Naturschutz

„Wildkatzensprung“: Sechs Jahre für die Vernetzung von Wäldern

Das Projekt „Wildkatzensprung“ des BUND hat nach sechs Jahren erfolgreich die Vernetzung von Wäldern vorangetrieben. Es gilt als eines der größten Naturschutzprojekte Europas und ist entscheidend für die Überlebenschancen der Wildkatze sowie anderer gefährdeter Tiere.

Erfolgreicher Abschluss eines Großprojekts

Das Projekt „Wildkatzensprung“, koordiniert vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), hat nach über sechs Jahren seinen Abschluss gefunden. Es wurde im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durchgeführt und vom Bundesamt für Naturschutz mit 3,85 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert. Das Projekt gilt als eines der größten Naturschutzprojekte Europas, sowohl hinsichtlich seiner flächenmäßigen Ausdehnung als auch der vielfältigen Beteiligung.

Die Hauptlebensräume der Wildkatze, naturnahe Wälder, sind oft durch Straßen, landwirtschaftlich genutzte Flächen oder Siedlungen voneinander isoliert. Diese Isolation stellt Hindernisse und Gefahren für die Wanderungen der Wildkatze dar, die jedoch für die Erschließung neuer Lebensräume und eine inzuchtfreie Vermehrung notwendig sind.

„Um ihr und zugleich vielen anderen gefährdeten Tieren eine langfristige Überlebenschance zu geben, ist daher eine deutschlandweite Vernetzung der Wälder von großer Bedeutung“, betont Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz.

Das Projekt „Wildkatzensprung“ hat gezeigt, dass die Wiedervernetzung von Wäldern realisierbar ist. Dies wird als wichtig für die Natur und die Artenvielfalt in Deutschland erachtet. Die Bundesregierung hat mit dem Bundeskonzept Grüne Infrastruktur auf die Notwendigkeit durchgängiger Wanderungskorridore reagiert. Das Projekt „Wildkatzensprung“ ergänzt diese Initiative durch die Pflanzung von Korridoren zur Verbesserung der grünen Infrastruktur.

„Das Projekt hat Pilot-Charakter. Vor dieser Leistung habe ich großen Respekt“, so Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium.

Beteiligung und wissenschaftliche Grundlagen

Zur Erhaltung der Wildkatze koordinierte der BUND zahlreiche Akteure aus Behörden, Jagd, Forstwirtschaft, Wissenschaft und Ehrenamt. Insbesondere die Unterstützung von 1.200 Freiwilligen und Wildkatzen-Botschaftern, die unter anderem Haarproben mit Lockstöcken sammelten, machte den „Wildkatzensprung“ zu einem „Citizen Science“-Projekt.

„Die im Projekt entwickelte Gendatenbank für die Wildkatze ist für die Wissenschaft einzigartig und wegweisend für weitere Projekte. Die gespeicherten Datensätze werden ständig erweitert und erlauben nicht nur eine Beurteilung des Bestandes bedrohter Arten wie der Wildkatze, sondern auch weiterer Aspekte wie Wanderbewegungen und Raumnutzung dieser Tiere“, bemerkt Prof. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Die Wildkatzendatenbank lieferte wichtige Hinweise, wo die Vernetzung von Wäldern für die Wildkatze besonders sinnvoll ist. In Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen wurden Wälder beispielhaft durch „grüne Korridore“ aus Bäumen und Büschen miteinander verbunden. Während sich die Europäische Wildkatze in Teilen Deutschlands wieder ausbreitet, wurden in anderen potenziellen Lebensräumen, wie Ost- und Norddeutschland, noch keine Wildkatzen nachgewiesen.

Ausblick

Der BUND wird sich auch nach Projektende weiterhin für die Wildkatze einsetzen. Ziel ist die langfristige Schaffung eines 20.000 Kilometer langen Waldverbundes, der große Teile Deutschlands umfasst und einen Beitrag zur Entwicklung des länderübergreifenden Biotopverbunds leisten soll. Der Fortschritt dieser Vision ist online in der „Wildkatzendatenbank“ einsehbar.

Projektdetails

Das Projekt „Wildkatzensprung“ wurde von 2011 bis 2017 im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert. Beteiligt waren Landesverbände des BUND aus zehn Bundesländern. Mit der Mitwirkung hunderter ehrenamtlicher Mitarbeiter wurden 25.000 Bäume und Sträucher gepflanzt. Die genetische Datenbank umfasst etwa 3.500 Lockstöcke, die mit Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiter insgesamt 50.000 Mal auf Haarproben untersucht wurden.

01.08.2017

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