Die Auswirkungen unnötiger Leerlaufzeiten auf Betrieb und Umwelt
Ein hoher Leerlaufanteil hat weitreichende Konsequenzen. Neben dem unnötigen Kraftstoffverbrauch entstehen vermeidbare CO2-Emissionen; ein Liter verbrannter Diesel setzt 2,64 Kilogramm CO2 frei. Zudem läuft der Betriebsstundenzähler weiter, ohne dass eine Arbeitsleistung erbracht wird. Dies mindert den Wiederverkaufswert der Maschine und führt dazu, dass verlängerte Garantien schneller erlöschen und turnusmäßige Serviceintervalle früher erreicht werden.
Das effektivste Mittel zur Reduzierung ist das Abschalten des Motors bei Stillständen von fünf Minuten oder länger. Die aktuelle Energiekrise hat die Bedeutung der Kraftstoffersparnis zusätzlich verstärkt. Flottenmanagementsysteme ermöglichen es Unternehmen, die Effektivität ihrer Maschinen präzise zu erfassen.
Flottenmanagement als Werkzeug zur Effizienzsteigerung
Jürgen Ramers, technischer Leiter der Vereinigten Schotterwerke, bestätigt, dass die aus Flottenmanagementsystemen gewonnenen Daten eine exakte Möglichkeit bieten, Abweichungen im Maschinenbetrieb aufzudecken. Ursprünglich nutzten die Mechatroniker des Unternehmens Vision Link zur Planung und Abstimmung von Wartungsarbeiten an Cat Baumaschinen. Ramers erkannte jedoch das Potenzial des Systems für weitere gewinnbringende Anwendungen, wie die Kontrolle des Kraftstoffverbrauchs, die zuvor nur bedingt zuverlässig war.
Flottenmanagementsysteme bieten Bauunternehmen ein solides Werkzeug zur verbindlichen Erfassung und Auswertung von Maschinendaten. Sie greifen auf Informationen wie die GPS-Position, Start- und Stoppzeiten, Kraftstoffverbrauch (im Leerlauf und unter Last), Fehlercodes und Betriebszustände zurück. Diese Daten können Anwender bequem am PC-Bildschirm im Büro einsehen.
Praxisbeispiel: Vereinigte Schotterwerke
Die internetbasierte Benutzeroberfläche Vision Link ermöglicht eine umfassende Auswertung aller Cat Maschinen. Um die Kommunikation zu vereinfachen, wurden die firmeninternen Gerätebezeichnungen der Vereinigten Schotterwerke in Vision Link übernommen. Dies schafft Transparenz, insbesondere bei einem Maschinenpark von rund 40 Baumaschinen, darunter zahlreiche Bagger und Radlader verschiedener Typen.
Jürgen Ramers überprüft die automatisiert per E-Mail erhaltenen Datenberichte einmal wöchentlich. Sein Hauptaugenmerk liegt auf dem vermeidbaren Leerlauf, der über die Motordrehzahl gemessen wird und keine Wertschöpfung generiert. Ein solcher Leerlauf liegt vor, wenn der Motor läuft, aber Hubgerüst, Schaufel, Räder oder Ketten sich nicht bewegen. Der Bericht listet die Anzahl und Summe des vermeidbaren Leerlaufs auf und multipliziert diesen mit dem Verrechnungssatz der Baumaschine, um den wirtschaftlichen Einfluss auf das Betriebsergebnis sichtbar zu machen.
Ein Beispiel für einen Cat 972M XE zeigt die Wirkung: Der Leerlaufanteil lag vor der Nutzung von Vision Link bei 26,7 Prozent. Durch gezielte Mitarbeitergespräche und Fahrerschulungen konnte dieser Wert auf 11,3 Prozent gesenkt werden. Bernhard Tabert errechnete, dass dies bei einer Gesamtnutzung von 10.000 Betriebsstunden einer Umwandlung von 1.540 Leerlauf- in nutzbare Arbeitsstunden entspricht. Bei einem Betriebskostensatz von 75,00 Euro pro Stunde ergibt sich daraus eine Kostenersparnis von 115.500 Euro, die sich unmittelbar auf das Ergebnis auswirkt.
Jürgen Ramers zieht regelmäßig Rückschlüsse aus den Daten. Abweichungen werden analysiert, um deren Ursachen zu ermitteln. Er betont, dass es plausible Gründe für erhöhte Leerlaufzeiten geben kann, beispielsweise wenn der Produktionsprozess dies erfordert. Ziel ist es, die Mitarbeiter für die Potenziale von Tools wie Vision Link zu sensibilisieren, um die letzten Prozentpunkte an Wirtschaftlichkeit herauszuholen.
Die Unternehmensgruppe setzt rund 40 Baumaschinen ein, darunter Radlader, Ketten-, Mobil- und Umschlagbagger, zur Beschickung mobiler Anlagen zur Schotteraufbereitung, zur Herstellung von Schüttgütern und Mineralgemischen sowie für Entsorgung, Verwertung und Materialumschlag. Ramers hebt hervor, dass jeder Einsatzfall individuell betrachtet werden muss, da sich die Anforderungen an eine Baumaschine in der Rückverladung von denen im Rohstoffabbau in einem Kalksteinbruch unterscheiden.
Für Jürgen Ramers sind die Daten zu einem wichtigen Gradmesser für die Wirtschaftlichkeit geworden.
Definition von Leerlaufzeiten
Es wird zwischen verschiedenen Arten von Leerlauf unterschieden:
- Produktionsbedingter Leerlauf: Hierbei wartet eine Maschine auf Be- oder Entladen. Die Intervalle sind kurz, zwischen null und fünf Minuten, und wiederholen sich über den Tag.
- Systembedingter Leerlauf: Diese Intervalle liegen zwischen null und 30 Minuten. Sie treten auf, wenn beispielsweise ein Ladegerät warten muss, bis Transportgeräte wieder verfügbar sind. Wiederholt sich dieses Phänomen, muss die Ursache, wie eine nicht optimal abgestimmte Maschinengröße oder ungünstige Einsatzbedingungen, analysiert werden.
- Abnormaler Leerlauf: Dieser Leerlauf hat keinen direkten Bezug zur Produktion und kann zwischen null und 300 Minuten dauern. Beispiele hierfür sind das Warmlaufen der Maschine am Morgen oder das Laufenlassen des Motors für Klimaanlage oder Heizung.


