Naturschutz

Artenschutz durch Lebensraumerhalt: Die Doppelstrategie des DBU Naturerbes

Die DBU betont die Notwendigkeit, wertvolle Lebensräume zu schützen, um Artenschutz zu gewährleisten. Das DBU Naturerbe verfolgt eine Doppelstrategie: Wälder entwickeln sich zu Wildnis, während waldfreie Flächen durch Bewirtschaftung erhalten werden.

DBU Naturerbe: Schutz der Artenvielfalt durch gezieltes Flächenmanagement

Der Verlust der Artenvielfalt stellt eine Bedrohung für die Lebensgrundlagen dar. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) betont anlässlich des Tages des Artenschutzes am 3. März die Notwendigkeit, wertvolle Lebensräume zu schützen, um Artenschutz zu gewährleisten.

Die Flächen des Nationalen Naturerbes sind wichtige Biotope für die biologische Vielfalt. Von den insgesamt 156.000 Hektar Naturerbeflächen in Deutschland verantwortet das DBU Naturerbe, eine Tochtergesellschaft der DBU, 70 Flächen mit 69.000 Hektar. Auf diesen Flächen verfolgt das DBU Naturerbe eine Doppelstrategie: Wälder sollen sich unbeeinflusst vom Menschen zu Wildnis entwickeln, während waldfreie Flächen wie Heidelandschaften durch Bewirtschaftung, beispielsweise Schafbeweidung, erhalten werden. Diese Strategie zielt darauf ab, den naturschutzfachlichen Wert zu sichern oder zu steigern. Die konkreten Maßnahmen werden in Naturerbe-Entwicklungsplänen festgelegt.

Artenschwund als zentrale Herausforderung

Der anhaltende Artenschwund wird, ähnlich dem Klimawandel, als eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit betrachtet. Wissenschaftler um Prof. Dr. Johan Rockström, Träger des Deutschen Umweltpreises der DBU, haben dies mit dem Konzept der „planetaren Belastungsgrenzen“ verdeutlicht. Innerhalb dieser Grenzen soll menschliche Entwicklung möglich sein, ohne die Lebensgrundlagen zu zerstören.

In Deutschland sind laut aktuellen Roten Listen der Tier- und Pflanzenarten etwa 30 Prozent der rund 3000 Farn- und Blütenpflanzenarten gefährdet. Hauptursachen sind Lebensraumveränderungen wie Biotopzerstörung, Aufforstung von Offenlandlebensräumen, Entwässerung, intensive Bewirtschaftung und Nährstoffeinträge sowie die Aufgabe extensiver Nutzungsformen. Die DBU setzt hier, zusammen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Sparte Bundesforst, an, indem sie Wälder, waldfreie Gebiete, Feuchtgebiete und Moore erhält und weiterentwickelt.

Naturnahe Waldentwicklung und Wildnis

Die DBU Naturerbeflächen wurden überwiegend militärisch genutzt und waren der Öffentlichkeit oft nicht zugänglich. Es handelt sich häufig um große, unzerschnittene Räume, die unterschiedlich stark vom Menschen beeinflusst wurden. Die DBU strebt an, Waldgebiete möglichst schnell einer natürlichen Entwicklung zuzuführen, um einen Beitrag zur Biodiversitäts-Strategie des Bundes zu leisten. Diese Strategie sieht vor, dass bis 2020 fünf Prozent der Waldfläche in Deutschland einer natürlichen Entwicklung überlassen werden sollen.

„Wir helfen der Natur auf den DBU-Naturerbeflächen mitunter aktiv auf die Sprünge: Aus naturfernen Kiefern- und Fichtenmonokulturen werden naturnahe Wälder mit hohem Laubbaumanteil. Sind sie naturnah, bleiben sie sich selbst überlassen. Dadurch wächst der Alt- und Totholzanteil, und die ökologische Funktion des Waldes wird gestärkt.“

Die Roten Listen zeigen, dass insbesondere Tier- und Pilzarten, die auf naturnahe Wälder spezialisiert sind, überproportional stark gefährdet sind. Dazu gehören seltene Vogelarten wie der Schwarzspecht und der Zwergschnäpper, die auf verschiedenen DBU-Naturerbeflächen geeignete Lebensräume finden.

Erhalt artenreicher Offenlandflächen

Für artenreiche Offenlandflächen hat sich eine andere Herangehensweise als zielführend erwiesen.

„Wenn wir diese Flächen sich selbst überlassen, werden die artenreichen Heidelandschaften und Grünlandflächen nach und nach verbuschen und mit Gehölzen zuwachsen. Dann finden darauf angepasste und seltene Arten wie Heidelerche, Ziegenmelker und Neuntöter keinen Lebensraum mehr.“

Daher ist es wichtig, diese Lebensräume durch schonende Pflegemaßnahmen wie Schafbeweidung oder Mahd dauerhaft zu erhalten und ihren Zustand zu verbessern.

Das DBU Naturerbe befasst sich zudem intensiv mit dem Feuchtgebietsmanagement.

„Gewässer- und Feuchtgebiete sind Ökosysteme mit Schnittstellenfunktion zwischen verschiedenen Lebensräumen. Sie beheimaten eine Vielzahl häufig hochspezialisierter Lebensgemeinschaften mit zahlreichen gefährdeten und gesetzlich geschützten Arten.“

Unverbaute Bäche und Flüsse mit natürlichem Gewässerlauf sind aufgrund ihrer ökologischen Funktion als Wander- und Ausbreitungskorridor für viele Arten von besonderer Bedeutung für die Biotopvernetzung. Ziel ist es, den Wasserhaushalt auf diesen Flächen wiederherzustellen.

Naturerbe-Entwicklungspläne als Managementgrundlage

Die Naturschutzziele für die einzelnen DBU-Naturerbeflächen sind in Leitbildern festgelegt, die mit Bund und Ländern abgestimmt wurden.

„Im Planungsprozess werden dann Biotop- und Artendaten erhoben und für jede Fläche geeignete Maßnahmen festgelegt. Dabei wird die Doppelstrategie angewendet: Es erfolgt eine Abwägung, auf welchen Teilflächen eine natürliche Waldentwicklung stattfinden und wo genau artenreiche Lebensräume durch extensive Bewirtschaftung erhalten werden sollen.“

Diese Pläne dienen als fachliche Grundlage für das Flächenmanagement und haben eine Umsetzungsdauer von zehn Jahren.

Die Pläne werden mit den jeweiligen Ländern und dem Bundesamt für Naturschutz abgestimmt und anschließend vor Ort in Zusammenarbeit mit den Bundesforstbetrieben der BImA und weiteren Partnern umgesetzt. Kürzlich wurden zwei Naturerbe-Entwicklungspläne für die DBU-Naturerbeflächen Marienfließ und Woldeforst verabschiedet. Im Laufe des Jahres sollen weitere Pläne für DBU-Naturerbeflächen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Bayern folgen.

02.03.2018

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