Naturschutz

Weltfeuchtgebietstag: "Leistungen für Mensch und Natur sichern"

01.02.2011

Angesichts des weltweiten Feuchtgebietstags weist das Bundesamt für Naturschutz auf den bedenklichen Zustand vieler Feuchtgebiete gerade auch in Deutschland hin: Die ursprünglich vorhandenen Moore sind zu 95 % entwässert, abgetorft oder land- oder forstwirtschaftlich genutzt. Von der verbliebenen Fläche unserer Flussauen sind nur noch zehn Prozent in einem naturnahen Zustand, in dem sie ihre Funktionen erfüllen können.

40 Jahre Ramsar-Konvention: BfN fordert besseren Schutz für Deutschlands Feuchtgebiete

Feuchtgebiete sind weit mehr als nur Rückzugsorte für seltene Tier- und Pflanzenarten. Sie erbringen wesentliche Dienstleistungen für den Menschen: Moore speichern weltweit 20 bis 25 Prozent des Kohlenstoffs und fungieren als entscheidende Klimaschützer. Dennoch sind in Deutschland bereits 95 Prozent aller Moore durch Nutzung und Entwässerung zerstört oder stark degeneriert.

Anlässlich des Weltfeuchtgebietstages und des 40-jährigen Bestehens der Ramsar-Konvention wirbt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) für eine Ausweitung der Schutzgebiete. „Deutschland hat ein großes Potenzial, mit seinen Juwelen bei den Feuchtgebieten zu werben und weitere wertvolle Flächen mit dem Prädikat auszuzeichnen“, erklärt BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.

Wirtschaftlicher Nutzen: Natürlicher Hochwasserschutz spart Millionen

Die ökologische Bedeutung von intakten Auen lässt sich direkt in wirtschaftliche Zahlen fassen. Naturbelassene Flusslandschaften dämpfen Hochwasserspitzen und reinigen das Wasser – eine Leistung, die sonst teuer durch technische Anlagen erbracht werden müsste. Eine Untersuchung des BfN an der Elbe verdeutlicht dies:

  • Rückdeichungskosten: ca. 18 Mio. Euro jährlich für 35.000 Hektar.
  • Einsparungen: 6 Mio. Euro an Schadenskosten sowie 16 Mio. Euro durch natürliche Klärleistungen.
  • Zusatzwert: Rund 30 Mio. Euro jährlich durch den Erholungswert für die Bevölkerung.

Damit erweisen sich Renaturierungen auch aus rein ökonomischer Sicht als hochgradig sinnvolle Investitionen.

Status Quo: Moore und Auen unter Druck

Die Bilanz für Deutschlands Wasserlandschaften bleibt ernst. In den Auen deutscher Flüsse steht nur noch etwa ein Drittel der ursprünglichen Fläche als Rückhalteraum zur Verfügung – davon sind lediglich 10 Prozent in einem naturnahen Zustand. Dies führt dazu, dass extreme Hochwasserereignisse mittlerweile fast jährlich Schäden an Siedlungen verursachen.

Besonders gefährdet sind spezialisierte Arten wie der Lachs, der Stör oder der seltene Schierlings-Wasserfenchel, der weltweit ausschließlich im Süßwasserwatt der Elbe vorkommt.

Strategie bis 2025: Nationale Biodiversitätsstrategie

Um den Artenrückgang zu stoppen, hat sich Deutschland im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie ehrgeizige Ziele gesetzt:

  • Bis 2020: Sicherung der Fließgewässer und Auen in ihrer natürlichen Vielfalt.
  • Bis 2025: Flächendeckende Umsetzung von Moorentwicklungskonzepten in allen Bundesländern.

Hintergrund: Die Ramsar-Konvention

Die 1971 in der iranischen Stadt Ramsar unterzeichnete Konvention ist eine der ältesten weltweiten Naturschutzvereinbarungen. Ihr Ziel ist nicht nur der Erhalt, sondern die nachhaltige Nutzung („wise use“) von Feuchtgebieten. Deutschland hat bislang 34 Gebiete von internationaler Bedeutung gemeldet, darunter das Weltnaturerbe Wattenmeer und zahlreiche Seen- und Flusslandschaften.

Info: Internationales Jahr der Wälder
Das Jahr 2011 wurde von den Vereinten Nationen zudem zum Internationalen Jahr der Wälder erklärt. Da Feuchtgebiete wie Auwälder eine Schnittstelle dieser Ökosysteme bilden, steht auch der Tag der Biodiversität am 22. Mai unter dem Motto „Biodiversität der Wälder“.
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