Wildnis im Garten: Naturnahe Flächen bewusst gestalten

Naturnahe Gärten schaffen Lebensräume für Pflanzen und Tiere und können zugleich den Pflegeaufwand reduzieren. In „Let's go wild!“ zeigt Dr. Antje Arnold, wie Blumenwiesen, Farne, Totholz und weitere Gartenelemente zu mehr Biodiversität und Naturerlebnis beitragen.

Dr. Antje Arnold zeigt Wege zu mehr Biodiversität und Naturerlebnis im Garten

Wildnis im Garten bedeutet nicht, sämtliche Flächen unkontrolliert wachsen zu lassen. Vielmehr können unterschiedliche Gartenbereiche gezielt so entwickelt werden, dass sie Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen und zugleich den Pflegeaufwand reduzieren. Dr. Antje Arnold beschäftigt sich in ihrem Buch „Let's go wild!“ mit den Möglichkeiten solcher naturnahen Gärten.

Dabei geht es um einen Abschied von strengen Gartenregeln, klaren Kanten und dem klassischen Bild eines stets aufgeräumten Gartens. Stattdessen können sich Flora und Fauna stärker entwickeln und Gartenbesitzende zugleich neue Formen der Naturerfahrung entdecken.

„Der wilde Garten ist natürlich nicht der, in dem man eine Machete braucht, um sich durch den Garten zu bewegen“, schmunzelt Dr. Antje Arnold.

Vom Rasen zum vielfältigen Lebensraum

Für die Entwicklung eines wilden Gartens gibt es nicht den einen Weg. Eine kurz geschnittene Rasenfläche kann beispielsweise zur Blumenwiese werden. Auch bislang wenig beachtete Bereiche unter Gehölzen können Käfern und Pilzen Lebensraum bieten, Vögeln als Nistplatz dienen oder später Möglichkeiten für die Überwinterung von Igeln schaffen.

Vogelgezwitscher, Heuschreckenzirpen, Blätterrauschen und blühende Pflanzen machen den Garten gleichzeitig zum Erfahrungs- und Erholungsraum. Arnold verbindet damit weniger Pflegeaufwand, mehr Naturbeobachtung und Beiträge zum Umwelt- und Klimaschutz.

Das Buch greift zahlreiche Elemente auf, die sich für eine naturnähere Gestaltung neu betrachten lassen. Dazu gehören Wege, Beete, Zäune, Hecken, Mauern, Steine und Bäume. Entscheidend ist dabei, den Garten bewusst als Lebensraum zu verstehen und seine unterschiedlichen Bereiche entsprechend zu entwickeln.

Farne für schattige Gartenbereiche

Ein Schwerpunkt liegt auf Flächen, die aufgrund ihrer schattigen Lage häufig als schwierig empfunden werden. Hier nennt Arnold Farne als widerstandsfähige Pflanzengruppe, die sowohl gestalterische als auch ökologische Funktionen übernehmen kann.

„Viele wissen gar nicht, dass Farne weit mehr sind als grüne Dekoration, sie tragen durch ihre einzigartige und in mehr als 360 Millionen Jahren geübte ökologische Funktion maßgeblich zur Biodiversität bei“, erläutert Arnold im Kapitel „Farngarten - unterschätzter Schattenkünstler“ von „Let's go wild“.

Farne werden von verschiedenen Insekten und Vögeln genutzt. Sie können Material für den Nestbau liefern oder geschützte Bereiche für den Nachwuchs bieten. Singvögel wie Amseln und Rotkehlchen suchen zwischen den Pflanzen nach Insekten und Würmern.

Totholz wird zum „Second-Life-Holz“

Auch abgestorbenes Holz kann in die Gestaltung naturnaher Flächen einbezogen werden. Nach dem Vorbild eines Naturwaldes lassen sich entsprechende Gartenbereiche durch Totholz ökologisch aufwerten. Arnold bezeichnet es als „Second-Life-Holz“, da es zahlreichen anderen Organismen Lebensmöglichkeiten bietet.

Solche Gestaltungselemente zeigen, wie sich ökologische Funktionen und eine bewusste Gestaltung miteinander verbinden lassen. Die Ansätze bieten damit auch Anregungen für den professionellen Garten- und Landschaftsbau, wenn naturnahe Außenanlagen und biodiversitätsfördernde Strukturen gefragt sind.

Wildnis als gestalteter Naturraum

Neben praktischen Beispielen behandelt Arnold die historische und philosophische Entwicklung des Begriffs Wildnis. Ursprünglich bezeichnete er unbewohntes und von Menschenhand unberührtes Land, wurde im Laufe der Jahrhunderte jedoch mit unterschiedlichen kulturellen, religiösen und ideologischen Vorstellungen verbunden.

„Ein naturnaher Garten lässt uns auf kleinstem Raum Wildnis erleben, reduziert ganz nebenbei den Aufwand an Gartenarbeit, schult dabei unsere Aufmerksamkeit und verbessert spürbar unser Wohlbefinden und unsere Psyche.“

„Let's go wild!“ versteht sich als praxisorientierte Sammlung von Anregungen für die schrittweise Entwicklung naturnaher Gärten. Neben Biodiversität und Lebensräumen stehen dabei auch die Naturerfahrung und der veränderte Umgang mit den einzelnen Gartenbereichen im Mittelpunkt.

Über Autorin und Buch

Dr. Antje Arnold ist Molekularbiologin und Fachjournalistin. Innerhalb eines internationalen Großkonzerns baute sie den Bereich Biodiversität auf. Der Insektenschutz entwickelte sich dabei zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit. Darüber hinaus hält sie regelmäßig Vorträge zu Themen wie Biodiversität und Artensterben und sammelt praktische Erfahrungen in ihrem eigenen wilden und insektenfreundlichen Garten.

Das Buch „Let's go wild!“ von Dr. Antje Arnold ist im Gräfe und Unzer Verlag erschienen. Der gebundene Band umfasst 224 Seiten im Format 25,4 × 19,5 cm. Die ISBN lautet 978-3-8338-9750-4, der Preis beträgt 28 Euro.

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