen Jahren treten deutsche Flüsse infolge extremer Wetterereignisse immer wieder über die Ufer. Besonders betroffen ist die Elbe in Sachsen-Anhalt. Zwischen 2002 und 2009 wurden dort im Rahmen des Hochwasserschutzkonzeptes rund 480 Kilometer Deiche saniert. Die Kosten für den technischen Hochwasserschutz und die Schadensbeseitigung beliefen sich in diesem Zeitraum auf etwa 395 Millionen Euro.
Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt in Sachsen-Anhalt prognostiziert bis 2020 einen Gesamtbedarf von rund 474 Millionen Euro für Hochwasserschutzvorhaben. Dazu zählen Deichrückverlegungen, Deichsanierungen, Neubauten, Deichlückenschlüsse, Anlagensanierungen und Gewässerbau. Innerhalb dieser Maßnahmen spielt der Wegebau eine wesentliche Rolle, da diese Wege im Hochwasserfall für den Transport von Maschinen und Material genutzt werden und daher eine hohe Stabilität erfordern. Gleichzeitig dienen die Wege durch die zunehmende Popularität des Flussradelns auch dem Radtourismus. Bei der Anlage von Deichverteidigungswegen sind somit neben der Stabilität weitere Kriterien zu berücksichtigen.
Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) hat hierfür eine Lösung entwickelt. Deichverteidigungswege sind in der Regel drei Meter breit und für die Belastungsklasse SLW 60 ausgelegt. Dies bedeutet gemäß DIN 1072, dass sie von Fahrzeugen mit einer Breite von drei Metern und einer Länge von sechs Metern befahren werden können. Die Gesamtlast des Fahrzeugs darf dabei bis zu 600 KN betragen, bei einer Radlast von maximal 100 KN. Diese hohen Anforderungen an die Belastbarkeit der Deichverteidigungswege resultieren aus den starken Belastungen durch schweres Hilfsgerät im Hochwasserfall. Daher sind Oberflächenbefestigungen erforderlich, die diesen speziellen Belastungen dauerhaft standhalten. In der Altmark in Sachsen-Anhalt wird hierfür ein spezielles Pflastersystem eingesetzt.
Ökologische Aspekte und Freizeittauglichkeit
Bei der Anlage der Deichwege hat sich in Sachsen-Anhalt bereits seit vielen Jahren das Pflastersystem UNNI-2N bestens bewährt. Dieses Steinsystem verfügt über eine geradflächige Rundumverzahnung und ermöglicht damit eine optimale Lastübertragung von Stein zu Stein. So können hohe dynamische Verkehrslasten oder auch Brems- und Beschleunigungskräfte z.B. beim Übergang von Feldern auf Wege oder bei rangierenden Fahrzeugen vom Pflasterbelag aufgenommen werden, ohne dass es zu Schäden in der Fläche kommt. Darüber hinaus bringen die L-förmig ausgeformten Randsteine den Effekt, dass jeder Stein in zwei Nachbarreihen der Verlegeeinheit eingebunden ist. Dies bringt zusätzliche Stabilität und führt dazu, dass an vielen Stellen Bordsteine zur Begrenzung entfallen können – dies spart Zeit und Geld.
Dies erläutert Dipl.-Ing. Tilo Köppe-Reib von der Planungsgesellschaft für Wasserbau & Wasserwirtschaft mbH (PROWA) aus Neuruppin.
UNNI-2N: Stabilität und vielfältige Wegetypen
Das System zeichnet sich durch seine Variationsmöglichkeiten aus. Vier verschiedene Steinvarianten – zwei Voll- und zwei Rasensteine in unterschiedlicher Form – sind miteinander kompatibel und ermöglichen sieben unterschiedliche Wegebautypen.
So ist es ganz einfach möglich z.B. für die Rampen- und Ausweichbereiche der Deiche Vollsteinflächen zu gestalten und für den normalen Wegverlauf Rasensteine wahlweise über die gesamte Fläche, als Spurweg oder als Mittelstreifen zu verlegen. Auf diese Weise erfüllt das Pflastersystem auch alle Anforderungen an eine ökologische Flächenbefestigung und bietet gleichzeitig einen hohen Geh- bzw. Fahrkomfort für Wanderer oder Radtouristen.
Ein Beispiel für die Anwendung dieses Systems ist der Deichverteidigungsweg zwischen Räbel und Berge im Elbflussbereich Osterburg. Dort wurde im vergangenen Jahr ein etwa vier Kilometer langer Deichweg mit dem Systemstein UNNI-2N neu befestigt.
Der geforderte Regelquerschnitt des Weges von 3 Metern war dank der maschinengerechten Verlegeeinheiten von 1 Metern Breite problemlos einzuhalten. Da über diesen Wegabschnitt auch der Elberadweg verläuft, haben wir die beiden Fahrspuren mit dem Vollstein und den Mittelstreifen mit dem Rasenstein gestaltet. So können Radfahrer komfortabel nebeneinander her radeln – in der Fahrbahnmitte versickern anfallende Niederschläge und insgesamt ist der Weg stabil genug, um im Hochwasserfall den schweren Einsatzfahrzeugen stand zu halten.
Informationen zu diesem Steinsystem sind online verfügbar.
