Potenziale und Herausforderungen der Moor-Wiedervernässung für den Klimaschutz
Prof. Dr. Hans Joosten, Moorkundler und Träger des Deutschen Umweltpreises, betonte die Bedeutung nasser Moore: „Wir können es uns nicht leisten, dass Moore durch Entwässerung CO2-Schleudern bleiben. Wir müssen verstehen, dass nasse Moore uns unabhängiger machen: Sie tragen zu unserer Klimaneutralität bei, liefern Rohstoffe vor Ort, die wir bisher importieren. Wir können sogar regional und nachhaltig Energie und Wärme von ihnen gewinnen. Deshalb gilt: ‚Moor muss nass‘!“
Im Sektor Landnutzung bietet die Reduzierung von Treibhausgasemissionen auf Moorböden das größte Potenzial in Deutschland. Eine Bund-Länder-Vereinbarung aus dem Oktober 2021 sieht vor, fünf Millionen Tonnen CO2-Äquivalente durch Moor-Wiedervernässung einzusparen.
Bundesumweltministerin Steffi Lemke kündigte an, dass die Wiedervernässung der Moore eine wichtige Rolle im mit vier Milliarden Euro veranschlagten Aktionsprogramm „Natürlicher Klimaschutz“ spielen wird. Sie hob hervor, dass die Expertise für die Umsetzung vorhanden sei. Wissenschaftler des Greifswald Moor Centrums haben die Klimawirkung vernässter Flächen erforscht und gemeinsam mit Landwirten Paludikulturen erprobt. Innovative Unternehmen haben daraus regionale und ökologische Produkte entwickelt.
Gesamtgesellschaftliche Aufgabe und wirtschaftliche Chancen des Moorschutzes
Die Umsetzung des Moorschutzes im großen Stil erfordert die Gestaltung politischer, administrativer und finanzieller Rahmenbedingungen. Einzelne Bundesländer haben bereits Kohlenstoffzertifikate aus Wiedervernässungen aufgelegt.
Prof. Dr. Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings, bezeichnete die Wiedervernässung der Moore als gesamtgesellschaftliche Aufgabe von ähnlicher Dimension wie der Kohleausstieg. Er betonte die Dringlichkeit:
„Beim Klimaschutz stehe die Uhr 5 vor 12, bei der Biodiversität sei sie schon abgelaufen. Wolle man Ernährungssicherheit noch sicherstellen, müsse man jetzt anders denken und habe zum Moorschutz keine Wahl. Diesen müssen man jetzt entschieden und gemeinsam vorantreiben.“Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, schätzte die Wiedervernässung der Moore als Generationenprojekt ein, das alle Beteiligten einbeziehen und langfristig fördern müsse. Er sprach sich dafür aus, Landnutzern Alternativen zu bieten, wie etwa Paludi-PV, Photovoltaik auf wiedervernässten Moorflächen, als möglichen „Kollateralnutzen“.
Marc Opelt, Vorsitzender des Bereichsvorstands bei OTTO, zeigte auf, wie große Unternehmen den Moorschutz vorantreiben können:
„Die weitgehende Vernässung aller entwässerten Moore ist ein wesentlicher Beitrag zur Klimaneutralität. Deshalb wollen die Otto Group und OTTO mit ihrer Unterstützung des Moorschutzprojekts „toMOORow“ ein Signal senden, wie wirksamer Klimaschutz direkt vor der eigenen Haustür gelingen kann. Wir haben bereits mehrfach bewiesen, dass Innovation und Kooperation zu mehr Nachhaltigkeit beitragen können. Daher ist es grundsätzlich denkbar, dass Paludi-Kulturen als alternativer Rohstoff etwa bei Verpackungen oder Möbeln zum Einsatz kommen könnten. Wie und in welchem Rahmen das möglich ist, gilt es aber noch zu klären.“
Praxisnahe Lösungen durch das Projekt MoKli für den Moorschutz
Die Konferenz „Moorschutz ist Klimaschutz“ ist Teil des Projektes MoKli – Moor- und Klimaschutz mit Landnutzern realisieren. Dieses Projekt entwickelt praxistaugliche Lösungen, um den Moorschutz flächendeckend umzusetzen. In fünf Modellregionen in moorreichen Bundesländern klärt MoKli über Moor- und Klimaschutz auf, berät zur Umstellung auf Paludikultur, baut Kooperationen auf und regt neue Verwertungsketten für Moor-Biomasse an.
Im Rahmen des Projekts wurde auch ein neues Berufsbild geschaffen: Moor-Klimawirte sind Landwirte, die Klimaschutzleistungen bei der Bewirtschaftung von Moorböden erbringen. Um viele von ihnen von torferhaltenden Wirtschaftsweisen zu überzeugen, müssen die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen mit einem Bündel von Instrumenten angepasst werden.
MoKli wird vom Deutschen Verband für Landschaftspflege zusammen mit zwei Partnern im Greifswald Moor Centrum (Succow Stiftung & Universität Greifswald) durchgeführt und im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gefördert.


