Städtische Biovielfalt fördern
Das Projekt „Urbanität und Vielfalt“ zielt darauf ab, Stadtbewohnern den Wert seltener Wildpflanzen näherzubringen. Es wird vom Bundesumweltministerium gefördert und involviert einen Projektverbund aus den Botanischen Gärten in Potsdam, Berlin und Marburg sowie dem Umweltzentrum Dresden. Das Vorhaben sieht vor, die Vermehrung ausgewählter Wildpflanzenarten durch Privatpersonen, Familien oder Kleingartenvereine zu ermöglichen. Durch die Pflege seltener Arten wie der Karthäusernelke oder des Heide-Günsels sollen Interesse, Wissen und Verständnis für die biologische Vielfalt gefördert werden.
Biologische Vielfalt findet sich nicht nur auf der grünen Wiese, sondern auch mitten in der Stadt. Deshalb haben wir uns auch in unserer Naturschutzoffensive 2020 zum Ziel gesetzt, mehr Grün in die Wohnsiedlungen zu bringen. Aber wir wollen auch das Bewusstsein der Menschen für biologische Vielfalt stärken. Das neue Projekt greift beide Aspekte auf.
Viele Wildpflanzenarten sind in der Natur selten geworden, da ihre Lebensräume durch Nutzungsänderungen oder Bebauung bedroht sind. Ohne Unterstützung und einen Bewusstseinswandel nehmen die Bestände weiter ab. Im Rahmen des Projekts ziehen die beteiligten Botanischen Gärten und das Umweltzentrum Dresden gartenkompatible Jungpflanzen aus regionalem Wildsaatgut vor. Diese werden an speziellen Ausgabetagen an Bürger weitergegeben.
Engagement für den Artenschutz
Die erhaltenen Wildpflanzen können anschließend in Gärten, auf Balkonen oder auf speziellen „Arche-Flächen“ wie in Berlin und Marburg ausgepflanzt und gepflegt werden. Bei Bedarf und in Absprache mit Fachbehörden ist vorgesehen, die vermehrten Pflanzen später an den Standorten der Wildpopulationen wieder anzusiedeln. Das Projekt soll den Bestand von rund 80 gefährdeten Wildpflanzenarten stützen.
Das Projekt bringt den botanischen Naturschutz direkt zu den Menschen nach Hause, in ihre Gärten und auf ihre Balkone. Es verlangt nur wenig Platz, kein großes Vorwissen und beansprucht nicht viel Zeit. Und dennoch bietet es viele Möglichkeiten, sich individuell oder in der Gemeinschaft zu engagieren. Das ist ein neuer Ansatz im freiwilligen Naturschutz, den das Projekt „Urbanität und Vielfalt“ beispielhaft umsetzt.
Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, durch handlungsorientierte Umweltbildungs- und Öffentlichkeitsarbeit viele Menschen für den aktiven Naturschutz zu gewinnen. Geplant sind hierfür Artensteckbriefe, Kultivierungsanleitungen, ein Internetauftritt und Projektfilme. An den Projektstandorten in Berlin, Potsdam, Marburg und Dresden werden zudem Schulungen, Exkursionen, Biotoppflegeeinsätze sowie Informations- und Abendveranstaltungen für Teilnehmende und die Öffentlichkeit angeboten.
Eine Besonderheit ist die Anlage einer öffentlichen „Arche-Fläche“ auf dem Gelände der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2017 in Berlin. Diese Fläche, die von den Botanischen Gärten Potsdam und Berlin betreut wird, umfasst 900 Kleinparzellen, auf denen Projektteilnehmende ihre Pflanzen aussetzen und pflegen können. Das Areal dient auch als Treffpunkt und Ort für weitere Umweltbildungsaktivitäten.
Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt „Urbanität und Vielfalt“ über vier Jahre mit 1,1 Millionen Euro im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) begleitet das Projekt fachlich.
Hintergrund: Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt seit 2011 die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS). Es fördert Vorhaben, die im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung haben oder die Strategie beispielhaft umsetzen. Die geförderten Maßnahmen tragen dazu bei, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und langfristig einen positiven Trend zu bewirken. Sie dienen dem Schutz, der nachhaltigen Nutzung und der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über rechtlich geforderte Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen in Information und Kommunikation sollen das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt stärken.
