Naturschutz

Umweltpreisträger bewerten Pariser Klimaabkommen unterschiedlich

13.12.2015

Die Träger des Deutschen Umweltpreises 2015 bewerten das Pariser Klimaabkommen unterschiedlich: Während Mojib Latif fehlende Verbindlichkeit kritisiert, spricht Johan Rockström von einem bedeutenden Fortschritt für den globalen Klimaschutz.

Latif mahnt Nachbesserungen an, Rockström sieht Durchbruch

Die Träger des Deutschen Umweltpreises 2015, Prof. Dr. Mojib Latif und Prof. Dr. Johan Rockström, kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen des Pariser Klimaabkommens. Während Latif deutliche Defizite sieht, spricht Rockström von einem bedeutenden Durchbruch für den globalen Klimaschutz.

196 Staaten nahmen an der UN-Weltklimakonferenz in Paris teil, 186 legten freiwillige nationale Selbstverpflichtungen vor. Das Abkommen ist völkerrechtlich bindend, verpflichtet erstmals alle Länder zum Klimaschutz und soll 2020 in Kraft treten.

Kritik an fehlender Verbindlichkeit

Latif erkennt keinen wesentlichen Fortschritt gegenüber der Klimarahmenkonvention von Rio 1992.

„Man konnte sich gestern in Paris lediglich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen“

Seit der Unterzeichnung der Konvention sei es nicht gelungen, ein von allen Staaten als fair akzeptiertes Abkommen zu schaffen, das die Begrenzung des Klimawandels entscheidend voranbringt.

„Seit der Unterzeichnung der Klimarahmenkonvention 1992 ist es nicht gelungen, ein Abkommen zu finden, das alle Länder als fair akzeptieren können und uns zugleich der Begrenzung des Klimawandels entscheidend näherbringt.“

Der weltweite Kohlenstoffdioxidausstoß sei seit Beginn der 1990er Jahre um rund 60 Prozent gestiegen. Nach Ansicht Latifs enthalten die Vereinbarungen zu viel Spielraum und zu wenig Konkretes. Mit den bisherigen Selbstverpflichtungen lasse sich das Ziel, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten, nicht erreichen.

Zudem spiele das beim G7-Gipfel in Elmau formulierte Ziel einer Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Abkommen kaum eine Rolle. Dennoch bewertet Latif es als Erfolg, dass sich die Staatengemeinschaft grundsätzlich auf einen Vertrag geeinigt und die Dramatik des Klimawandels anerkannt habe.

„Bedeutender Durchbruch“ aus wissenschaftlicher Sicht

Rockström beurteilt das Verhandlungsergebnis deutlich positiver.

„einen großen Schritt nach vorne, der mit wissenschaftlichen Erkenntnissen einhergeht und eine Grundlage dafür bildet, die Welt in die richtige Richtung anzustoßen.“

Das Abkommen enthalte eine klare Aussage zu Spitzenwerten klimaschädlicher Emissionen und leite eine Wende ein, um bis 2050 deutliche Reduktionen zu erreichen und in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Treibhausgasneutralität zu erzielen.

Auch Rockström sieht jedoch Lücken, insbesondere das Fehlen eines konkreten quantitativen Minderungsziels von 80 bis 100 Prozent bis 2050.

„Das stellt die größte Lücke dar. Dann wäre es ein fast perfektes Abkommen“

Positiv bewertet er die vorgesehene Überprüfung der nationalen Zusagen im Fünfjahresrhythmus und fordert eine erste Revision bereits 2016, um den Aktions- und Lösungsplan zügig hochzufahren.

Umsetzung als entscheidender Faktor

Für DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann steht die praktische Umsetzung im Mittelpunkt.

Die Verlässlichkeit der Umsetzung werde auch in Deutschland maßgeblich über den Erfolg des Abkommens entscheiden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sieht insbesondere in der Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen eine wichtige Rolle, um umweltentlastende Innovationen voranzubringen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sprach von einem historischen Erfolg des Gipfels. Mit der Auszeichnung von Latif und Rockström wollte die DBU ein deutliches Signal an die internationale Staatengemeinschaft senden, die Weichen für eine nachhaltige Zukunft zu stellen.

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