Hintergrund und Einordnung der Emissionsdaten
Deutschland verzeichnete auch im Jahr 2011 einen Rückgang der Treibhausgasemissionen. Aktuelle Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) zeigen, dass insbesondere die Emissionen von Kohlendioxid und Methan erneut abnahmen. Ein wesentlicher Faktor hierfür war der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien.
Im Gegensatz dazu blieben die Emissionen fluorierter Gase (F-Gase) weitgehend konstant, während die Lachgasemissionen zunahmen, unter anderem bedingt durch einen höheren Düngemittelabsatz. Insgesamt wurden 2011 etwa 917 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt.
Der Rückgang der Emissionen zeigt: Deutschland nimmt seine Verpflichtungen ernst. Die Ziele des Kyoto-Protokolls können auch unter den Bedingungen eines beschleunigten Atomausstiegs erreicht werden. Dies wurde häufig angezweifelt.
Dies erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Er betonte jedoch, dass weitere Maßnahmen erforderlich seien, um die Klimaziele zu erreichen. Dazu gehöre eine Reduzierung der CO2-Zertifikate durch eine Verschärfung des europäischen Klimaschutzzieles sowie die Förderung der energetischen Gebäudesanierung.
Die vorgelegten Werte stellen die absoluten Emissionsmengen dar. Das Umweltbundesamt nimmt gemäß seinem gesetzlichen Auftrag keine statistischen Bereinigungen vor, beispielsweise hinsichtlich Temperatur- oder Konjunktureinflüssen. Im Vergleich zum Referenzjahr 1990 sanken die Treibhausgasemissionen 2011 um 26,5 Prozent. Damit wurde das Minderungsziel des Kyoto-Protokolls von 21 Prozent erneut deutlich unterschritten.
Trotz positiver wirtschaftlicher Entwicklung und der Abschaltung von acht Atomkraftwerken verringerte sich der Ausstoß der Treibhausgase gegenüber 2010 um 2 Prozent. Das Emissionsniveau lag damit in etwa auf dem Stand des Krisenjahres 2009.
Die Emissionsminderung wurde zwar durch die relativ milde Witterung begünstigt. Aber auch der wachsende Anteil von erneuerbarem Strom führt zu niedrigeren Emissionen, ebenso der geringere Stromexport. Vor dem Hintergrund der begonnenen Energiewende und des geringeren Stromanteils aus Kernkraftwerken stellen die Emissionszahlen einen Erfolg dar. Um das nationale Klimaschutzziel einer 40-prozentigen Minderung zu erreichen, dürfen die Anstrengungen nicht nachlassen.
UBA-Präsident Flasbarth hob hervor, dass dazu vor allem verstärkte Maßnahmen zur Energieeffizienz und energetischen Gebäudesanierung zählten.
Entwicklung der einzelnen Treibhausgase im Detail
Kohlendioxid
Die CO2-Emissionen verringerten sich im Vergleich zu 2010 um 2,4 Prozent. Dieser Rückgang ist hauptsächlich auf den geringeren Bedarf an Heizenergie zurückzuführen, bedingt durch die mildere Witterung. Dies zeigte sich insbesondere beim Erdgasverbrauch und Mineralölbedarf für Heizzwecke. Hohe Heizölpreise führten zu geringeren Zukäufen und einer verstärkten Nutzung von Lagerbeständen. Der Eigenverbrauch der Raffinerien sank aufgrund der verringerten Rohölverarbeitung weiter.
Obwohl der Anteil der Kernenergie deutlich abnahm, stiegen die Emissionen aus der Stromerzeugung nur leicht an. Dies lag zum einen an geringeren Stromexporten und zum anderen an einer erhöhten Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Diese Entwicklungen spiegeln sich auch in den für 2011 berichteten Zahlen der Energie- und Industrieanlagen wider, die dem Europäischen Emissionshandel (ETS) unterliegen. Demnach gingen die CO2-Emissionen des Energiesektors zwischen 2 und 6 Prozent zurück. Die prozessbedingten Emissionen der Industrie, wie der chemischen und Metallindustrie, erhöhten sich hingegen entsprechend der konjunkturellen Entwicklung.
Methan
Die Methanemissionen sanken gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent. Dies ist primär auf den Rückgang der Abfalldeponierung zurückzuführen, da organische Bestandteile in Deponien eine Hauptquelle für Methanemissionen darstellen. Seit 2005 wurde die Deponierung von Abfällen schrittweise reduziert. Auch der Rückgang der geförderten Steinkohlemenge und kleinere landwirtschaftliche Tierbestände trugen zur Methanminderung bei.
Lachgas
Die Lachgasemissionen nahmen 2011 um 2,3 Prozent zu. Hauptursache war der deutlich gestiegene Absatz stickstoffhaltiger Mineraldünger im Vergleich zum Vorjahr. Auch die chemische Industrie stieß konjunkturell bedingt mehr Lachgas aus. Rückgänge im Bereich der Energiewirtschaft glichen dies teilweise aus. Die Emissionen des Verkehrsbereiches stiegen geringfügig infolge des erhöhten Katalysatoreinsatzes im Schwerlastverkehr (ab EURO IV). Diese Katalysatoren reduzieren Stickoxide effizient, erhöhen jedoch geringfügig die Emission von Lachgas.
F-Gase
Die F-Gas-Emissionen gingen geringfügig um 0,4 Prozent zurück. Dies ist maßgeblich auf die eingestellte Produktion des Kältemittels R22 zurückzuführen, bei der bedeutende Mengen an Halogenierten Fluorkohlenwasserstoffen (HFKW) freigesetzt wurden. Dieser Einmaleffekt wurde nahezu kompensiert, da gleichzeitig die Emissionen aus Kältemitteln sowie von Schwefelhexafluorid (SF6) zunahmen, welches im Wesentlichen aus verbauten Produkten wie Schallschutzfenstern stammt.
Das Kyoto-Ziel und Datengenauigkeit
Um das Kyoto-Ziel zu erreichen, dürfen die Treibhausgasemissionen in Deutschland im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2012 jährlich den Wert von 974 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent nicht überschreiten. 2008 wurde dieses Ziel mit 976 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent nahezu erreicht. Insgesamt summiert sich die jährliche Unterschreitung des Zielwertes in der Verpflichtungsperiode auf 154 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent. Im Jahr 2011 unterschritt Deutschland den Wert um 58 Millionen Tonnen.
Die vorliegenden Emissionsergebnisse für Deutschland basieren auf Modell-Extrapolationen und Trendfortschreibungen detaillierter Berechnungen aus dem Jahr 2010. Für das Jahr 2011 wurden erste veröffentlichte Überblicksangaben der amtlichen Statistik, der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen und von Industrieverbänden herangezogen. Die Gesamtergebnisse haben daher vorläufigen Charakter und können noch geringfügig variieren. Es handelt sich um absolute Emissionsmengen ohne statistische Bereinigung um Wetter- oder Konjunktureffekte.