Die unterschätzte Eleganz von Grün und Weiß im Garten
Die Kombination von Grün und Weiß im Garten mag auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen. Doch Staudengärtner und Freiraumplaner Jan Weinreich betont, dass diese Farbwahl alles andere als langweilig ist.
Weiß reflektiert das Licht maximal und betont dadurch auch Bereiche, die sonst eher im Dunkeln liegen. Das kann bei entsprechender Inszenierung äußerst spannend sein! Bei der Farbe Grün wiederum hat das Pflanzenreich eine unglaubliche Fülle unterschiedlichster Schattierungen hervorgebracht, zum Beispiel Gelbgrün, Blaugrün, Graugrün, Silbergraugrün und Schwarzgrün, um nur mal einige wenige zu nennen.
Die bewusste Beschränkung auf diese beiden Farben schärft den Blick für die Vielfalt der Natur. Aspekte, die in farbenfrohen Pflanzungen oft übersehen werden, rücken in den Vordergrund.
Fokus auf Formen und Strukturen
In einem auf wenige Farben reduzierten Gartenbereich werden Formen, Strukturen und Texturen der Pflanzen besonders wahrgenommen. Dieser Gestaltungsansatz harmoniert mit jeder Architektur.
In einem auf wenige Farben reduzierten Gartenbereich rücken Formen, Strukturen und Texturen (also die Oberflächenbeschaffenheit der Pflanzen) in den Vordergrund. Dadurch passt dieser Gestaltungsansatz hervorragend zu wirklich jeder Art von Architektur.
Für Gartenneulinge bietet diese Herangehensweise einen Vorteil: Die Gestaltung wird einfacher, wenn der Fokus auf unterschiedliche Blatt-, Blüten- und Pflanzenformen liegt und nicht zusätzlich diverse Farbtöne aufeinander abgestimmt werden müssen.
Grün-weiße Pflanzungen im Halbschatten und Schatten
Grün-weiße Pflanzungen sind häufig in halbschattigen und schattigen Bereichen zu finden. Farben wie Rot oder Dunkelblau verlieren dort ihre Leuchtkraft, während helle Blüten ihre Wirkung entfalten.
Farben wie Rot oder Dunkelblau, die in der Sonne sehr leuchtstark sind, büßen ihre Wirkung in absonnigen Bereichen weitgehend ein. Helle Blüten wie die von Silberkerzen (Cimicifuga) und Waldastern (Aster divaricatus) hingegen leuchten dort umso intensiver.
Besondere Akzente setzen Stauden mit panaschiertem Laub, wie das weißblühende Kaukasus-Vergissmeinnicht ’Mr. Morse‘ mit seinem silberdurchwirkten Laub oder Funkien mit weißer Blattzeichnung.
Ruhe und Klarheit
Ein grün-weißer Garten kann als Rückzugsort dienen und zur Entspannung beitragen. Jan Weinreich bestätigt die positive Wirkung dieser Farbkombination.
Während wir Weiß als rein und frisch empfinden, aber auch als modern und nach vorn gewandt, wirkt Grün beruhigend und entspannend. Beides gemeinsam fühlt sich einfach perfekt an und kann ein tiefes Glücksgefühl hervorrufen.
Mondscheingärten für den Abend
Auch in sonnigen Gärten lässt sich die besondere Atmosphäre von Grün und Weiß erleben, insbesondere vor dunklen Hintergründen wie Ziegelmauern, Holzwänden oder Eibenhecken. Am Abend, wenn dunklere Farben in der Dämmerung verblassen, treten helle Blüten hervor.
Solche „Mondscheingärten“ sind gerade für Berufstätige sehr interessant. Wenn dann auch noch ein betörender Duft hinzukommt, wie ihn die Blüten des Wander-Phloxes ’Alba‘ (Phlox stolonifera) verströmen oder die der Weißen Nachtviole (Hesperis matronalis ’Alba‘), können die lauen Sommernächte kommen.
