Naturschutz

Naturnahe Gärten als Antwort auf Klimawandel und Artensterben

Naturnahe Gärten bieten eine nachhaltige Alternative zu Schotterflächen und tragen aktiv zum Klimaschutz sowie zur Artenvielfalt bei. Sie sind pflegeleicht und fördern ein gesundes Mikroklima, während sie gleichzeitig Lebensraum für Tiere und Pflanzen schaffen.

Schottergärten: Eine Fehleinschätzung mit weitreichenden Folgen

Der Trend zu spärlich oder gar nicht bepflanzten Schotterflächen, oft als Ersatz für ehemals grüne Areale, steht im Widerspruch zu den Herausforderungen von Klimawandel und Artensterben. Obwohl diese Flächen oft als pflegeleicht gelten, erweist sich dies langfristig als Irrtum. Eine nachhaltige Alternative bietet der naturnahe Garten.

Die Annahme, Schottergärten seien pflegeleicht, ist eine moderne Fehleinschätzung. Mit der Zeit erfordern diese Flächen oft mehr Aufwand als standortgerecht bepflanzte Außenanlagen. Organisches Material wie Samen und Blätter sammelt sich im Schotter, verrottet und bildet eine Humusschicht. Diese bietet ideale Wachstumsbedingungen für Unkräuter, Flechten und Moose, deren Entfernung sich als schwierig und langwierig erweist. Auch Unkrautvliese können dies nicht dauerhaft verhindern.

Versiegelte und verschotterte Vorgärten haben zudem negative Auswirkungen auf ihre Umgebung. Sie heizen sich tagsüber stark auf und geben diese Wärme nachts wieder ab, was das lokale Kleinklima beeinflusst und die Belastung für Anwohner im Sommer, insbesondere in Tropennächten, verstärkt. Die Wasseraufnahme ist begrenzt, wodurch Regenwasser nur eingeschränkt zur Verdunstung zur Verfügung steht. Zudem bieten Schotter, Kies und Split der Tierwelt weder Nahrung noch Rückzugsorte, was sich negativ auf Vögel und Insekten auswirkt.

Pflanzen hingegen spenden Schatten, nehmen Regenwasser auf, das verdunstet und die Luft kühlt. Sie binden Feinstaub, produzieren Sauerstoff und bieten Insekten und Vögeln Nahrung sowie Lebensraum. Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern) setzt sich mit der Initiative „Rettet den Vorgarten“ gegen die Verschotterung ein. Ziel ist es, über die Vorteile bepflanzter Außenflächen für Mensch, Tier und Pflanze aufzuklären und die Verantwortung für eine lebenswerte Umwelt zu stärken.

Naturnahe Gärten als Ausdruck von Umweltbewusstsein

Pia Präger, Präsidiumsmitglied des VGL Bayern, erläutert die Prinzipien naturnaher Gestaltung von Privatgärten, Außenanlagen im Wohnungsbau und gewerblichen Flächen. Sie versteht unter „naturnah“ eine Gestaltung und Pflege, die mit der Natur und ihren Gesetzen arbeitet, nicht gegen sie. Dies bedeutet nicht, Pflanzen unkontrolliert wuchern zu lassen.

Man gibt der Natur jedoch Raum zur Entwicklung, ohne dabei auf lenkende Eingriffe zu verzichten. Die Maßnahmen müssen sich am Charakter des jeweiligen Gartens und seiner Umgebung orientieren. Naturnahe Gärten mit zahlreichen Ökosystemen und einer hohen Biodiversität sind daher sichtbarer Beweis eines ausgeprägten Umweltbewusstseins der Besitzer und beileibe kein Zeichen für deren Faulheit.

Ein Naturgarten gilt als pflegeleicht, da vieles der Natur überlassen wird. Bei der Schaffung von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere sowie der Förderung der Artenvielfalt sind jedoch einige Aspekte zu beachten. Eine Pflanzenauswahl mit einem hohen Anteil heimischer Gewächse, die ein ganzjähriges Blüh- und Nahrungsangebot bieten, unterstützt viele Tierarten, die an spezifische Vegetationen gebunden sind. Gefüllte Blüten sollten vermieden werden, da sie Insekten keinen Pollen bieten. Zuchtformen sollten einen hohen Trachtwert aufweisen.

Bei Gehölzen ist auf eine Mehrfachnutzung zu achten, beispielsweise als Nistmöglichkeit, Pollen- und Nektarquelle im Frühjahr und Futterquelle im Herbst. Die richtige Standortwahl für Pflanzengesellschaften, abgestimmt auf Bodenart, Licht-, Feuchtigkeits- und Nährstoffverhältnisse, fördert die Artenvielfalt. So lassen sich attraktive und pflegeleichte Pflanzenbilder auch auf sandig-trockenen Flächen realisieren, die Lebensraum für Schmetterlinge, Heuschrecken und Eidechsen bieten. Torfhaltige Blumenerde sollte vermieden werden; stattdessen kommen Kompost, Hornspäne oder Mist als Dünger zum Einsatz.

Unerwünschte Wildkräuter werden gezielt entfernt, um die gewünschte Bepflanzung zu fördern. Falllaub, verwelkte Blütenstände und abgestorbene Pflanzenteile verbleiben im Herbst in den Pflanzflächen. Sie schützen den Boden vor Austrocknung und führen ihm Nährstoffe zu. Totholz in verschiedenen Formen ist ein wichtiger Bestandteil eines Ökosystems, da es Unterschlupf, Deckung, Schlafplatz, Überwinterungsort und Brutgelegenheit für zahlreiche Tierarten bietet. Locker aufgeschichtete Äste, Reisighaufen aus Obstbaum- oder Heckenschnitt sowie ausreichende Falllaubschichten sind ideale Quartiere für Igel, Blindschleichen und Vogelarten wie Rotkehlchen, Zaunkönig und Nachtigall.

Wassermanagement und Gebäudebegrünung

Ein naturnaher Garten mit standortgerechtem Pflanzenbestand benötigt in der Regel keine zusätzliche Bewässerung. Bei anhaltender Trockenheit kann dies jedoch erforderlich sein. Immergrüne Pflanzen müssen im Winter bei trockener Witterung an frostfreien Tagen gewässert werden, idealerweise mit gespeichertem Regenwasser. Ziel ist es, Niederschläge nicht in die Kanalisation abzuleiten, sondern als Gießwasser zu nutzen, Feuchtbiotope anzulegen und den Wasserkreislauf im Garten zu schließen.

Begrünte Dächer, ob extensiv oder intensiv genutzt, bieten vielfältige Habitate für Tiere und Pflanzen. Sie nehmen Regenwasser auf, reduzieren den Abfluss ins Kanalnetz und tragen durch Verdunstung zur Kühlung der Umgebung bei. Bei gesplitteten Abwassergebühren können Dachbegrünungen angerechnet werden, was die jährlichen Kosten reduziert. Viele Kommunen fördern Dachbegrünungen finanziell. Der grüne Dachaufbau wirkt zudem als zusätzliche Dämmung und spart Heizkosten. Ein blühendes Dach ist zudem optisch reizvoller als eine herkömmliche Kiesschüttung.

Ähnlich verhält es sich mit Fassadenbegrünungen. Hier ist eine sorgfältige Auswahl der Pflanzen hinsichtlich ihrer Kletterstrategie und die passende Kletterhilfe wichtig, um Schäden an Gebäuden zu vermeiden. Trockenmauern sind reizvolle Bauwerke, die Höhenunterschiede abfangen, den Garten gliedern und Extremstandorte für Pflanzen und Tiere schaffen, wodurch unvergleichliche Lebensräume entstehen. Sie lassen sich aus Natursteinen, alten Belagsplatten oder Bauschutt errichten. Eine fachgerechte Errichtung sichert ihre Funktion über Generationen hinweg.

Hecken, Zäune und Beleuchtung

Neben Mauern eignen sich Hecken und Zäune zur Grundstücksabgrenzung. Hecken bleiben meist freiwachsend und erfordern nur gelegentliches Schneiden, Auslichten oder „auf Stock setzen“, in der Regel während der Vegetationspause zwischen Oktober und März. Dabei ist auf Kleinsäugetiere zu achten, die dort überwintern. Der Rückschnitt der Stauden erfolgt im Spätwinter. Die Samenstände sind zierend und dienen Insekten als Unterschlupf und Vögeln als Futterquelle. Eine fachgerechte Pflege erfordert Kenntnisse über Pflanzen, ihre Ansprüche und ihr Entwicklungspotenzial.

Zäune aus Holz bieten vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und können individuell aus Weidengeflecht, Knüppelholz, Brettern oder Ästen hergestellt werden. Bestehende Zäune aus Maschendraht oder Doppelstabgitter eignen sich als Kletterhilfe für Rosen, Clematis, Wilden Wein, Efeu und Wicken. Die richtige Beleuchtung schafft bei Dunkelheit Sicherheit und Atmosphäre, hat aber auch Schattenseiten. Nachtaktive Insekten, darunter 85 Prozent der Schmetterlinge, orientieren sich am Mondlicht und werden von künstlichem Licht angezogen, wo sie verbrennen können.

Abhilfe schaffen geschlossene Leuchten, eine Beschränkung der Anzahl der Leuchten auf das erforderliche Minimum, das Abschalten oder Dimmen in den späteren Nachtstunden und die Abschirmung nach oben mittels Reflektoren. Je höher Leuchten montiert sind, desto mehr Insekten ziehen sie an. Eine möglichst bodennahe Platzierung ist daher erstrebenswert. Empfohlen wird der Einsatz von insektenverträglichen Natriumdampflampen und LED-Technik mit einem gelblichen Lichtspektrum.

Ökologische Gestaltung von Verkehrs- und Freiflächen

Parkplätze, Verkehrsflächen, Wege und Terrassen beanspruchen viel Fläche in der Grundstückserschließung. Eine ökologische Gestaltung bedeutet, den Flächenverbrauch zu minimieren. Die Bodenversiegelung verhindert das Versickern von Oberflächenwasser, belastet die Kanalisation und kann zu Überschwemmungen führen. Abhilfe schaffen hier wassergebundene Wegedecken aus mineralischen Baustoffen und wasserdurchlässige Pflasterbeläge.

07.01.2020

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