Kooperation als Schlüssel zur nachhaltigen Kompensation
Die Forschungsergebnisse zeigen, dass eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Naturschützern und Kommunen zu effektiveren und langlebigeren Kompensationsmaßnahmen führt. Insbesondere Maßnahmen, die eine Nutzungskomponente integrieren, erweisen sich als praktikabler. Das Konzept „Extensive Landnutzungskonzepte für die Produktion nachwachsender Rohstoffe als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen (ELKE)“ wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert. Alle Projektergebnisse sind auf landnutzungsstrategie.de verfügbar.
Bauherren sind gemäß § 13 Bundes-Naturschutzgesetz seit 1976 verpflichtet, Eingriffe in Natur und Landschaft, etwa durch Flächenversiegelung, zu kompensieren. Dies geschieht häufig durch die Anlage von Hecken, Baumpflanzungen oder die Umwandlung von Ackerland in Wiesen. Diese Flächen stammen oft von Landwirten. Angesichts der anhaltenden Flächenversiegelung in Deutschland, die täglich durchschnittlich 73 Hektar Boden betrifft, gehen viele produktive Flächen für die Erzeugung von Nahrung, Futtermitteln oder nachwachsenden Rohstoffen verloren.
Das ELKE-Konzept: Landwirtschaftliche Produktion und Naturschutz verbinden
Nach dem ELKE-Konzept übernehmen Landwirte die ökologischen Ersatzmaßnahmen selbst. Sie behalten die Verfügungsgewalt über ihre Flächen und bauen extensiv Energiepflanzen oder Pflanzen für die stoffliche Nutzung an, beispielsweise in Form von Energiehecken. Diese Hecken bestehen aus einer Mischung schnellwachsender und standortgerechter Gehölze. Die Mindereinnahmen der Landwirte werden durch Ökokonten oder Fonds ausgeglichen, in die Bauherren als Verursacher einzahlen.
Derzeit werden diese Mittel überwiegend für den Ankauf von Flächen verwendet. Der innovative Ansatz des produktionsintegrierten Naturschutzes kann jedoch sowohl ökonomisch als auch ökologisch vorteilhafter sein als die bisherige Ausgleichspraxis. Er ermöglicht die Anlage größerer und vernetzter Flächen. Zudem zeigen Auswertungen, dass Kompensationsmaßnahmen mit Nutzungskomponente langfristig gesichert sind, da die Landwirte ein betriebliches Interesse am Aufwuchs der Pflanzen haben.
Langfristige Sicherung ökologischer Werte
Im Gegensatz dazu kann bei klassischen Maßnahmen die Aufgabe der Pflege aus Kostengründen nach einer Etablierungsphase den gewünschten ökologischen Wert mindern. Ungeschnittene Hecken dünnen im unteren Bereich aus und bieten weniger Schutz für Wildtiere. Ungepflegte Obstbäume vergreisen frühzeitig und sind anfälliger für Windbruch, wodurch die Entwicklung von Baumhöhlen, die durch Insekten und Vögel nach dem Obstbaumschnitt entstehen, ausbleibt. Die Annahme „Je weniger Nutzung, desto mehr Natur“ trifft hier nicht zu, da die heutige Kulturlandschaft und ihre biologische Vielfalt maßgeblich durch menschliche Nutzung geprägt ist.
Praktische Erprobung und regionale Wertschöpfung
Der ELKE-Ansatz wurde in vier Modellregionen praktisch erprobt. In Hessen und Bayern legten Landwirte, in Niedersachsen eine Gemeinde, moderne Energiehecken an. Die Hackschnitzel aus der Agrarholzernte werden unter anderem vom Stammwerk der Firma Viessmann und dem Kloster Scheyern zur Wärmeerzeugung genutzt. Im Saarland erprobte eine Stiftung den Anbau von Wildkraut- und Getreidegemengen für eine Biogasanlage. Die regionale Wertschöpfung aus der Rohstofferzeugung und -verwertung reduziert die reinen Naturschutzkosten und leistet einen Deckungsbeitrag im landwirtschaftlichen Betrieb.
Mittlerweile setzen erste Regionen das ELKE-Konzept eigenfinanziert um. Die strikte Trennung von Kompensation und landwirtschaftlicher Produktion stößt zunehmend an ihre Grenzen, da der Erwerb von Flächen für Maßnahmenträger schwieriger und teurer wird. Ein integrierter Ansatz wird daher vielerorts als notwendig erachtet, erfordert jedoch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit von Naturschutz und Landwirtschaft.
