Naturschutz

MoorFutures: Kohlenstoffzertifikate zur Finanzierung des Moorschutzes

MoorFutures bieten einen innovativen Ansatz zur Finanzierung des Moorschutzes durch Kohlenstoffzertifikate. Diese Initiative schafft Investitionsanreize und ermöglicht Naturschutzmaßnahmen, die zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen beitragen und die Biodiversität fördern.

Ein neuer Ansatz für den Klimaschutz

Der „Kleine Moorgipfel“ empfiehlt einen neuen Ansatz für den Klimaschutz: MoorFutures, spezielle Kohlenstoffzertifikate, sollen die Finanzierung von Naturschutzmaßnahmen ermöglichen und gleichzeitig Investitionsanreize schaffen.

Diese innovativen Möglichkeiten für den Moor- und Klimaschutz wurden auf einer gemeinsamen Veranstaltung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Berlin beleuchtet. Moore bedecken in Deutschland nur vier Prozent der Fläche, sind jedoch fast vollständig entwässert. Dies führt zu jährlichen Emissionen von etwa 45 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalenten, was 2,5 bis 5 Prozent der gesamten jährlichen CO2-Äquivalente Deutschlands entspricht.

Bedeutung der Moore für Klima und Biodiversität

In den norddeutschen Flächenländern zählen entwässerte Moore zu den größten Einzelquellen von Treibhausgasen. Naturschutzmaßnahmen wie die gezielte Wiedervernässung können diese Emissionen reduzieren oder sogar stoppen. Intakte und wiedervernässte Moore tragen zudem zur biologischen Vielfalt bei und erbringen wichtige Ökosystemdienstleistungen. Dazu gehören die Verbesserung der Wasserqualität und des Wasserdargebots, der Hochwasserschutz sowie der Ausgleich des Lokalklimas.

Mecklenburg-Vorpommern bietet seit etwa zwei Jahren unter dem Namen „MoorFutures“ ein Kohlenstoffzertifikat an, das durch Moorwiedervernässung generiert wird. Dieses Zertifikat kann von Unternehmen erworben werden, die ihre Klimabilanz verbessern möchten. Seit Mai 2012 werden MoorFutures auch in Brandenburg angeboten.

Weiterentwicklung der MoorFutures

Um weitere Leistungen wiedervernässter Moore in den MoorFutures berücksichtigen zu können, fördert das BfN seit Ende 2011 ein Forschungsprojekt des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, der Universität Greifswald und der Universität Kiel. Im Rahmen dieses Vorhabens wurden die ökologischen Effekte einer Moorwiedervernässung abgeschätzt und in den Standard der MoorFutures integriert. Dadurch bildet der Standard nun neben dem Klimaschutz ein breites Spektrum ökologischer Leistungen ab, die von intakten Mooren erbracht werden.

„Die weiterentwickelten MoorFutures zeigen eindrucksvoll, dass es Möglichkeiten gibt, Synergien von Klimaschutz und Naturschutz zu nutzen und zum Wohlergehen der Gesellschaft gemeinsam zu verwirklichen.“

Auf dem „Kleinen Moorgipfel“ wurde die Weiterentwicklung der MoorFutures vorgestellt. Dabei wurden die Beweggründe von Unternehmen erörtert, MoorFutures zur Kompensation unvermeidlicher Emissionen einzusetzen. Diskutiert wurde auch, ob und wie Kohlenstoffzertifikate eine Option für die Moorwiedervernässung in ganz Deutschland sein könnten.

Wirtschaftliche Aspekte und Standards

Der Synergieaspekt ist auch für Unternehmen relevant. Durch die Emissionskompensation mittels MoorFutures können sie gleichzeitig einen Beitrag zu ihrer Biodiversitätsperformance leisten. Die MoorFutures-Zertifikate basieren auf einem transparenten Standard mit klaren Kriterien und Regelungen, was für Unternehmen und deren Kunden von Bedeutung ist.

„Die Wiedervernässung gehört volkswirtschaftlich gesehen zu den kostengünstigsten Strategien der Emissionseinsparung. Außerdem ist es nun gelungen, in den MoorFutures weitere Ökosystemleistungen abzubilden und so für private Investitionen zu erschließen. Derartige Kohlenstoffzertifikate mit klaren Standards können eine Option sein und Anstöße vermitteln, dass in ganz Deutschland Moore verstärkt revitalisiert werden. Es wäre daher sehr wichtig, wenn auch andere Bundesländer dem Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs folgen und die MoorFutures einführen und damit unterstützen würden.“

Die Frage, ob sich daraus ein Paradigmenwechsel für die Naturschutzfinanzierung ergibt, wurde ebenfalls thematisiert. Prof. Dr. Bernd Hansjürgens, Studienleiter der Initiative „Naturkapital Deutschland“ am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung UFZ, sieht dies nicht als Privatisierung sämtlicher Umweltleistungen. Vielmehr gehe es darum, die umweltrelevanten Konsequenzen von Entscheidungen besser aufzuzeigen und zu kommunizieren. Die Weiterentwicklung der MoorFutures sei hierfür ein Beispiel.

Über 200 Jahre wurden Moore landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Mittlerweile lassen sich die Klimafolgen und Verluste weiterer Ökosystemleistungen genauer einschätzen. Es gelte nun, die Nutzung von Mooren über geänderte Anreize, auch finanzieller Art, an die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen anzupassen.

Hintergrundinformationen zu MoorFutures

Die Moorwiedervernässung führt zu einer Reduktion von Treibhausgasemissionen, die zwischen 5 und 35 Tonnen pro Hektar und Jahr liegen. Die durch Wiedervernässung erzielten Reduktionen können auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt verkauft werden. Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern und die Universität Greifswald haben die Marke MoorFutures entwickelt. Ein MoorFuture steht für die Vermeidung von einer Tonne Kohlendioxidäquivalent. MoorFutures werden seit 2011 auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt angeboten. Das Land Brandenburg hat 2012 die Markenrechte erworben und vertreibt ebenfalls MoorFutures.

Das BfN-geförderte Forschungsvorhaben „Integrierter Moorstandard“ ermöglicht die Quantifizierung weiterer Ökosystemleistungen wiedervernässter Moore. Im Rahmen dessen entstand auch das BfN-Skript 350, das den MoorFutures-Standard darstellt und zum kostenlosen Download zur Verfügung steht.

23.10.2013

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