Konzept verbindet Moorrenaturierung, Rohstoffnutzung und klimapolitische Ziele
Der NABU Niedersachsen und der Industrieverband Garten (IVG) haben ein gemeinsames Konzept zur Umsetzung von Natur- und Klimaschutz in Hochmooren vorgelegt. Ziel ist es, ökologische Anforderungen mit der Rohstoffnutzung in Einklang zu bringen und gleichzeitig tragfähige Lösungen für die Entwicklung von Moorlandschaften zu schaffen. Die Initiative richtet sich an die Landespolitik und soll in die Fortschreibung des Landesraumordnungsprogramms (LROP) integriert werden.
Kern des Ansatzes ist eine umfassende Betrachtung ganzer Moorkomplexe. Anders als in bisherigen Genehmigungsverfahren werden nicht nur die direkt genutzten Flächen einbezogen, sondern auch angrenzende, hydrologisch verbundene Bereiche. Die Industrie verpflichtet sich, diese Flächen in Renaturierungsmaßnahmen einzubeziehen und entsprechende Maßnahmen eigenständig umzusetzen.
Ganzheitlicher Ansatz für Moorentwicklung
Das Konzept setzt auf eine Kombination aus Rohstoffgewinnung und anschließender Wiedervernässung. Ziel ist es, entwässerte Moorflächen langfristig wieder in funktionierende Ökosysteme zu überführen. Dabei sollen auch Flächen berücksichtigt werden, die bislang landwirtschaftlich genutzt werden und deren ökologische Funktion stark eingeschränkt ist.
„Effektiver Klimaschutz wird durch eine vollständige Aufgabe der Torfgewinnung in Niedersachsen nicht erreicht.“
Hintergrund ist die weiterhin bestehende Bedeutung von Torf im Gartenbau, insbesondere für Kultursubstrate. Ein vollständiger Verzicht würde nach Einschätzung der Beteiligten zu steigenden Importen führen und damit Umweltwirkungen in andere Regionen verlagern.
Unterschiedliche Positionen, gemeinsamer Rahmen
Während der NABU grundsätzlich eine Reduzierung und perspektivische Ablösung des Torfeinsatzes anstrebt, wird im vorliegenden Konzept ein pragmatischer Ansatz verfolgt. Unter definierten Bedingungen kann Torfabbau weiterhin erfolgen, wenn er zur Renaturierung beiträgt und durch zusätzliche Maßnahmen ökologisch ausgeglichen wird.
„Der NABU arbeitet weiter mit aller Kraft daran, den Einsatz dieses fossilen und damit endlichen Rohstoffes zu reduzieren und zu ersetzen.“
Gleichzeitig wird auf die Problematik intensiv genutzter Moorböden hingewiesen, bei denen durch Entwässerung erhebliche Mengen CO2 freigesetzt werden. Die Wiedervernässung solcher Flächen gilt als zentraler Hebel für den Klimaschutz.
Beitrag zur Umsetzung politischer Ziele
Das Land Niedersachsen plant, rund 100.000 Hektar Moorflächen für Torferhalt und Moorentwicklung bereitzustellen. Das vorgelegte Konzept kann hierzu einen konkreten Beitrag leisten: Innerhalb eines definierten Suchraums von etwa 25.000 Hektar könnten rund 8.450 Hektar für eine gesteuerte Rohstoffentnahme genutzt werden, verbunden mit anschließender Renaturierung.
Bereits heute wurden durch die Industrie rund 15.000 Hektar ehemalige Abbauflächen wiedervernässt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen bilden eine wichtige Grundlage für zukünftige Maßnahmen und zeigen, dass funktionsfähige Moorentwicklungen möglich sind.
Rohstoffverfügbarkeit bleibt Herausforderung
Parallel zur Diskussion um Torfreduktion gewinnt die Verfügbarkeit alternativer Substratbestandteile an Bedeutung. Neben Torf werden bereits Materialien wie Grüngutkompost oder Holzprodukte eingesetzt. Allerdings stehen diese Rohstoffe zunehmend in Konkurrenz zu energetischen Nutzungen, was ihre Verfügbarkeit einschränkt.
Vor diesem Hintergrund fordern die beteiligten Akteure eine politische Neuausrichtung, um ausreichend geeignete Ausgangsstoffe für den Gartenbau bereitzustellen und gleichzeitig ökologische Ziele im Moor- und Klimaschutz zu erreichen.
