Aus- und Weiterbildung

Berufsorientierung im GaLaBau: Praxiserfahrungen junger Landschaftsgärtner

Die Berufswahl nach dem Schulabschluss ist eine Herausforderung. Angehende Landschaftsgärtner des Paul-Ehrlich-Berufskollegs in Dortmund teilen ihre Erfahrungen, wie Praktika und persönliche Interessen ihnen bei der Entscheidung für den GaLaBau geholfen haben.

Begeisterte Nachwuchskräfte des GaLaBaus: (v. l.) Nico Biermann (17), Leon Scharmacher (22), Torben Schermuly (21), Paula Wichtmann (19) und Pius Raabe (19). Fotos: BGL

Praktika als Wegweiser zur Berufswahl

Die Auszubildenden, die sich im zweiten Lehrjahr befinden und zwischen 17 und 22 Jahre alt sind, erinnern sich gut an die Zeit nach der allgemeinbildenden Schule. Paula Wichtmann (19) betont, dass die Jugend das Finden des passenden Berufs erschwert. Zudem würden Klischees über typische Männer- und Frauenberufe die Optionen unnötig einschränken. Sie selbst ist eine von nur zwei Frauen in ihrer Klasse und hebt hervor, dass der Beruf des Landschaftsgärtners keineswegs nur für Männer geeignet ist.

Einigkeit herrscht unter den Nachwuchskräften darüber, dass theoretische Berufsinformationen wie Besuche bei der Bundesagentur für Arbeit oder Ausbildungsmessen oft nicht ausreichen. Die meisten der befragten Auszubildenden haben daher über die Pflichtpraktika hinaus weitere Praxiserfahrungen gesammelt. Einige nahmen sich nach der Schulzeit bewusst Zeit, um verschiedene Berufsfelder zu erkunden und gleichzeitig Pluspunkte für spätere Bewerbungen zu sammeln.

Leon Scharmacher (22) berichtet, dass er während eines viermonatigen Praktikums im Tourismusbereich feststellte, dass ein Bürojob nicht zu ihm passt. Diese Erfahrung führte ihn zur Entscheidung für eine praktische Tätigkeit in der Natur. Als angehender Landschaftsgärtner fühlt er sich nun ausgeglichener und ausgelasteter. Besonders das Pflanzen von Bäumen und Anlegen von Staudenbeeten bereitet ihm Freude, selbst bei wechselhaftem Wetter. Er bekräftigt den Spruch: „Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung!“

Torben Schermuly (21) stimmt dem zu und ergänzt, dass sich sein Verständnis für das Wetter seit Beginn seiner Ausbildung geändert hat. Regen empfindet er nicht mehr als störend, sondern als förderlich für Erde und Pflanzen, insbesondere nach trockenen Sommern.

Zeit für die Entscheidung und vielfältige Perspektiven im GaLaBau

Auch Torben wusste nach dem Abitur nicht sofort, welchen Weg er einschlagen sollte. Er bemängelt, dass Berufsinformationstage am Gymnasium oft zu wenig Input für praktische Ausbildungswege bieten. Für ihn sind die Pflege von Grünflächen, der Bau größerer Projekte und körperliche Tätigkeiten genau das Richtige. Er kann sich jedoch vorstellen, in einigen Jahren auch Planungsaufgaben zu übernehmen und zeitweise am Schreibtisch zu arbeiten.

Torben hebt die vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten und Spezialisierungen im Garten- und Landschaftsbau hervor. Auch ein anschließendes Studium sei eine Option, was ihm Flexibilität für seine berufliche Zukunft biete. Er rät Schülern im letzten Jahr, sich auch mit weniger offensichtlichen Branchen zu beschäftigen und sich ausreichend Zeit für die Berufswahl zu nehmen. Sein Bundesfreiwilligendienst habe ihm beispielsweise geholfen, über seine Zukunft nachzudenken und Klarheit zu gewinnen.

Thomas Wiemer, Referent für Nachwuchswerbung und Weiterbildung beim Ausbildungsförderwerk Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (AuGaLa), unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit dem eigenen Werdegang. Fragen wie „Was gefällt mir?“, „Wo liegen meine Talente?“ oder „Möchte ich eher drinnen oder draußen aktiv sein?“ erfordern Ruhe, Zeit und praktische Erfahrungen.

Praktika während der Ferien sind laut Wiemer sinnvoll, da sie realistische Einblicke in den Berufsalltag ermöglichen und Jugendlichen helfen, sich selbst und ihre Fähigkeiten besser kennenzulernen. Zudem bieten sie die Möglichkeit, potenzielle Ausbildungsbetriebe kennenzulernen und einen guten Eindruck zu hinterlassen, was die spätere Bewerbungsphase erleichtert.

Vielfalt der Tätigkeiten im GaLaBau

Die Auszubildenden betonen die Vielfalt der Tätigkeiten im GaLaBau. Pius Raabe (19) schätzt besonders Großprojekte, bei denen schnell sichtbare Ergebnisse erzielt werden. Nico Biermann (17) begeistert sich für die Arbeit mit großen Maschinen und den Bereich der Dachbegrünung, während er auf die Gartenpflege eher verzichten könnte. Leon hingegen ist überzeugt, dass Pflanzen und ihre Pflege das Beste am Beruf sind.

Diese unterschiedlichen Ansichten spiegeln die Bandbreite des Berufs wider. Wer sich ein eigenes Bild machen möchte, findet auf der Website des Ausbildungsförderwerks umfassende Informationen über den Beruf des Landschaftsgärtners, Ansprechpartner für individuelle Fragen und eine Online-Betriebssuche für Praktika und Ausbildungsstellen.

29.12.2020

Zurück