Neue Initiative bündelt Artenschutz, Forschung und Praxis in ganz Bayern
Mit dem Aufbau des Bayerischen Artenschutzzentrums in Augsburg stärkt der Freistaat seine Aktivitäten zum Erhalt der Artenvielfalt. Am Standort des Eichamts entsteht ein landesweites Kompetenzzentrum, das wissenschaftliche Expertise, konkrete Schutzmaßnahmen und Kooperationen bündelt. Rund 50 Fachleute sollen künftig eng mit dem Landesamt für Umwelt zusammenarbeiten, um Wissenslücken zu schließen und praxisnahe Lösungen zu entwickeln.
Ein Aufbaustab nimmt noch im laufenden Monat seine Arbeit auf. Ziel ist es, den Artenschutz in Bayern strukturiert und flächendeckend weiterzuentwickeln. Dabei steht eine umfassende Betrachtung aller Arten und Lebensräume im Fokus – von regionalen Besonderheiten bis hin zu landesweiten Zusammenhängen.
Zentrale Drehscheibe für Artenschutzmaßnahmen
Das neue Zentrum versteht sich als operative Einheit mit starkem Praxisbezug. Neben Forschung und Analyse liegt ein Schwerpunkt auf der Umsetzung konkreter Maßnahmen. Dazu zählen unter anderem 25 neue Artenhilfsprogramme, die gezielt auf gefährdete Tiergruppen ausgerichtet sind.
Im Fokus stehen beispielsweise Insekten wie Schmetterlinge, holzbewohnende Käfer oder Moorlibellen. Die Programme sollen helfen, Populationen zu stabilisieren und Lebensräume nachhaltig zu sichern. Augsburg übernimmt dabei die Rolle einer zentralen Koordinationsstelle für den Artenschutz in ganz Bayern.
"Unser klares Ziel ist es, den Artenschutz in Bayern auf Spitzenniveau zu heben. Umfassendes Expertenwissen ermöglicht schnelles und effizientes Handeln. Der Verlust einer Art kann oft eine Kettenreaktion auslösen. Wir müssen diesen ökologischen Domino-Effekt unbedingt stoppen."
„Blühpakt Bayern“ stärkt Insektenschutz
Parallel startet mit dem „Blühpakt Bayern“ eine breit angelegte Initiative zur Förderung von Bestäubern und insektenfreundlichen Lebensräumen. Im Zentrum steht ein Bündnis aus Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Landwirtschaft, das gemeinsam Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Situation umsetzt.
"Stirbt die Biene, stirbt der Mensch. Ohne die Bestäubungsarbeit der Bienen kommen ganze Nahrungsquellen zum Erliegen. Daher brauchen wir ein breites Bündnis von Partnern, die Bayern wieder zum Blühen bringen."
Ein sichtbares Signal setzt die Initiative mit der Installation von Wildbienenhotels an Behördenstandorten. Gleichzeitig soll das Thema durch begleitende Aktionen stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.
Maßnahmen für Kommunen, Landwirtschaft und Betriebe
Der „Blühpakt Bayern“ umfasst mehrere konkrete Programme, die unterschiedliche Akteure einbinden. Für Kommunen spielt die Gestaltung öffentlicher Flächen eine zentrale Rolle. In Zusammenarbeit mit Landschaftspflegeverbänden werden in den kommenden fünf Jahren verstärkt insektenfreundliche Pflanzungen umgesetzt.
- Investition von rund 3 Millionen Euro in kommunale Blühflächen
- Förderung von Vertragsnaturschutzmaßnahmen mit zusätzlichen 10 Millionen Euro
- Ziel: 100.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche bis 2019, langfristig Verdopplung bis 2030
- Wettbewerb „Blühender Betrieb“ für Unternehmen im Umweltpakt Bayern
- Informationskampagnen für insektenfreundliche Gärten und Balkone
Auch die Landwirtschaft wird gezielt eingebunden, um nachhaltige Bewirtschaftungsformen zu stärken. Ergänzend sollen Unternehmen motiviert werden, ihre Betriebsgelände ökologisch aufzuwerten und mehr Blühflächen zu schaffen.
Für den Garten- und Landschaftsbau ergeben sich daraus zusätzliche Impulse, insbesondere bei der Planung und Pflege insektenfreundlicher Grünflächen. Kommunen und Betriebe setzen verstärkt auf biodiversitätsfördernde Maßnahmen, die fachgerechte Umsetzung und Pflege erfordern.
