Aus- und Weiterbildung

„Welcome to WiN“: Qualifizierung für grüne Berufe

Im Kreis Warendorf wurde ein Qualifizierungskonzept für geflüchtete Menschen entwickelt, um ihnen eine berufliche Integration in der Region zu ermöglichen. Das elfmonatige Seminar „Welcome to WiN“ bereitet bis zu 20 Flüchtlinge und Migranten auf eine Tätigkeit oder Ausbildung in den grünen Berufen vor.

Ein Qualifizierungskonzept für berufliche Integration

Im Kreis Warendorf haben verschiedene Behörden, Organisationen und Institute ein Qualifizierungskonzept für geflüchtete Menschen entwickelt. Ziel ist es, Personen mit Bleibeperspektive eine berufliche Integration in der Region zu ermöglichen. Das Programm soll sie auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbereiten und ihnen Bildung sowie Qualifizierung bieten.

Die DEULA Westfalen Lippe in Warendorf, ein Träger für berufliche Bildung, hat in Kooperation mit dem Verband Garten- und Landschaftsbau NRW (VGL), der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster und dem Jobcenter des Kreises Warendorf ein Qualifizierungsangebot ins Leben gerufen. Das elfmonatige Seminar „Welcome to WiN“ startete am 4. April 2016 und bereitet bis zu 20 Flüchtlinge und Migranten auf eine Tätigkeit oder Ausbildung in den grünen Berufen vor. Die Teilnehmer stammen aus sechs verschiedenen Ländern, darunter Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Eritrea und Nigeria, und haben einen Altersdurchschnitt von 26 Jahren.

Inhalte und Struktur des Seminars

Das Seminar umfasst die Vermittlung der deutschen Alltags- und Berufssprache, fachliche Unterweisungen im Garten- und Landschaftsbau, orientierende und interkulturelle Themen sowie ein Praktikum in ausgewählten Betrieben. Die DEULA-Projektleitung hat sich intensiv auf die spezifischen Anforderungen der Teilnehmer eingestellt, unter anderem durch den Einsatz von Dolmetschern, die Anpassung der Küche und die Berücksichtigung religiöser Aspekte.

Das Seminar ist in sechs Module unterteilt, die von der sprachlichen Qualifizierung bis zur beruflichen Praxis reichen. Björn Plaas, Geschäftsführer der DEULA, erläutert die Zielgruppe: „Wir richten uns mit unserem Angebot an Teilnehmer, die sich freiwillig für dieses Seminar melden, einen Bezug zur oder ein Interesse an der grünen Branche haben und – keine Selbstverständlichkeit – das lateinische Alphabet beherrschen.“ Nach Abschluss der Qualifizierung erhalten die Teilnehmer anerkannte Zertifikate für ihre Sprachkenntnisse und berufliche Weiterbildung, was sie für den Arbeitsmarkt rüsten soll.

Praktika und berufliche Perspektiven

Peter Hettlich, Abteilungsleiter im Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, hebt die berufliche Perspektive hervor, die den Absolventen geboten wird. In Zusammenarbeit mit dem VGL konnten bereits Praktikumsplätze bei Betrieben akquiriert werden. Diese Betriebe zeigen sich offen dafür, geeignete Flüchtlinge nach dem Praktikum als Arbeitskräfte oder Auszubildende zu übernehmen.

Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, betont die Bedeutung solcher Initiativen: „Viele Betriebe in Land- und Forstwirtschaft sowie im Garten- und Landschaftsbau haben bereits jetzt Mühe, gut ausgebildete Fachkräfte zu finden. Insbesondere die Suche nach Auszubildenden wird mit sinkenden Schülerzahlen zunehmend schwierig.“ Er sieht in der Investition in die Ausbildung und Qualifizierung geflüchteter Menschen eine sinnvolle Maßnahme, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Johannes Frizen, Präsident der Landwirtschaftskammer NRW, ergänzt, dass Land- und Forstwirtschaft sowie der Garten- und Landschaftsbau wichtige Wirtschaftsfaktoren für die Region sind. Er weist darauf hin, dass viele Flüchtlinge bereits Vorerfahrungen aus dem landwirtschaftlichen Bereich mitbringen, auf die aufgebaut werden kann, um ihnen eine neue berufliche Zukunft zu ermöglichen.

Begleitung und Integration

Während des gesamten Seminars, des Praktikums und auch nach dem Übergang in Arbeit oder Ausbildung steht Pia von Steegen von der DEULA den Teilnehmern als Integrationscoach zur Seite. Sie betreut die Flüchtlinge individuell, unterstützt und stabilisiert sie und dient auch den Betrieben als Ansprechpartnerin. Ihre Rolle umfasst die Schnittstelle zu verschiedenen Stellen wie Ausländeramt, Ärzten, Arbeitgebern, Lehrern und sozialen Einrichtungen. Auch nach der Vermittlung in den Arbeitsmarkt begleitet sie die Teilnehmer und ihre Arbeitgeber bei Bedarf im beruflichen Alltag.

Brigitte Klausmeier, Amtsleiterin des Jobcenters Kreis Warendorf, sieht in dieser langfristigen Begleitung ein wichtiges Element für eine erfolgreiche berufliche Integration. Reinhard Schulze-Tertilt vom Präsidium des VGL unterstreicht die Unterstützung der Mitgliedsbetriebe: „Unsere Mitgliedsbetriebe unterstützen das neuartige Seminar sehr gerne, stellen Praktikumsplätze zur Verfügung und investieren in die Aus- und Weiterbildung der Teilnehmer.“ Er betont die Notwendigkeit der Zusammenarbeit aller Partner am Arbeitsmarkt, um neue Wege zu gehen. Das Konzept „Welcome to WiN – Work in Nature“ soll dazu beitragen, dass geflüchtete Menschen im Kreis Warendorf eine Zukunft aufbauen und so mittel- und langfristig zum Erfolg der Region beitragen können.

24.03.2016

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