Forschung in Naturwaldreservaten: Einblicke in unberührte Ökosysteme
Die rund 800 Naturwaldreservate in Deutschland entwickeln sich über lange Zeiträume ohne menschliche Eingriffe zu Naturwäldern. Diese Gebiete dienen als Forschungsstandorte, um das Ökosystem Wald besser zu verstehen. Einige dieser Reservate wurden intensiv auf ihre vorkommenden Arten untersucht. Dieses aufwendige Vorhaben erforderte die mehrjährige Zusammenarbeit zahlreicher Spezialisten, insbesondere Zoologen.
Die Forschung konzentrierte sich auf ausgewählte Tiergruppen wie Käfer, Großschmetterlinge, Wanzen, Spinnen und Regenwürmer. Obwohl bekannt war, dass einige dieser als „bodenständig“ geltenden Waldbewohner auch in höheren Regionen vorkommen, waren die detaillierten Ergebnisse bemerkenswert. Selbst bei eigentlich „erdverbundenen“ Arten der Streuschicht wurde ein ausgeprägter Drang nach oben festgestellt.
Unerwartete Artenvielfalt in Buchenwäldern
Experten des Frankfurter Senckenberg-Forschungsinstituts sammelten in hessischen Naturwaldreservaten fast 90 Prozent aller gefangenen Regenwürmer von Bäumen, während nur ein kleinerer Anteil am Boden gefunden wurde. Auch die Artenfülle in Buchenwäldern überraschte die Fachwelt. Diese Wälder galten bisher als eher artenarm.
Die Biologen entdeckten über 1.500 Tierarten auf Waldflächen von weniger als einem Quadratkilometer – eine deutlich höhere Zahl als erwartet. Basierend auf diesen Ergebnissen wird nun von insgesamt 5.000 bis 6.000 verschiedenen Tierarten in vergleichbaren Buchenwäldern ausgegangen. Dies entspricht dem Dreifachen der bisherigen Schätzungen. Hinzu kommen mehrere Hundert Pilz- sowie zahlreiche Moos-, Farn- und Flechtenarten.
Weitere Informationen zu Naturwaldreservaten, der Entwicklung von Flora und Fauna, dem Lebensraum Totholz und der Dynamik natürlicher Wälder sind im aid-Heft „Naturwaldreservate – ‚Urwald‘ in Deutschland“ enthalten.