Sechs Bewässerungsmythen im Gartenbau und ihre Richtigstellung

Be- und Entwässerung

Trockenheit im Garten erfordert korrekte Bewässerung. Der NABU klärt über sechs verbreitete Mythen auf, die oft zu falschen Praktiken führen. Erfahren Sie, wie Sie Ihren Garten optimal mit Wasser versorgen.

Häufige Irrtümer bei der Gartenbewässerung

In vielen Regionen Deutschlands herrscht bereits im Frühsommer Trockenheit, was sich auch in Gärten bemerkbar macht. Eine korrekte Bewässerung ist entscheidend, doch häufig basieren Praktiken auf falschen Annahmen. Der NABU klärt über sechs verbreitete Bewässerungsmythen auf.

Mythos 1: Bei Hitze so oft wie möglich gießen

Die Menge des Gießwassers ist entscheidender als die Häufigkeit. Eine einmalige, durchdringende Bewässerung, die das Wasser in tiefere Bodenschichten leitet, ist effektiver als häufiges, kurzes Gießen. Letzteres versorgt die tieferen Bodenschichten nicht ausreichend und fördert nur kurze Wurzeln. Pflanzen, die seltener, aber intensiver gegossen werden, entwickeln längere Wurzeln und können so Wasser aus tieferen, weniger schnell austrocknenden Bodenschichten nutzen.

Mythos 2: Mittags gießen verbrennt Pflanzen

Die Annahme, dass Wassertropfen auf Blättern bei starker Sonneneinstrahlung zu Verbrennungen führen, ist ein Mythos. Allerdings verdunstet bei direkter Sonneneinstrahlung ein Großteil des Wassers, bevor es von den Pflanzen aufgenommen werden kann. Daher empfiehlt sich das Gießen in den frühen Morgenstunden oder am Abend.

Mythos 3: Gegen trockenen Boden ist man machtlos

Die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens lässt sich verbessern. Im Gemüsegarten kann dies durch die Anreicherung mit Humus geschehen. Auch das Hacken zwischen den Pflanzen ist hilfreich. Dabei werden die Kapillaren im Boden unterbrochen, die Wasser aus tieferen Schichten an die Oberfläche transportieren, wo es verdunstet. Durch das Unterbrechen dieses Mechanismus wird Wasser im Boden gehalten.

Am besten nach dem Gießen alle Beete einmal oberflächlich durchhacken. Dabei lassen sich auch gleich unerwünschte Wildkräuter entfernen.

Mythos 4: Ohne Torf keine Feuchtigkeitsspeicherung

Der Abbau von Torf schädigt Moore und das Klima, da dabei Kohlenstoffdioxid und andere klimaschädliche Gase freigesetzt werden. Im Gartenbau ist der Einsatz von Torf nicht notwendig. Kompost kann stattdessen in die Gartenerde eingearbeitet werden, um die Feuchtigkeitsspeicherung zu verbessern. Bodendeckende Pflanzen zwischen Stauden oder Gehölzen bieten zusätzlichen Schutz vor Austrocknung.

Eine Mulchschicht im Gemüsebeet oder unter Gehölzen verhindert die Verdunstung und Austrocknung des Bodens durch Wind und Sonne. Geeignete Materialien sind trockener Rasenschnitt, Laub, Gemüsereste, Schafwolle oder gejätete Wildpflanzen, sofern diese keine reifen Samen enthalten. Mulch versorgt die Beete zusätzlich mit Nährstoffen.

Mythos 5: Bäume und Sträucher verbrauchen zu viel Wasser

Das Gegenteil ist der Fall: Eine Hecke aus heimischen Gehölzen reduziert Wind und spendet Schatten. Bäume kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung und Schattenwurf. Eine vielfältige Pflanzenwelt im Garten minimiert das Risiko des Austrocknens. Ein kurz gehaltener Golfrasen mit wenigen Gräserarten leidet schnell unter längerer Trockenheit. Ein Rasen mit Wildkräutern ist widerstandsfähiger. Eine Wildblumenwiese mit standortheimischen Pflanzen benötigt oft keine künstliche Bewässerung.

Mythos 6: Heimische Pflanzen sind nicht trockenheitstolerant

Es gibt eine Vielzahl heimischer Pflanzen, die an trockene und heiße Standorte wie Trockenrasen, Gebirge oder Steinbrüche angepasst sind. Dazu gehören Wildstauden wie Graslilie, Sandthymian oder Karthäusernelke sowie Gehölze wie Wolliger Schneeball, Feldahorn, Wacholder oder Wildrosen. Viele exotische Pflanzen wie Geranien, Hortensien oder Thuja benötigen hingegen viel Feuchtigkeit und reagieren empfindlich auf längere Trockenheit.

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