Herausforderung Schäle bei Buchenbeständen und Lösungsansätze
Die Nachfrage nach Holz bleibt konstant hoch. Um diese künftig zu decken, ist eine wirtschaftliche Nutzung aller Waldholzsortimente erforderlich. Insbesondere die Buche, die im Zuge des Waldumbaus zu laubholzdominierten Mischwäldern eine zentrale Rolle spielt, ist betroffen. Eine Schädigung durch Schäle – das Abfressen der Rinde, meist durch Rotwild – in frühen Stadien erhöht das Kalamitätsrisiko und die Anfälligkeit für Pilze oder andere Schadorganismen.
Dies führt zu einer kürzeren Umtriebszeit als die wirtschaftlich notwendigen 120 bis 160 Jahre, einer eingeschränkten Nutzbarkeit und einem erheblichen Wertverlust des Holzes.
Obwohl es sich hierbei um ein in der Forstwirtschaft bekanntes und verbreitetes Problem handelt, gibt es bislang keinen einheitlichen waldbaulichen Leitfaden zum Umgang mit stark schälgeschädigten Buchenbeständen.
Dies betont Prof. Dr.-Ing. Matthias Zscheile von der Hochschule Rosenheim. Das aktuelle Projekt soll diese Lücke schließen.
Entwicklung eines Handlungskatalogs und präventive Maßnahmen
Der dreijährige Projektzeitraum dient der Erstellung eines Leitfadens, der Forstwirten ökonomisch und ökologisch optimale Lösungen für den Umgang mit stark schälgeschädigten Buchenholzbeständen bietet. Basierend auf umfassenden Datenanalysen werden forstwirtschaftliche Behandlungsalternativen aufgezeigt, die den Schädigungsgrad und ökologische Aspekte berücksichtigen. Forstbetriebe erhalten somit eine Entscheidungshilfe, um wirtschaftliche Schäden durch Schäle zu minimieren oder zu verhindern. Angestrebt wird eine möglichst hochpreisige, primär stoffliche Verwendung des Holzes.
Die Fürstlich Stolberg-Roßlasche Verwaltung stellt hierfür eine Betriebsfläche im Hohnsteiner Forst zur Verfügung. Dort werden die Bestände mit allen Altersstufen und Schädigungsgraden inventarisiert. Die Universität Göttingen übernimmt die Erfassung und Visualisierung der Schadmerkmale, während die Hochschule Rosenheim die Holzsortimente und -qualitäten erfasst, um optimale Ernteverfahren zu bestimmen.
Zur Entwicklung präventiver Maßnahmen vergleichen die Wissenschaftler etablierte Behandlungsmöglichkeiten wie den Einzelschutz von Bäumen, den Flächenschutz von Gebieten, Durchforstungsverfahren, den Bestandesaufbau und die Jagd. Nach Ernte und Aufbereitung klassifiziert die Hochschule Rosenheim das geschädigte Holz für mögliche Nutzungen, etwa als Sägeholz, Industrieholz oder Brennholz. Ergänzend werden Kosten-Nutzen-Analysen der verschiedenen Szenarien erstellt. Die Ergebnisse fließen in den Leitfaden ein, der deutschlandweit adaptierbar sein soll.
