Pflanzen und Pflanzenteile

Wildnis im Garten – Wie geht das?

Kann man Wildnis aktiv schaffen oder ist Wildnis das, was sich von selbst entwickelt, wenn man einfach alles wachsen lässt? Klar ist, dass immer mehr Gartenbesitzende sich von strengen Gartenregeln, klaren Kanten und dem vermeintlich traditionellen Bild vom ordentlichen Garten verabschieden und sich und ihre Beete befreien wollen. Freiheit meint dabei sowohl den Aspekt Pflegeleichtigkeit als auch die herzliche Einladung für Flora und Fauna, sich zu entwickeln. „Der wilde Garten ist natürlich nicht der, in dem man eine Machete braucht, um sich durch den Garten zu bewegen", schmunzelt Dr. Antje Arnold, die mit ihrem aktuellen Buch „Lets go wild" der Frage nachgeht, wie wilde Gärten glücklich machen.

Tatsächlich ist es ja so, dass wir in der Tiefe unserer Seele immer noch Naturwesen sind und dass wir uns in wilder Natur wie in den Bergen, am Meer, im Wald oder Dschungel glücklich fühlen und unser Urlaubshotel eher nicht in der Nähe einer Autobahn suchen. Genau das ist der Charme des wild gestalteten Naturgartens ... und zwar nicht nur im Urlaub, sondern an jedem Tag und direkt hinter dem Haus.

Let´s go!

Vogelgezwitscher, Heuschreckenzirpen, Blätterrauschen, duftende Blüten ... der wilde Garten bietet Lebensraum und Naturerfahrung, Abstand zum Alltag und echte Erholung. Außerdem: Weniger Arbeit, mehr Natur, spannende Entdeckungen und ganz nebenbei echte Beiträge zum Umwelt- und Klimaschutz. Natürlich gibt es nicht den einen Weg, um aus dem eigenen Garten einen Wildgarten zu machen, sondern eine Vielzahl von Möglichkeiten und Teilaspekten. Die Autorin Dr. Antje Arnold begeistert sich seit Kindheitstagen für Pflanzen, Tiere und Pilze und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Themen der Biodiversität - praktische Erfahrungen sammelt sie in ihrem eigenen Garten, der natürlich ein wilder ist. „Let´s go wild!" versteht sich als Einladung, unsere Verbindung zur Natur neu zu entdecken und bietet konkrete Beispiele und Anregungen, das eigene Grundstück zu einem wilden Garten zu entwickeln.

Neues Garten(er)leben

Wenn der kurz geschnittene Rasen zur Blumenwiese wird, die dunkle Ecke unter dem großen Busch zum Lebensraum für Käfer und Pilze, wo im Frühjahr Vögel nisten und später Igel überwintern ... entwickelt sich der Garten zu einem Naturraum, der zusätzliche Überraschungen bietet. Viele Gartenbesitzende erleben schattige Gartenbereiche als Problem. Arnold zeigt auf, dass Farne als eine der widerstandsfähigen Pflanzengruppen hier eine ästhetische und ökologische Bereicherung bieten. „Viele wissen gar nicht, dass Farne weit mehr sind als grüne Dekoration, sie tragen durch ihre einzigartige und in mehr als 360 Millionen Jahren geübte ökologische Funktion maßgeblich zur Biodiversität bei", erläutert Arnold im Kapitel „Farngarten - unterschätzter Schattenkünstler" von „Let's go wild". Zahlreiche Insekten und auch Vögel nutzen Farne auf verschiedene Weise, sei es als Baumaterial für ihre Nester oder als geschützten Platz für den Nachwuchs. Singvögel, wie Amseln oder Rotkehlchen, suchen zwischen Farnen nach Insekten und Würmern. Wie in einem Naturwald bietet es sich an, solche Gartenbereiche auch durch Totholz aufzuwerten: Arnold spricht in ihrem Buch allerdings von „Second-Life-Holz", weil das abgestorbene Holz unzähligen anderen das Leben ermöglicht - und dabei sehr attraktiv aussieht!

„Let´s go wild!" liest man nicht wie einen Roman, sondern nimmt es immer wieder zur Hand, um sich praktische Anregungen und Tipps für die Weiterentwicklung des wilden Gartens zu holen. Es gibt eine große Bandbreite an Themen, um Elemente des Gartens neu zu entdecken: die Wege, die Beete, die Zäune, die Hecken, die Mauern und Steine, die Bäume ... Wer den Garten bewusst als Lebensraum versteht und verschiedene Gartenbereiche entsprechend gestaltet, wird eine neue Art der Erholung entdecken und damit glücklicher werden, so Arnold. Hochinteressant sind auch ihre historischen und philosophischen Ausführungen über den Begriff „Wildnis", der einst für unbewohntes und von Menschenhand unberührtes Land stand, über die Jahrhunderte aber mit kulturellen, religiösen und ideologischen Vorstellungen aufgeladen wurde. Ihr Credo: „Ein naturnaher Garten lässt uns auf kleinstem Raum Wildnis erleben, reduziert ganz nebenbei den Aufwand an Gartenarbeit, schult dabei unsere Aufmerksamkeit und verbessert spürbar unser Wohlbefinden und unsere Psyche." Wer wissen will, wie wilde Gärten glücklich machen, liest „Let´s go wild!" von Dr. Antje Arnold, erschienen im Gräfe und Unzer Verlag.

Informationen zur Autorin:

Dr. Antje Arnold ist Molekularbiologin und Fachjournalistin. Als sie innerhalb eines internationalen Großkonzerns den Bereich Biodiversität aufbaute, entwickelte sich der Insektenschutz zu ihrem Herzensthema und führte sie zusätzlich zu einem eigenen wilden und insektenfreundlichen Garten. Sie hält regelmäßig Vorträge zu Themen wie Biodiversität und Artensterben.

Informationen zum Buch:

Dr. Antje Arnold
Let's go wild!
Gräfe und Unzer Verlag
224 Seiten, 25,4 x 19,5 cm, gebunden
ISBN: 978-3-8338-9750-4
Preis: 28,00 €

05.08.2026

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