Naturschutz

UBA schlägt sektorübergreifende Stickstoff-Obergrenze vor

Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt eine nationale Obergrenze für den Stickstoffausstoß in Deutschland. Ab 2030 sollen jährlich nicht mehr als 1 Million Tonnen Stickstoff in die Umwelt gelangen, um Schutzziele für Gewässer, Landökosysteme und die menschliche Gesundheit zu erreichen.

Nationale Obergrenze für Stickstoffausstoß: Ziele und Notwendigkeit

Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt eine nationale Obergrenze für den Stickstoffausstoß in Deutschland. Ab dem Jahr 2030 sollen demnach jährlich nicht mehr als 1 Million Tonnen Stickstoff in die Umwelt gelangen. Dies sei notwendig, um bestehende Schutzziele für Gewässer, Landökosysteme und die menschliche Gesundheit zu erreichen. Aktuell liegt der jährliche Stickstoffausstoß bei 1,5 Millionen Tonnen.

Die vorgeschlagene Obergrenze berücksichtigt nahezu alle Quellen und schließt neben der Landwirtschaft auch Sektoren wie Verkehr und Industrie ein.

In den nächsten zehn Jahren müssten die jährlichen Stickstoff-Emissionen um rund 0,5 Millionen Tonnen auf maximal eine Million Tonnen sinken. Das ist schaffbar – wenn wir die bereits geltenden Regeln zur Luftreinhaltung, zum Klimaschutz und das Düngerecht endlich auch in der Praxis an allen Stellen einhalten.

Dies erklärte UBA-Präsident Dirk Messner. Er betonte zudem, dass dies nur eine erste Etappe sei. Für einen flächendeckend guten Umweltzustand in Deutschland seien weitere Anstrengungen zur Stickstoffminderung erforderlich. Dazu gehöre die Überprüfung der Schutzziele für Wasser, Boden, Luft, Ökosysteme und die menschliche Gesundheit sowie eine weitere Absenkung der zulässigen Obergrenze für den Gesamtstickstoffausstoß.

Prognosen des UBA zeigen, dass die konsequente Umsetzung bestehender und aktualisierter Gesetze, wie des nationalen Luftreinhalteprogramms und der Düngegesetzgebung, den Stickstoffausstoß voraussichtlich ausreichend reduzieren wird. Auch das Klimapaket der Bundesregierung soll zur Stickstoffminderung beitragen. Die Umsetzung der geltenden Gesetzgebung auf regionaler und lokaler Ebene muss jedoch regelmäßig überprüft werden, solange die Grenzwerte noch nicht überall erreicht sind.

Die sektorübergreifende Obergrenze führt gegenwärtige Umweltziele für Luft, Grundwasser, Ökosysteme und Gesundheit sowie regionale Anforderungen deutschlandweit zusammen. Sie soll auf schnelle Umsetzbarkeit ausgelegt sein und als Etappenziel dienen. Daher fließen nicht für alle Bereiche der gute Umweltzustand, sondern auch politisch vereinbarte Zielstellungen in das Gesamtziel ein.

Langfristig sind weitere Minderungen notwendig, um einen guten Umweltzustand in allen stickstoffbelasteten Bereichen Deutschlands flächendeckend zu erreichen. Das Instrument setzt ein Signal für Zusammenarbeit und gesamtgesellschaftliches Handeln über verschiedene Bereiche aus Politik und Gesellschaft hinweg. Deutschland verfehlt aufgrund hoher Stickstoffbelastungen seit Jahren seine Umweltqualitätsziele für Wälder, Oberflächen- und Küstengewässer, das Grundwasser und die Luft, was auch zu Belastungen für die menschliche Gesundheit führen kann.

Die meisten Stickstoffemissionen stammen aus der Tierhaltung, Düngeranwendung und Verbrennungsprozessen im Verkehr. Auch Energienutzung, Haushalte und die Produktion von Konsumgütern tragen dazu bei. Stickstoff ist in verschiedenen chemischen Verbindungen ein Baustein des Lebens. Als Luftstickstoff (N₂) macht er 78 Prozent der Atemluft aus und ist in dieser Form unschädlich, aber für die meisten Lebewesen nicht nutzbar.

In Verbindung mit anderen Elementen kann Stickstoff in zu großen Mengen Mensch und Umwelt schaden. Zu hohe Konzentrationen von Stickstoffdioxid (NO₂), Ammoniak (NH₃), Nitrat (NO₃⁻) und Lachgas (N₂O) führen zu potenziell gesundheitsschädlicher Luft- und Grundwasserverschmutzung, überdüngten Meeren und einem Rückgang der Artenvielfalt.

Das Umweltbundesamt präsentierte diesen Vorschlag im Rahmen der 8. Internationalen Stickstoff-Fachkonferenz INI2021. Diese Konferenz gilt als die weltweit größte ihrer Art und verbindet Wissenschaft und Politik. Über 500 Teilnehmer aus allen Kontinenten wurden ab dem 31. Mai virtuell erwartet.

31.05.2021

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