Naturschutz, Organisationen

Ökosystemleistungen: Wege zur ökonomischen Bewertung des Naturkapitals

Natur, biologische Vielfalt und Ökosysteme sind ein natürliches Kapital, das die Gesellschaft mit wichtigen Leistungen versorgt. Ein Workshop des BfN, des österreichischen Umweltbundesamtes und des Schweizer Bundesamtes für Umwelt widmet sich der ökonomischen Bewertung dieser Leistungen und der Etablierung von Forschungskooperationen.

Workshop zur ökonomischen Bewertung von Naturkapital

Die Erkenntnis, dass Natur, biologische Vielfalt und Ökosysteme ein natürliches Kapital darstellen, das die Gesellschaft mit Leistungen wie Nahrung, Wasser, Klimaregulation und genetischem Potenzial versorgt, gewinnt in der Umweltpolitik an Bedeutung. Dies wirft die Frage auf, wie diese Leistungen der Natur erfasst und ökonomisch bewertet werden können und welche umweltpolitische Tragfähigkeit das Konzept der Ökosystemdienstleistungen besitzt.

Diesen Fragen widmet sich ein gemeinsamer Workshop des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), des österreichischen Umweltbundesamtes und des Schweizer Bundesamtes für Umwelt. Die Veranstaltung findet auf der Internationalen Naturschutzakademie des BfN auf der Insel Vilm statt. Ziel ist es, laufende und zukünftige Forschungsaktivitäten zur Bewertung dieser Leistungen abzugleichen und eine verstärkte Forschungskooperation zu etablieren.

Wir möchten gemeinsam Wege finden, unser Naturkapital zu bewerten, denn es sind oft die ökonomischen Gründe zum Schutz der Natur, die bei Politik und Wirtschaft leichter Gehör finden.

Dies erklärte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel zur Zielsetzung der Tagung. Die internationale Studie "The Economics of Ecosystems and Biodiversity" (TEEB) zeigte in einem Zwischenbericht auf, dass der Rückgang von Ökosystemleistungen und biologischer Vielfalt bis 2050 zu einem Verlust von etwa 7 % des weltweiten Volkseinkommens führen könnte. Ein wesentlicher Anteil daran entfällt auf die Verstärkung des Klimawandels, verursacht durch die Zerstörung von Regenwäldern.

Nationale Bewertungen und wirtschaftliche Argumente

Ein kürzlich veröffentlichter TEEB-Bericht fordert Staaten auf, detaillierte nationale Abschätzungen durchzuführen, um die Notwendigkeit eines verstärkten Schutzes der biologischen Vielfalt zu verdeutlichen.

Wir wollen jetzt auch für die drei am Workshop beteiligten Länder überzeugende wirtschaftliche Argumente zusammentragen.

Beate Jessel erläuterte, dass eine vom BfN geförderte Studie in Deutschland ergeben hat, dass die Wiedervernässung von 30 km² Moorflächen im Rahmen des Moorschutzprogramms Mecklenburg-Vorpommerns aus Klimaschutzsicht einen jährlichen Gegenwert von 30 Millionen Euro besitzt. Die Kosten von 0 bis 12 Euro pro Tonne CO2-Äquivalenten lagen bei diesen Maßnahmen deutlich unter den üblichen Kosten zur Klimagasminderung.

Eine weitere BfN-Studie zu den ökonomischen Wirkungen von Deichrückverlegungen bezifferte den Wert von 35.000 Hektar wiedergewonnener natürlicher Überflutungsfläche an der Elbe auf jährlich 37 Millionen Euro. Dies würde den Nährstoffeintrag in die Nordsee reduzieren.

Sicher, man kann den Wert der Natur an sich nicht ermitteln. Es gilt aber, solche Einzelbausteine systematisch zusammenzutragen und länderübergreifend zu vergleichen. Wir hoffen auf die Unterstützung Österreichs und der Schweiz, wo ähnliche Überlegungen bestehen. Denn die Erfassung der Ökosystemleistungen und ihre ökonomische Bewertung steht trotz erheblicher Fortschritte noch immer vor einer Vielzahl methodischer Probleme. Eine Bündelung des Fachwissens ist deshalb ein Muss.

Beate Jessel betonte, dass es ein langfristiges Ziel sei, Naturkapital und dessen Verlust ebenso wie menschengemachtes Kapital in die ökonomische Gesamtrechnung zu integrieren. Denn, so die TEEB-Autoren, was gemessen und bewertet wird, hat oft bessere Aussichten, ausreichend erhalten zu werden.

Hinweis zum Jahr der Biodiversität

Die UNO hat 2010 zum Internationalen Jahr der Biodiversität erklärt. Dies bietet Akteuren aus Bund, Ländern, Gemeinden, Wirtschaft, NGOs, Wissenschaft und weiteren Interessierten die Gelegenheit, in einer Phase erhöhter Aufmerksamkeit in einen Dialog über Biodiversität zu treten. Das Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) rufen zu einem Wandertag am Tag der biologischen Vielfalt (Pfingstsamstag, den 22. Mai 2010) unter dem Motto "Gemeinsam wandern - Deutschlands Vielfalt erleben!" auf.

22.02.2010

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN)

Stresemannstraße 128 - 130
11055Berlin
Deutschland

Tel.:+49 30 18 305-0
Fax:+49 228 99305-3225

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