Gründe für den Rückzug mittelständischer Unternehmen
In Deutschland zeichnet sich ein wachsender Rückzug mittelständischer Unternehmen ab. Eine aktuelle Erhebung von DATEV unter Steuerberatungskanzleien zeigt einen Anstieg der Quoten für geplante und ungeplante Geschäftsaufgaben sowie Verlagerungen ins Ausland. Diese Quote liegt derzeit bei 2,43 Prozent der Kanzleimandate, verglichen mit 1,62 Prozent im Herbst 2024. Die Insolvenzquote im gleichen Zeitraum, basierend auf Daten des Statistischen Bundesamtes, beträgt 0,67 Prozent.
Der Mittelstand gibt auf. Es ist keine Schockwelle, sondern ein schleichender Rückzug, getrieben von hohen Kosten, schwacher Nachfrage, erdrückender Bürokratie und dem Mangel an Nachfolgelösungen. Besonders alarmierend: Die Quote der geplanten Betriebsaufgaben ist im Vergleich zum Vorjahr um 56 Prozent gestiegen.
Die Quote der geplanten Betriebsaufgaben stieg von 0,97 Prozent im Vorjahr auf 1,51 Prozent. Ungeplante Geschäftsaufgaben betreffen aktuell 0,73 Prozent der Mandate, gegenüber 0,54 Prozent im Jahr 2024. Auslandsverlagerungen wurden für 0,18 Prozent der Mandate genannt, im Vorjahr waren es 0,12 Prozent.
Vielfältige Gründe für den Rückzug
Die Ursachen für den Rückzug aus der Geschäftstätigkeit in Deutschland sind laut den Befragungen des DATEV-Branchenbarometers vielfältig. Bei geplanten Geschäftsaufgaben stehen persönliche Gründe wie Krankheit, berufliche Neuorientierung oder der Renteneintritt ohne Nachfolgelösung im Vordergrund. Die mangelnde Rentabilität wird als dritthäufigster Grund genannt und hat im Vergleich zur Befragung im Herbst 2024 zugenommen (von 37 Prozent auf 43 Prozent der Befragten).
Bei ungeplanten Geschäftsaufgaben dominieren Liquiditätsengpässe und mangelnde Rentabilität, die mehr als zwei Drittel der Fälle ausmachen. Eine Verlagerung ins Ausland erfolgt hauptsächlich aufgrund mangelnder Rentabilität, persönlicher Gründe sowie Schwierigkeiten mit neuen rechtlichen und regulatorischen Anforderungen.
Methodik der Erhebung
Das DATEV-Branchenbarometer erfasst regelmäßig das Geschäftsklima bei Steuerberaterinnen und Steuerberatern. Für die aktuelle Erhebung zum Thema Geschäftsaufgaben und Insolvenzen wurden im Zeitraum vom 13. Oktober bis 13. November 2025 insgesamt 10.000 Steuerkanzleien von den 40.000 DATEV-Mitgliedern zur Teilnahme an einer Online-Befragung eingeladen. 447 DATEV-Mitglieder nahmen daran teil. Zusätzlich wurden 100 Nicht-Mitglieder telefonisch interviewt, um eine umfassende Marktabdeckung zu gewährleisten.
Zur Sicherstellung der Repräsentativität wurden die Ergebnisse nach Kanzleigröße, Region und dem Verhältnis zwischen DATEV-Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern gewichtet und anhand der betreuten Unternehmensmandate hochgerechnet.
