Naturzerstörung und Pandemien: Eine untrennbare Verbindung

Naturschutz

Ein Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) warnt eindringlich vor den Folgen der Naturzerstörung, die das Risiko zukünftiger Pandemien erheblich steigert. Bundesumweltministerin Svenja Schulze betont die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen, um die menschliche Gesundheit zu schützen und die tieferen Ursachen von Pandemien zu adressieren.

Zusammenhänge zwischen Biodiversität und Pandemien

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat gemeinsam mit Vertretern des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) einen Bericht vorgestellt, der die Zusammenhänge zwischen Biodiversität und Pandemien beleuchtet. Der Bericht warnt eindringlich davor, dass die Zerstörung der Natur das Risiko zukünftiger Pandemien erheblich steigert.

Die Ursachen für Pandemien sind demnach eng mit jenen Faktoren verknüpft, die auch zum Verlust der biologischen Vielfalt führen. Dazu zählen insbesondere das Vordringen des Menschen in intakte Ökosysteme, die weltweite Ausdehnung und Intensivierung der Landwirtschaft sowie der unregulierte Handel mit Wildtieren. Diese menschlichen Aktivitäten schaffen Bedingungen, unter denen Krankheitserreger leichter von Tieren auf den Menschen überspringen können.

Prävention durch Naturschutz

Um das Risiko künftiger Pandemien zu minimieren, empfiehlt der Weltbiodiversitätsrat, verstärkt in vorsorgende Maßnahmen zum Schutz der Natur zu investieren. Svenja Schulze betonte, dass die menschliche Gesundheit direkt von einer intakten Natur abhängt. Es sei entscheidend, über die akute Krisenbewältigung hinaus die tieferen Ursachen von Pandemien zu adressieren und präventive Schritte einzuleiten.

„Die Naturzerstörung ist die Krise hinter der Krise. Pandemien haben zwar ihren Ursprung im Tierreich, aber ihre Entstehung wird von menschlichen Aktivitäten bestimmt. Das heißt auch, dass wir Menschen etwas tun können und nicht machtlos sind. Der Bericht des Weltbiodiversitätsrats zeigt, dass wir das Pandemierisiko verringern können, wenn wir die menschengemachten globalen Umweltveränderungen reduzieren.“

Die Kosten für solche präventiven Maßnahmen, wie Investitionen in den Erhalt, die nachhaltige Nutzung und die Wiederherstellung von Ökosystemen, seien im Vergleich zu den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen einer Pandemie deutlich geringer.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen

Der IPBES-Bericht basiert auf den Erkenntnissen eines Workshops, zu dem der Weltbiodiversitätsrat im Juli 2020 eingeladen hatte. 22 internationale Experten analysierten den aktuellen Wissensstand zur Entstehung von Pandemien, deren Auswirkungen und mögliche Präventionsmaßnahmen. Dr. Anne Larigauderie, Exekutivsekretärin des IPBES, hob hervor, dass der Bericht der Politik neue Einblicke zur Risikominimierung und Vermeidung künftiger Pandemien biete.

Dr. Sandra Junglen von der Charité Universitätsmedizin Berlin unterstrich die Dringlichkeit eines Umdenkens: „Der IPBES-Workshop zu Biodiversität und Pandemien macht unmissverständlich den Zusammenhang zwischen Naturzerstörung und der Entstehung von neuartigen Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übergesprungen sind, deutlich. Die Geschwindigkeit, mit der Ökosysteme zerstört werden und Tierarten aussterben, lässt vermuten, dass wir in Zukunft häufiger Epidemien mit neuartigen Krankheiten in kürzeren Abständen erleben werden.“

Die Wissenschaftler warnen, dass ohne präventive Maßnahmen Pandemien in Zukunft häufiger auftreten und drastischere Auswirkungen auf Mensch und Wirtschaft haben könnten. Die wirtschaftlichen Kosten der Reaktion auf Pandemien übersteigen die Ausgaben für vorbeugende Maßnahmen um ein Vielfaches.

Ganzheitliche Ansätze und internationale Zusammenarbeit

Als eine zentrale Empfehlung wird der sogenannte „One Health“-Ansatz genannt, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt als untrennbare Einheit betrachtet. Staaten müssen bei der Bekämpfung und Vorbeugung von Pandemien kooperieren und gemeinsame Ziele sowie Maßnahmen definieren, die alle relevanten Sektoren und Akteure der Gesellschaft einbeziehen.

Spezifische Handlungsfelder umfassen die Regulierung von Landnutzungsänderungen, die Eindämmung der Ausdehnung und Intensivierung der Landwirtschaft sowie die Kontrolle des Wildtierhandels im Kontext der Pandemieprävention.

Das Bundesumweltministerium (BMU) engagiert sich national und international, um die Ursachen von Pandemien zu verstehen und ihnen entgegenzuwirken. Dies beinhaltet Maßnahmen zum Klimaschutz, zum Erhalt der biologischen Vielfalt und den Kampf gegen den unregulierten internationalen Wildtierhandel. Auch die wirtschaftliche Erholung nach der Krise soll biodiversitäts- und klimafreundlich gestaltet werden.

Mit einem eigenen „Corona Response“ Maßnahmenpaket unterstützt das BMU Entwicklungs- und Schwellenländer mit rund 68 Millionen Euro aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative. Dieses Paket umfasst Soforthilfen für Schutzgebiete und Biodiversitätshotspots, die Förderung klimafreundlicher wirtschaftlicher Neustarts und Projekte zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber künftigen Pandemien.

International setzt sich das BMU für die Umsetzung eines ambitionierten neuen globalen Rahmens für die biologische Vielfalt nach 2020 ein und strebt Verhandlungen für ein Protokoll zur Bekämpfung von Wildtierkriminalität unter der Konvention gegen grenzüberschreitende organisierte Kriminalität an.

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) ist ein zwischenstaatliches Gremium zur wissenschaftlichen Politikberatung für biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen. Mit 137 Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland als einer der größten Finanzgeber, hat das Sekretariat des IPBES seinen Sitz in Bonn. Das BMU hat die Erstellung des vorliegenden Workshop-Berichts finanziell unterstützt.

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