Wandel im Sportstättenbau und die Rolle von Ahrensfelde
Sportanlagen haben sich von einfachen Treffpunkten zu Hightech-Anlagen entwickelt. Ahrensfelde steht exemplarisch für diesen Wandel in Ballungsräumen. Trendsportarten kommen und gehen, Individualsport gewinnt an Bedeutung, und der Breiten- sowie Wettbewerbssport entwickeln sich weiter. Auch die Altersstruktur der Nutzer ändert sich, wodurch Sport zum Ausgleich im Alltag wird.
Zukünftige Sportanlagen müssen flexibler und vielseitiger nutzbar sein. Eine Kombination aus Sportplätzen und unterschiedlichen Sportgelegenheiten, die teilweise öffentlich zugänglich, multifunktional und familienfreundlich sind, wird angestrebt. Digitale Technik spielt dabei auch im Amateur- und Freizeitsport eine zunehmend wichtige Rolle.
Die gesellschaftliche Relevanz des Sports ist unbestritten. Er verbindet Menschen, Kulturen und Generationen, fördert Solidarität, Gesundheit und Belastungsfähigkeit und lehrt Respekt. Sportvereine leisten somit einen gesellschaftlichen Beitrag.
Die Ausgangssituation des SV 1908 GRÜN-WEISS Ahrensfelde mit zwei sanierungsbedürftigen Spielfeldern (Natur- und Kunstrasen) und einer Rundlaufbahn spiegelte die Lage vieler Vereine wider. Die bestehenden Strukturen konnten die Anzahl der Spiel- und Trainingseinheiten nicht abdecken. Insbesondere das Naturrasen-Spielfeld erreichte witterungsbedingt oft seine Belastungsgrenze. Die hohe Nutzungsfrequenz und -intensität sprachen daher für einen Kunstrasenplatz.
Nachhaltige Materialien und Kunstrasen im Fokus
Ein Schwerpunkt des Konzepts für die Sportanlage in Ahrensfelde lag auf einer ganzheitlichen Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus. Die verwendeten Baumaterialien weisen einen hohen Anteil (über 50 %) an recyceltem Material auf und minimieren die CO2-Emissionen. Gleichzeitig wurde darauf geachtet, dass die Produkte über die gesamte Nutzungsdauer nachhaltig sind, indem sie beispielsweise den Wasser- oder Energieverbrauch sowie den Unterhaltsaufwand senken und optimale Trainingsvoraussetzungen bieten.
Ein Kunstrasen reduziert den Pflegeaufwand und die Unterhaltskosten erheblich und kann ganzjährig mit hoher Frequenz genutzt werden.
Mit dem LigaTurf Cross GTzero hat Polytan einen CO2-neutralen Kunstrasen für Fußball entwickelt. Dieser wird zu 100 Prozent klimaneutral hergestellt, ohne Kompromisse bei den Spieleigenschaften einzugehen. Dies wird durch einen neuen Herstellungsprozess und den Einsatz eines biobasierten Kunststoffs aus nachhaltiger Landwirtschaft ermöglicht. Der Belag ist wasserdurchlässig, wodurch eine Flächenversiegelung vermieden wird. Eine Drainage in Kombination mit mineralischen Filteranlagen schützt das Grundwasser vor Verunreinigungen. Eine künstliche Bewässerung ist nicht notwendig, was in Ahrensfelde eine Einsparung von etwa 390.000 Litern Wasser pro Jahr bedeutet. Auf Dünger und Unkrautvernichter kann verzichtet werden. Der Kunstrasen wurde mit einem mineralischen Füllstoff verfüllt.
Der LigaTurf Cross GTzero kombiniert glatte mit texturierten Filamenten. Er bietet ein Ballrollverhalten, Spielerschutz, Witterungsbeständigkeit und eine hohe Nutzungsintensität sowie Strapazierfähigkeit.
Vorteile elastischer Tragschichten und Laufbahnen für den Sport
Elastische Tragschichten (ET) werden seit über 40 Jahren eingesetzt. Sie sichern Schutzfunktionen für Sportler und erbringen in Kombination mit Kunstrasen hohe Leistungen. Sie sind zudem ein Beispiel für Upcycling, da sie eine lange Lebensdauer besitzen und mehrfach wiederverwendet werden können.
Die Sanierung in Ahrensfelde zeigt, wie aus einer zurückgebauten elastischen Tragschicht durch ein Aufbereitungsverfahren eine neue elastische Tragschicht gefertigt werden kann. Messungen der sportfunktionellen Eigenschaften belegen, dass diese Tragschicht die besten Werte nach DIN/EN erfüllt und alle Anforderungen der Sportfachverbände erfüllt. Dies stellt ein Beispiel für die Schließung von Rohstoffkreisläufen dar.
Die 400 Meter lange Rundlaufbahn in Signalgrün von Polytan besteht zu etwa 80 Prozent aus recycelten Materialien. Das eingesetzte Bindemittel entzieht im Herstellungsprozess CO2 aus der Umwelt, ähnlich wie bei der Elastikschicht des Kunstrasens. Die Qualität und Langlebigkeit des Belags bleiben dabei erhalten.
Digitale Leistungsdiagnostik und weitere Nachhaltigkeitsaspekte der Anlage
Mit Polytan SMART wurde ein digitales System zur Leistungsdiagnostik integriert, das Trainings- und Wettkampfdaten von Sportlern erfasst und auswertet. Dazu gehören Schnelligkeit, Bewegungsabläufe, Dynamik bei Richtungsänderungen und Sprungfähigkeit. Die Daten können über eine Smartphone-App eingesehen werden. Diese Zeiterfassung und Leistungsdiagnostik eignet sich für den Schul- und Hochleistungssport sowie für Freizeitsportler.
Die Technik basiert auf Magnetschranken, die fest in der Laufbahn und im Kunstrasen verankert sind, sowie auf kleinen Sensoren, die Sportler am Körper tragen. Der unsichtbare Einbau im Boden ermöglicht den Verzicht auf störende Aufbauten und schützt die Technik vor Vandalismus.
Weitere Bestandteile der nachhaltig gestalteten Sportanlage sind eine energieeffiziente und dimmbare LED-Beleuchtungsanlage, ein Konzept zur Mülltrennung und -vermeidung sowie Ausgleichsflächen für Insekten und Wiesenblumen. Die naturbelassenen Grünflächen müssen ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden und fördern die Artenvielfalt am Rande Berlins.
Wir tragen Verantwortung für unsere Jugend und wollen beweisen, dass es heutzutage möglich ist, eine Sportanlage umweltbewusst, ressourcenschonend und energieeffizient zu errichten und zu betreiben.
So äußerte sich der Nordostdeutsche Fußballverband zur Idee, eine nachhaltige Sportstätte in Ahrensfelde zu bauen.
Fazit der Arbeitsgruppe GWA „Sportanlage der Zukunft, Jetzt“
Wir haben vor drei Jahren unsere Idee formuliert und Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt. Heute können wir mit Stolz auf unser Projekt zurückschauen und konnten weitere Bauherren von unserem Konzept überzeugen. In unmittelbarer Nähe entstand im letzten Jahr und entstehen in diesem Jahr weitere Anlagen, die mit dem Grundsatz der Nachhaltigkeit in allen Belangen geplant und gebaut wurden. Durch die Zusammenarbeit mehrerer Arbeitsgruppen und den Sportfachverbänden entsteht eine Dynamik über die Landesgrenzen hinaus. Wir werden gemeinsam mit der AG Sportstättenbau vom NOFV der Landesregierung Brandenburg und dem Berliner Senat diese Ideen weitertragen und neue Innovationen einfließen lassen. Wir danken nochmals allen Beteiligten für ihre Unterstützung. Hervorzuheben ist hier die Landesregierung Brandenburg in Vertretung des LSB und des KSB, der Gemeinde Ahrensfelde, Büro Ahner, Fa. Schmitt, Fa. Polytan und allen Sponsoren von GWA. Wir sind der Firma Polytan sehr dankbar, dass wir als erste Sportanlage den Titel „Polytan Sport- und Innovationszentrum“ verliehen bekommen haben. Diese Partnerschaft sichert uns viele Jahre eine hohe Qualität und das weitere Einbringen von Innovationen ab!
