Zukunft der Lehre: Präsenz vs. virtueller Campus
Das diesjährige BHGL-Forum widmete sich der Frage nach der Zukunft von Lehre und Studium im Gartenbau und der Landschaftsarchitektur. Diskutiert wurde, ob Präsenzlehre weiterhin Bestand haben wird oder ob ein rein virtueller Campus die Ausbildung dominieren könnte.
Die geladenen Fachexperten und das Auditorium sprachen sich mehrheitlich gegen eine Bildungseinrichtung aus, die ausschließlich im Netz existiert und keine persönlichen Kontakte zwischen Studierenden und Lehrenden ermöglicht. Dennoch wurden die Fortschritte im Bereich moderner Lehrmethoden an Fach- und Hochschulen sowie Universitäten der letzten Jahre hervorgehoben.
Digitale Innovationen und Herausforderungen
Prof. Dr. Thomas Rath von der Hochschule Osnabrück stellte Projekte des WeGa-Netzwerkes vor, die auf die Bildung virtueller Studiennetzwerke zwischen mehreren Hochschulen und Universitäten abzielen. Erhebungen zu den Zugriffszeiten von Studierenden bei der Nutzung von E-Learning-Systemen zeigen, dass individuelle Vorteile im Zeitmanagement entstehen und digitale Werkzeuge zur Selbsteinschätzung gefragt sind. Prof. Höper-Schmidt von der Hochschule Anhalt, Fachberaterin des Master-Fernstudiengangs Agrarmanagement, betonte die Notwendigkeit eines breiten Kommunikationsinstrumentariums, das E-Learning, Internet und Telefon umfasst, um ein IT-gestütztes Fernstudium erfolgreich zu gestalten.
Kompetenzen wie Persönlichkeitsentwicklung und Teamfähigkeit können jedoch nicht ausschließlich im Fernstudium entwickelt werden. Erfahrungen zur Etablierung vernetzter Lehrmodule wurden von PD Dr. Markus Gandorfer (Technische Universität München, TUM), Prof. Dr. Thomas Hannus (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, HSWT) und Prof. Dr. Ulrich Kias (ebenfalls HSWT) geteilt. Sie berichteten von virtuellen Klassenräumen, in denen Vorträge international renommierter Wissenschaftler zugeschaltet und über IT-Systeme an weitere Standorte übertragen werden.
Standortspezifische Distanzen an Universitäten, wie zwischen den Studienstandorten der TUM in Freising und Straubing, können durch Parallelübertragungen von Lehrveranstaltungen überbrückt werden, was zu Kosten- und Zeitersparnissen führt. Die Referenten brachten Ideen für den weiteren Ausbau dieser Möglichkeiten ein. Helmut Rausch von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim wies auf den erheblichen Zeitaufwand für Lehrende beim Umstieg auf digitale Lehrveranstaltungen hin. In der von ihm vorgestellten Meisterausbildung haben in den letzten sechs Jahren knapp 200 Wirtschaftler und Meister eine Ausbildung mit 80 Prozent Präsenz- und 20 Prozent Internetphase absolviert. Dabei standen leicht höhere Abbrecherquoten geringeren Durchfallquoten gegenüber, was auf einen Qualitätsanstieg in der Meisterausbildung hindeutet.
Bedeutung von Präsenz und Fachkräftenachwuchs
Roland Albert, Präsident des Bayerischen Gärtnereiverbandes, sprach sich für gut ausgebildete Fachkräfte im Berufsstand aus und betonte die Notwendigkeit moderner Ausbildungsinstrumente. Entscheidend sei nicht, ob Absolventen virtuell oder klassisch im Hörsaal studiert haben, sondern ihre Fähigkeit, schnell und kompetent in der gärtnerischen Praxis oder Wissenschaft anzukommen und Führungsaufgaben zu übernehmen.
Die anschließende Diskussion, moderiert von BHGL-Präsident Prof. Dr. Uwe Schmidt, konzentrierte sich stark auf die Notwendigkeit von Präsenz- und Kontaktzeiten im Studium. Selbst der Vorschlag, ein zukünftiges BHGL-Forum IT-gestützt über Distanzen hinweg zu führen, fand keine mehrheitliche Zustimmung. Einige Hochschulen erwägen das Angebot akademischer Weiterbildungsmodule und -studiengänge im Gartenbau. Für den Aufbau neuer Lehrangebote könnten Fördergelder notwendig sein. Die durch die sinkenden doppelten Abiturjahrgänge frei werdenden Studienplatzkapazitäten könnten in einigen Bundesländern zukünftig von Absolventen und Fachpublikum genutzt werden, die kostenpflichtige neue akademische Weiterbildungsangebote im Gartenbau an Hochschulen und/oder Universitäten wahrnehmen.
Obwohl es unterschiedliche Meinungen zur zukünftigen Notwendigkeit von Hörsälen gab, waren sich alle Anwesenden einig, dass es bei der Integration von IT in die Lehre nicht um einen revolutionären Umbruch geht. Vielmehr müsse sichergestellt werden, dass Lehrbedingungen evolutionär mit neuen Technologien verbessert werden.
