Fortsetzung des Dialogs über den dritten Nationalpark in Bayern
Der Dialog über einen möglichen dritten Nationalpark in Bayern, speziell im Frankenwald, wird fortgesetzt. Dies ist das Ergebnis einer ersten Veranstaltung in Stockheim im Landkreis Kronach, an der die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf sowie Vertreter von Verbänden und der Politik teilnahmen. Die Initiative für diesen Dialog ging vom Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner aus.
Der dritte Nationalpark in Bayern ist eine historische Entscheidung. Wir wollen einen dritten Nationalpark, weil wir für unsere Heimat nicht nur Lebenschancen schaffen möchten, sondern auch Lebensqualität. Ich freue mich, dass die Region bereit ist, einen ergebnisoffenen Dialog zu führen. Ein Nationalpark ist ein Angebot an die Regionen. In einem sehr konstruktiven Gespräch haben wir heute viele offene Fragen geklärt.
Dies erklärte Ministerin Scharf. Landtagsabgeordneter Baumgärtner ergänzte, dass die Auftaktveranstaltung eine Informationsbasis geschaffen habe, um eine ausführliche Diskussion über das Angebot „Nationalpark“ in der Region zu führen. Er betonte, dass er einen ergebnisoffenen Dialog angestoßen habe und sich nicht auf eine Ja- oder Nein-Antwort festgelegt habe.
Die Ministerin hob die Bedeutung des Dialogs für das weitere Verfahren hervor. Sie betonte, dass ein Nationalpark für die Menschen da sei und gemeinsam mit der Region entwickelt und maßangefertigt werde. Sie verwies auf die beiden bestehenden Nationalparks, die sich zu tragenden Säulen in ihren Regionen entwickelt hätten, mit jährlich rund 3 Millionen Besuchern und einer Wertschöpfung von fast 70 Millionen Euro. Der Nationalpark Bayerischer Wald sei zudem Arbeitgeber für etwa 200 Personen.
Im Fokus der Veranstaltung in Stockheim standen spezifische Fragen zum Frankenwald. Bei der Suche nach einem dritten Nationalpark werden vorrangig Staatswaldflächen berücksichtigt. Private Flächen werden nur einbezogen, wenn Eigentümer einen Tausch oder Verkauf wünschen; Enteignungen sind ausgeschlossen. In Privatwäldern außerhalb von Nationalparkflächen gibt es keine Nutzungseinschränkungen, die Bewirtschaftung kann wie bisher erfolgen.
Das Waldmanagement eines Nationalparks wird so gestaltet, dass keine negativen Auswirkungen auf angrenzende private Wälder zu befürchten sind. Ein weiteres Thema war die Jagd. In einem Nationalpark ist ein umfassendes Wildtiermanagement in der Verantwortung der Nationalparkverwaltung vorgesehen. Ziel ist es, Auswirkungen der Wildbestände auf die angrenzende Kulturlandschaft zu vermeiden oder Tierseuchen vorzubeugen. Hierfür soll bei Bedarf das gesamte Spektrum an Bejagungsstrategien im Einklang mit jagd- und tierschutzrechtlichen Vorgaben ausgeschöpft werden. Die Ministerin bekräftigte, dass private Jäger in das Wildtiermanagement einbezogen werden können.
Auch das Thema Borkenkäfer wurde diskutiert. Die Ministerin versicherte, dass durch ein aktives Borkenkäfermanagement in der Randzone die Ausbreitung in angrenzende Wälder verhindert werde. Angrenzende Privatwälder sollen durch eine ausreichend große Pufferzone um den Nationalpark geschützt werden. Dieses Konzept wird im Nationalpark Bayerischer Wald angewendet.
Eine Arbeitsgrundlage für eine Gebietskulisse wurde präsentiert, die jedoch keine endgültige Festlegung darstellt. Vielmehr soll diese Gebietskulisse im weiteren Dialogprozess mit der Region konkretisiert werden, um einen maßgeschneiderten Gebietsvorschlag zu erarbeiten. Die für einen Nationalpark erforderlichen 75 Prozent Naturzone müssen sukzessive über einen Zeitraum von 30 Jahren erreicht werden. Für einen Nationalpark ist eine Gesamtfläche von 10.000 Hektar erforderlich. Der Frankenwald wäre ein Entwicklungsnationalpark. Der Nationalpark-Dialog in Bayern läuft derzeit in den Regionen Rhön, Spessart, Donau und Frankenwald.
