Ein neuer PikoPark für Reinickendorf
In Reinickendorf wurde ein neuer PikoPark eröffnet, der als naturnahe Mini-Oase im urbanen Raum konzipiert ist. Das Projekt, eine Zusammenarbeit der Stiftung für Mensch und Umwelt mit der Wohnungsgenossenschaft Märkische Scholle, verbindet Biodiversität mit erhöhter Aufenthaltsqualität für Anwohner und Tiere. Der 290 Quadratmeter große Park am Büdnerring ist der zweite seiner Art im Scholle-Quartier und wurde zwischen April und August 2023 realisiert.
PikoParks sind ein neuer Grünflächentyp für städtische Gebiete. Sie zeichnen sich durch ihre geringe Größe und naturnahe Gestaltung aus, die darauf abzielt, die Artenvielfalt zu fördern und gleichzeitig attraktive Erholungsräume zu schaffen. Bereits vor seiner offiziellen Eröffnung erhielt der PikoPark am Büdnerring die Auszeichnung „Gold“ von der Kampagne „Tausende Gärten – Tausende Arten“ (TGTA).
Gestaltung und Ausstattung des PikoParks
Die Anlage bietet verschiedene naturnahe Elemente, darunter Sandmagerbeete, einen Balancierparcours, Findlinge, Totholz und eine Wildbienennisthilfe. Staudenbeete mit integriertem Naschobst und ein Erlebnispfad laden zum Entdecken ein. Die geschwungene Linienführung des Parks spiegelt das Design des ersten PikoParks in der Reinickendorfer Raschdorffstraße wider, der im Herbst 2022 eingeweiht wurde.
Eine Besonderheit ist die Lehmlinse, die als Tränke für Tiere dient. Sechs farbige Infotafeln erläutern den Sinn und Zweck der naturnahen Gestaltung und machen die Funktionen der einzelnen Elemente verständlich. Naturnahe Flächen wie diese fördern die Artenvielfalt, beleben das Quartier und tragen zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts bei.
Partizipation und soziale Aspekte
Die Entwurfsplanung des PikoParks erfolgte durch das Naturgarten-Team der Stiftung für Mensch und Umwelt. Ein zentrales Anliegen war die Einbindung der Genossenschaftsmitglieder. Vor Baubeginn informierten Stiftung und Genossenschaft in einem Informationsabend über die Details der Maßnahme. Die Anwesenden konnten zudem zwischen zwei Gestaltungsvarianten wählen. Diese partizipative Herangehensweise wurde vom Berliner Senat für Umwelt gefördert.
„Es ist wichtig, die Mieter*innen nicht erst am Ende mit der umgestalteten Fläche zu überraschen. Schon zu Beginn braucht es eine starke Kommunikation rund um die Baumaßnahmen. Das fördert die Akzeptanz“, so Dr. Corinna Hölzer und Cornelis Hemmer, Gründer und Leiter der Stiftung für Mensch und Umwelt.
Die Bauarbeiten wurden von Auszubildenden der gemeinnützigen OTA GmbH durchgeführt. Dabei waren junge Menschen mit Handicap im Einsatz, die auf dem Arbeitsmarkt eingeschränkte Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben. Dies unterstreicht den sozialen Charakter des Projekts.
Trittsteinbiotope als Teil des Gesamtkonzepts
Der PikoPark ist Teil eines umfassenderen Konzepts, das auch die Anlage von Trittsteinbiotopen umfasst. Diese 20 bis 30 Quadratmeter großen, dicht bepflanzten „Inseln“ dienen als Nahrungsquelle für Vögel und Insekten, insbesondere Wildbienen. Im Reinickendorfer Quartier der Märkischen Scholle wurden zwei solcher Biotope angelegt, eines davon frisch am Büdnerring als „Trittstein“ zum neuen PikoPark. Ein weiteres Trittsteinbiotop existiert seit dem vergangenen Jahr in der Reginhardstraße. Diese Maßnahme wurde ebenfalls teilweise vom Senat gefördert und in Zusammenarbeit mit der OTA gGmbH realisiert.
Hintergrund und Umweltbildung
Mehr als 50 Prozent der über 600 heimischen Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht, da ihre Lebensräume und Nahrungsquellen zunehmend zerstört werden. Viele Immobilienunternehmen setzen sich daher für eine insektenfreundlichere Gestaltung ihrer Grün- und Freizeitflächen ein. Dies beinhaltet beispielsweise den Verzicht auf den herkömmlichen Kastenschnitt von Hecken und die Umwandlung von Rasenflächen in Blühwiesen. Solche Maßnahmen fördern nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch das nachbarschaftliche Miteinander durch die Bereitstellung von Naschobst.
Alle Reinickendorfer PikoParks sind in genossenschaftlichen Wohnquartieren entstanden, was die Bedeutung der Kommunikation zwischen den Genossenschaftsmitgliedern unterstreicht. Neben dem PikoPark am Büdnerring (Gold) wurden auch der PikoPark in der Raschdorffstraße (Gold) und das Trittsteinbiotop in der Reginhardstraße (Silber) von TGTA ausgezeichnet.
Die Stiftung für Mensch und Umwelt und die Märkische Scholle legen Wert auf begleitende Umweltbildung für Mieter und GaLaBauer. Die Stiftung bietet eine Online-Lernplattform zum naturnahen Grün, einen Handlungsleitfaden und Pflegepläne an. Für die Mieterschaft gibt es Info-Veranstaltungen, Infotafeln und die Broschüre „Einfacher Rasen oder blühende Vielfalt? Das eigene Wohnumfeld ökologisch wertvoll gestalten“.

