Verbände und Organisationen

Agrardiesel und Kfz-Steuer: Lohnunternehmen warnen vor Mehrbelastung

Die geplante Streichung von Agrardieselvergütung und Kfz-Steuerbefreiung würde Landwirte und Lohnunternehmen stark belasten. Der Bundesverband Lohnunternehmen warnt vor Wettbewerbsnachteilen und Investitionshemmnissen.

Wegfall von Agrardiesel und Grüner Nummer bedroht Wirtschaftlichkeit der Betriebe

Die Bundesregierung plant, die Agrardieselvergütung in Höhe von 21,48 Cent je Liter sowie die Kfz-Steuerbefreiung für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge mit „Grüner Nummer“ zu streichen. Hintergrund ist das aktuelle Haushaltsdefizit. Für die Agrarwirtschaft würde dies einen Wegfall von Fördermitteln in Höhe von rund einer Milliarde Euro bedeuten.

Betroffen sind auch landtechnische Dienstleistungsbetriebe. Der Bundesverband Lohnunternehmen (BLU) e.V., der bundesweit 200 Lohnunternehmen vertritt, sieht erhebliche wirtschaftliche Folgen. Am 18. Dezember 2023 protestieren Lohnunternehmer in Berlin solidarisch mit der Landwirtschaft gegen die geplanten Mehrbelastungen.

Steigende Betriebskosten durch Wegfall der Vergünstigungen

Der Dieselverbrauch liegt je nach Wirtschaftsform und Intensität zwischen 75 und 144 Litern pro Hektar. Besonders ökologisch wirtschaftende Betriebe mit höherem Energiebedarf wären überdurchschnittlich betroffen. Für einen 100-Hektar-Betrieb können Mehrkosten von bis zu 300 Euro entstehen.

Zusätzlich soll für Schlepper im mittleren Leistungsbereich künftig bis zu 700 Euro pro Jahr an Kfz-Steuer anfallen, für Großtraktoren sogar bis zu 1.500 Euro jährlich. In vielen Betrieben sind auch ältere Maschinen im Einsatz. Diese erreichen zwar nicht die Emissionswerte moderner Technik, tragen jedoch durch ihre lange Nutzungsdauer zur Ressourcenschonung bei.

Wettbewerbsnachteile im europäischen Vergleich

Die aktuelle Marktsituation lässt nach Einschätzung des Verbandes kaum Spielraum, die steigenden Kosten an Kunden weiterzugeben. Im internationalen Vergleich verschärft sich die Wettbewerbssituation zusätzlich. In Deutschland liegt die reguläre Steuer auf Diesel bei 47,04 Cent je Liter, durch die Agrardieselerstattung reduziert sich der Satz auf 25,56 Cent.

Andere EU-Staaten gewähren deutlich weitergehende Entlastungen. In Belgien wird Diesel für landwirtschaftliche Arbeiten nicht besteuert. In Schweden ist eine vollständige Steuererstattung möglich. In Italien beträgt die Steuer 13,6 Cent, in Großbritannien 10,18 Cent, in Dänemark 7,11 Cent und in Frankreich 3,8 Cent je Liter.

Gleichzeitig fehlen praxistaugliche Alternativen zum Dieselmotor in Baumaschinen und Landtechnik. Elektrische Antriebe stoßen bei Flächenbewirtschaftung und Transport an Grenzen. Große Batteriespeicher erhöhen das Fahrzeuggewicht um mehrere Tonnen und wirken sich negativ auf Nutzlast und Bodendruck aus.

Folgen für Technik und Verkehrssicherheit

Steigende Kosten könnten dazu führen, dass Landwirte weniger Leistungen an Lohnunternehmen vergeben. Dies würde insbesondere in kleineren Betrieben die Einführung innovativer und umweltfreundlicher Technik verlangsamen.

Zudem wird befürchtet, dass ältere Traktoren veräußert oder auf zulassungsfreie, langsamere Fahrzeuge ausgewichen wird, falls eine steuerliche Abgrenzung über Geschwindigkeitskriterien erfolgt. Zulassungsfreie Fahrzeuge unterliegen keiner regelmäßigen technischen Kontrolle und bergen damit höhere Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr.

Forderung nach Gleichbehandlung

Der Bundesverband Lohnunternehmen fordert gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband den Erhalt der Agrardieselvergütung und der Kfz-Steuerbefreiung für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge. Eine einheitliche Betrachtung von Landwirtschaft und Dienstleistungsbetrieben sei aus Sicht des Verbandes unverzichtbar.

19.12.2023

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