Herausforderungen und Ziele der Dorferneuerung
Ländliche Randlagen von Städten verzeichnen ein stärkeres Bevölkerungswachstum als Ballungsräume. Demgegenüber steht die Abwanderung junger Menschen aus rein ländlich strukturierten Gebieten. Das Amt für Ländliche Entwicklung Bayern unterstützt bedürftige Gemeinden seit über 25 Jahren mit dem Dorferneuerungsprogramm, um die Lebens-, Wohn-, Arbeits- und Umweltverhältnisse im ländlichen Raum nachhaltig zu verbessern. Ein Fokus liegt dabei auf der Gestaltung befestigter Flächen in Ortskernen. Oft wird Asphalt durch Natur- oder Betonsteine ersetzt, um ein ansprechendes Ortsbild zu schaffen.
Diese Flächen müssen neben ästhetischen auch hohe funktionelle Anforderungen erfüllen. Eine Herausforderung besteht darin, dass sanierte Flächen oft schon nach kurzer Zeit Schäden aufweisen. Ursachen sind neben unsachgemäßer Verlegung häufig eine unzureichende Materialauswahl, die den Belastungen nicht standhält. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Umsetzung ist die oberfränkische Gemeinde Issigau. Dort wurden bereits 2011 zahlreiche innerörtliche Straßen mit einem speziellen Betonpflastersystem befestigt. Eine erneute Abnahme im Frühjahr 2017 bestätigte die einwandfreie optische und technische Beschaffenheit der Flächen.
Die Gemeinde Issigau, am östlichen Rand des Naturparks Frankenwald gelegen und rund 1.000 Einwohner zählend, stand lange auf der Warteliste für eine Förderung durch das Amt für Ländliche Entwicklung in Oberfranken. Als vor über zehn Jahren die Sanierungsmaßnahme begann, mussten drei Ziele berücksichtigt werden.
Die alten Asphaltstraßen in Issigau befanden sich in einem sehr schlechten Bauzustand. Zudem bot der gesamte Ortskern mit seinen breiten Straßen und den schmalen Fußwegen zu viele Gelegenheiten für Autofahrer viel zu schnell zu fahren. Der optische Gesamteindruck der Ortschaft war daher wirklich nicht schön und eine ausreichende Verkehrssicherheit für Radfahrer und Fußgänger nicht gegeben. Gesucht war deshalb eine neue Straßenbefestigung, die die Ortschaft optisch deutlich aufwertet, die gleichzeitig eine Verkehrsberuhigung ermöglicht und ebenso auch dauerhaft den anfallenden Belastungen standhält
Verkehrsberuhigung durch optische Gestaltung
Ein zentrales Element des neuen Befestigungskonzeptes war die optische Abgrenzung verschiedener Bereiche durch unterschiedliche Beläge. Die Maßnahme, die in zwei Bauabschnitten von 2011 bis 2013 realisiert wurde, umfasste die Befestigung der meisten Fahrbahnen mit Asphalt. Für Gehwege, Kreuzungsbereiche, Einmündungen und verkehrsberuhigte Straßen, beispielsweise im Bereich der Schule, kamen spezielle Betonpflastersteine zum Einsatz.
Hierfür wurde das Einstein-Pflastersystem von Angermüller aus Coburg gewählt. Dessen helle, gestrahlte Oberfläche bildete einen Kontrast zum dunklen Asphalt.
Damit erfüllten die hier verwendeten Pflastersteine gleich zwei Funktionen. Zum einen bieten die im Farbton „Granit hell“ gestrahlten Steine eine sehr harmonische Optik und damit die gewünschte Aufenthaltsqualität, zum anderen haben wir durch die Variation der Beläge eine optische Wahrnehmungsänderung bei den Verkehrsteilnehmern erzeugt, mit dem Ziel den Verkehr zu beruhigen. Durch die Änderung der Beläge in den verschiedenen Bereichen, wird dem Autofahrer unmittelbar angezeigt, dass hier Fußgänger und Radfahrer Vorrang haben
Schäden vermeiden durch spezielles Verbundpflastersystem
Neben Optik und Verkehrsberuhigung stellten die Planer hohe Anforderungen an die Belastbarkeit der rund 4.000 m² großen Pflasterflächen. Insbesondere in Kreuzungsbereichen wirken hohe Scherkräfte. Die Flächen sollten so ausgelegt sein, dass auch bei Belastung durch Kleintransporter und Müllfahrzeuge dauerhaft keine Schäden entstehen. Eine Begutachtung der Flächen im Frühjahr 2017, im Rahmen einer Gewährleistungsabnahme, bestätigte, dass die Flächen trotz der Verkehrslast keine Mängel aufweisen.
Das Gesamtbild der Flächen ist nach wie vor sehr gut. Abplatzungen oder Brüche der Steine sind keine zu beobachten; auch farblich wirkt die Oberfläche noch wie im Originalzustand
Fuge als Voraussetzung für funktionierende Flächen
Die Ursache für die Beständigkeit sieht der Planer in der Ausprägung der Fugen, die das Einstein-Pflaster systembedingt mit sich bringt.
Für jede Pflasterfläche ist es entscheidend, dass die zur Aufnahme von Verkehrsbelastungen notwendige Fuge bzw. der Fugenraum eingehalten wird. Nur wenn dies gewährleistet ist, ist eine optimale Kraftübertragung zwischen den Steinen gegeben. Schub- und Horizontalkräfte, die der Verkehr verursacht, werden dann abgepuffert und gleichmäßig in die Tragschichten weitergeleitet
Das verwendete Einstein-Betonpflastersystem erfüllt diese Voraussetzungen.
Verantwortlich hierfür sind Verbundelemente an den Steinflanken, die paarweise so angeordnet sind, dass eine Verschiebung der Steine gegeneinander verhindert wird. Jeweils ein Element eines Verbundelementepaares wird zylindrisch ausgeführt. Das andere verjüngt sich nach oben kegelförmig. Dadurch entstehen Kammern, die Fugenmaterial in allen Korngrößen aufnehmen und eine höchste Verbundwirkung ermöglichen. Weil es nur wenige punktuelle Kontakte zwischen den Steinen gibt, bleibt die gesamte Fläche auch langfristig elastisch
Unmittelbar nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes im Jahre 2013 waren wir bereits rein optisch von den sanierten Flächen überzeugt. Aber auch aus heutiger Sicht können wir sagen, dass die Flächen nicht nur optisch sondern auch technisch das halten was sie vor 6 Jahren versprochen haben. Mit dieser Lösung hat der Ort deutlich an Attraktivität gewonnen und da die meisten Mängel in Pflasterflächen innerhalb der ersten fünf Jahre auftreten, sind wohl hier auch künftig keine Schäden mehr zu befürchten

