Naturschutz

Umwelt- und Klimaschutz: Bevölkerung fordert mehr Engagement und schnellere Energiewende

Eine aktuelle Studie zeigt: Die Bevölkerung fordert mehr Engagement und eine schnellere Energiewende. Umwelt- und Klimaschutz haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, doch die Umsetzung wird kritisch gesehen.

Ergebnisse der Umweltbewusstseinsstudie 2018

Der Stellenwert von Umwelt- und Klimaschutz in der Bevölkerung hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Dies geht aus der aktuellen Umweltbewusstseinsstudie hervor, die vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt (UBA) vorgestellt wurde. Die Studie, für die in der zweiten Jahreshälfte 2018 rund 4000 Personen befragt wurden, untersucht alle zwei Jahre die Entwicklung des Umweltbewusstseins und -verhaltens in Deutschland.

Die Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, dass relevante Akteure wie Industrie, Bund und Kommunen noch nicht ausreichend für den Umwelt- und Klimaschutz tätig sind. Auch das eigene Engagement als Bürger wird kritisch bewertet. Die Studie zeigt zudem, dass die Menschen Umweltschutz als eine Aufgabe aller Politikbereiche betrachten. Insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft und Mobilität besteht eine Diskrepanz zwischen dem Wunsch der Befragten nach geringer Umwelt- und Klimabelastung und den wahrgenommenen politischen Schwerpunkten.

Die Ziele der Energiewende werden von den meisten Befragten weitgehend befürwortet. Gleichzeitig fordert die Mehrheit eine zügigere Umsetzung der Energiewende.

Die Dringlichkeit des Umwelt- und Klimaschutzes ist in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger angekommen. Zugleich sieht die Mehrheit der Befragten Defizite beim Handeln. Diese Befunde verstehe ich als Auftrag. Der Staat muss für bessere Rahmenbedingungen beim Klimaschutz sorgen. Darum setze ich mich für einen sozial gerechten CO2-Preis und ein verbindliches Klimaschutzgesetz ein. Die Befragten wünschen sich auch eine schnellere Energiewende. Das sehe ich ganz genauso. Hier gilt es, endlich die Bremse zu lockern beim Ausbau von Wind- und Sonnenenergie.

Rund zwei Drittel (64 Prozent) der Menschen in Deutschland schätzen Umwelt- und Klimaschutz als sehr wichtige Herausforderung ein, was einen Anstieg um 11 Prozentpunkte gegenüber 2016 bedeutet. Besonders in den Bereichen Landwirtschaft, Verkehr, Bau und Energie wünscht sich eine Mehrheit der Befragten, dass Umweltbelange eine übergeordnete Bedeutung erhalten. Der Zustand der Umwelt in Deutschland wird deutlich schlechter bewertet als in früheren Umfragen: Nur noch 60 Prozent der Befragten beurteilen ihn als gut, verglichen mit 75 Prozent in der vorherigen Befragung.

Der extrem trockene letzte Sommer machte die Folgen des Klimawandels auch in Deutschland erlebbar. Das Insektensterben, die Diskussion um die Luftqualität in den Städten oder der Plastikmüll in den Meeren zeigen, wie sehr unsere natürlichen Lebensgrundlagen gefährdet sind. Auch ich verstehe die Befragungsergebnisse als einen Aufruf an alle, das Handeln deutlich stärker an Umweltaspekten auszurichten.

Die gestiegene Erwartungshaltung der Bevölkerung spiegelt sich auch in der kritischeren Bewertung des Engagements aller relevanten Akteure wider. Nur 8 Prozent sind mit dem Engagement der Industrie zufrieden, 14 Prozent mit dem der Bundesregierung. Das Engagement der Städte und Gemeinden wird von 24 Prozent als ausreichend empfunden, während 71 Prozent mit dem der Umweltverbände zufrieden sind. Auch das eigene Engagement wird kritisch beurteilt: Lediglich 19 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Bürger genug oder eher genug tun, im Vergleich zu 34 Prozent vor zwei Jahren.

Schwerpunktthemen der Studie: Energie, Landwirtschaft und Verkehr

Energie

Die Ziele und Strategien der Energiewende erfahren eine hohe Zustimmung. 95 Prozent der Befragten halten die Steigerung der Energieeffizienz durch neue Technologien für wichtig, und 92 Prozent befürworten den Ausbau erneuerbarer Energien. Gleichzeitig sind 81 Prozent der Meinung, dass die Energiewende zu langsam voranschreitet, und 76 Prozent kritisieren eine ungleiche Verteilung der Kosten.

Landwirtschaft

68 Prozent der Befragten wünschen sich, dass Umwelt- und Klimaaspekte in der Landwirtschaftspolitik eine übergeordnete Rolle spielen. Für die zukünftige Entwicklung der Landwirtschaft werden möglichst geringe Umwelt- und Klimabelastungen als am wichtigsten erachtet (von 45 Prozent auf Rang 1 gesetzt), gefolgt von der Versorgung mit vielfältigen, hochwertigen und gesunden Lebensmitteln (von 43 Prozent auf Rang 1 gesetzt). Eine Mehrheit von 86 Prozent hat jedoch den Eindruck, dass sich die Landwirtschaftspolitik an den Interessen der Industrie orientiert. Nur 22 Prozent meinen, dass sich die aktuelle Agrarpolitik am Umwelt- und Klimaschutz ausrichtet.

Verkehr

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Befragten ist der Ansicht, dass Umwelt- und Klimaschutz auch in der Verkehrspolitik eine übergeordnete Bedeutung haben sollte. Für die Entwicklung des Verkehrs ist den Befragten am wichtigsten, dass Umwelt und Klima möglichst wenig belastet werden (von 50 Prozent auf Rang 1 gesetzt). Ebenfalls sehr wichtig ist, dass alle Menschen ihre Wege im Alltag bequem und kostengünstig zurücklegen können (von 40 Prozent auf Rang 1 gesetzt). Auch hier meint eine Mehrheit von 89 Prozent, dass sich die aktuelle Verkehrspolitik an den Interessen der Wirtschaft orientiert. Lediglich 27 Prozent haben den Eindruck, die Verkehrspolitik orientiere sich an den Interessen der Bürger, und nur 21 Prozent meinen, sie orientiere sich am Umwelt- und Klimaschutz.

28.05.2019

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